Mudau

Freude in Langenelz Mit der Weihe der Feuerwehrfahne und der Aussegnungshalle gingen vor 50 Jahren zwei langgehegte Wünsche in Erfüllung

Echte Begeisterung war spürbar

Mit der Weihe der Feuerwehrfahne und der Aussegnungshalle feierten vor 50 Jahren die Bürger in Langenelz zwei für den Ort bedeutsame Ereignisse.

Langenelz. Nachdem die Feuerwehrleute aus Langenelz während des Krieges in Mudau ihren Dienst verrichtet hatten, war im Januar 1948 die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen worden. Bereits zehn Jahre später wurden eine neue Tragkraftspritze und das Feuerwehrgerätehaus samt Aula einweiht. Die Langenelzer Feuerwehrleute vermissten bei den Umzügen jedoch schmerzlich eine Fahne als Symbol der Zusammengehörigkeit.

Bei der Beratung über die „Verwendung des Kassenbestandes“ entschloss sich der Feuerwehrausschuss zum Kauf einer Fahne, der in der Jahreshauptversammlung im Januar 1968 auch gutgeheißen wurde. Die Beschaffung war jedoch nicht schnell möglich, so dass man sich entschied, das Fest zum 20-jährigen Bestehen ins nächste Jahr zu verschieben.

In einer einberufenen Sondersitzung im August 1968 entschied man sich für die Anschaffung bei der Karlsruher Fahnenfabrik. Detailliert wurden Art und die Gestaltung beschrieben: „Die Vorderseite aus dunkelblauem Fahnensamt, Feinvergoldung in Bouillongoldstickerei, mit Ortswappen und Jahreszahl 1969. In den Fahnenecken Eichenlaubstickerei. Die Rückseite aus weinrotem Fahnensamt, Feinvergoldung mit dem Schutzheiligen St. Florian und dem Leitspruch „Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr“.

Der Chronist vermerkte: „Der Kauf der Fahne zum Preis von 2300 DM stellt in der Geschichte der Langenelzer Feuerwehr ein einmaliges Ereignis dar, und es ging ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Eine Spendenaktion wurde ins Leben gerufen, die eine große Resonanz erfuhr. So stand das Jahr 1969 ganz im Zeichen des 20-jährigen Bestehens und der Fahnenweihe. Als Fahnenträger wurde Kurt Mechler gewählt, als Stellvertreter Erhard Galm, als Fahnenbegleiter Siegfried Späth und Kurt Schäfer. Sie alle übten dieses Ehrenamt viele Jahre mit Stolz und Freude aus.

Nur freudige Gesichter

Bei der Werbung für die Festdamen war eine echte Begeisterung wahrnehmbar. Zwölf freudige Festdamen sollten dem Fest eine besondere Note geben, Laura Hilpert (verheiratete Fleischer) wurde zur Fahnenbraut gewählt. Die Wetterprognosen für das Festwochenende waren schlecht. Es regnete die Woche über, und auch der Samstag, 7. Juni, begann mit niedrigen Temperaturen, Sturm und Regen. Das fast unfassbare geschah dann doch noch: „Es hörte auf zu regnen, die Temperaturen gingen nach oben, was wir als ein Wunder empfanden“, schrieb der Chronist. So sah man am Sonntagmorgen bei wolkenlosem Himmel und Sonnenschein nur freudige Gesichter.

Der Geistliche Rat Pfarrer Otto Ackermann nahm im Verlauf des Gottesdienstes die Weihe der Fahne vor. Nach dem Gedenken am Ehrenmal setzte sich am Nachmittag ein großer Festzug mit 30 Gastwehren, von einer unzählbaren Menschenmenge bewundert, in Bewegung. Es erfolgte die Übergabe der Feuerwehrfahne durch die Fahnenbraut Laura Hilpert und den Fähnrich Kurt Mechler. Traudl Münch überbrachte die Fahnenschleife der Festdamen, ebenfalls durch den Kreisfeuerwehrverband und die Übergabe der Erinnerungsbänder an die Gastwehren folgte.

Besonders erwähnte der Chronist, dass Landrat Hugo Geisert mit Familie, Geistlicher Rat Pfarrer Otto Ackermann sowie Kaplan Hill dem Fest beiwohnten. Sogar ein Vergnügungspark mit Schiffschaukel, ein Kinderkarussell, Los- und Schießbude samt Kinderbelustigung war organisiert worden. Kein Wunder, dass man mit dem guten Ergebnis sichtlich zufrieden war. Seitdem folgen die Langenelzer Feuerwehrleute bei den jeweiligen Festzügen ihrer Fahne mit Stolz und Freude.

Schon eine Woche später wurde die Aussegnungshalle am Friedhof eingeweiht. Der Weg dahin war mühsam und wurde kontrovers diskutiert. Da die Beerdigungen bislang in Mudau erfolgten, schienen im Zuge des Neubaus der Friedhofskapelle auch bezüglich der künftigen Eigentumsverhältnisse von Kirche und Gemeinde Unklarheiten aufgetreten zu sein. Im Juni 1966 beschloss der Gemeinderat Langenelz mit einer Stimme Mehrheit die Anlage eines Friedhofes. Auch das Kriegerdenkmal, das bislang an der nun neu gebauten Straße nach Mudau stand, musste versetzt werden.

Viele Spender

Nach dem Einsatz vieler freiwilliger Helfer erfolgte die Einweihung mit versetztem Ehrenmal bereits am 17. September 1967. Im November des gleichen Jahres entschloss sich der Gemeinderat zum Bau einer Aussegnungshalle. Eine Spendenliste wurde aufgelegt und so konnten die Arbeiten bereits einige Monate später im Juni 1968 beginnen. Dank vieler Eigenleistungen und erheblicher Geldspenden der Bevölkerung wurden die Bauarbeiten im Sommer 1969 zum Abschluss gebracht. Das Ehrenmal wurde renoviert und es wurden neue Tafeln mit den Gefallenen beider Weltkriege angebracht.

Am 15. Juni 1969 erfolgte die Weihe durch den Ortsgeistlichen der Pfarrei Mudau, Pfarrer Otto Ackermann. Der Chronist vermerkte: „Hochwürdigster Dekan Ackermann und Bürgermeister Bucher versuchten mit allen Mitteln, unterstützt von einigen Einwohnern, die Durchführung des Projekts zu vereiteln, was jedoch keinesfalls gelang“. Damals zogen die ersten Schatten einer Verwaltungsreform herauf, und heute sind die Langenelzer Bürger froh, zum Friedhofsbesuch und zur Grabpflege den Weg zu Fuß zurücklegen zu können.