Mudau

Heute 70. Todestag Dr. Heinrich Köhler der „badische Vater des Südweststaates“ / „Waldhaus“ und Ehrenbürgerrecht vor 85 Jahren an Arthur Grimm

Heimatverein Mudau besucht Lebensstationen

Mudau.Der Heimat- und Verkehrsverein gedenkt Dr. Heinrich Köhler und Arthur Grimm, die beide in der Nazizeit in Mudau lebten. Beide verband eine tiefe christliche Gesinnung. Deren Lebensläufe und politische Einstellung hätten jedoch nicht unterschiedlicher sein können. Am Sonntag, 19. Mai, besucht der Heimat- und Verkehrsverein Mudau beide Lebensstationen bei einem nicht alltäglichen Rundgang.

Ärmliche Verhältnisse

Dr. Heinrich Köhler wurde am 29. September 1878 in Karlsruhe geboren und wuchs, wie er in seinen Lebenserinnerungen schreibt, in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Großvater hatte als Beteiligter der 1848/49er Revolte Hab und Gut verloren. Diesem Geist von Freiheit und Demokratie hielt auch der Enkel ein Leben lang die Treue. Sein politischer Aufstieg in der Zentrumspartei war ab 1902 rasant. Im Jahre 1911 wurde er Stadtverordneter des Zentrums und Stadtrat in Karlsruhe. Von 1913 bis 1927 war er Mitglied des Badischen Landtages. 1920 wurde er zum badischen Finanzminister gewählt.

In der Inflationszeit 1923/24 schuf Heinrich Köhler durch den sogenannten Badendollar die Basis für die Neuordnung des Währungssystems. Ebenso erwarb er sich große Verdienste bei der Einführung der Elektrizität und der Energiewirtschaft. Er war von 1919 bis 1927 Mitglied des Reichsrates und von 1927 bis 1928 Reichsfinanzminister, dann bis 1932 Reichstagsabgeordneter.

Köhler trat als scharfer Gegner der Nationalsozialisten auf. Am 3. Juli 1933 wurde er in Schutzhaft genommen und entging knapp der bereits vorbereiteten Einlieferung ins KZ Kislau. Köhler erhielt Landesverbot und siedelte nach Berlin über. Hier war er als Finanzberater, Vertreter wirtschaftlicher Interessen und als Reisender für Textilmaschinen tätig. Im August 1943 wurde er ausgebombt und fand vor der Gestapo Zuflucht im Pfarrhaus Mudau. Ironie des Schicksals ist, dass im Haus gegenüber der Ortsbauernführer wohnte. Das Kriegsende erlebte Dr. Köhler in Mudau und beschrieb den Einzug der Amerikaner und die Entwicklung in den Monaten danach. Hohe Offiziere der amerikanischen Militärregierung suchten ihn mehrfach in Mudau in der Langenelzer Str. 25 auf. Er wurde Oberpräsident des Landeskommissariats und Präsident der Landesregierung Nordbaden. Im Oktober 1945 wurde das Land Würrtemberg-Baden durch die US-Militärregierung aus der Taufe gehoben und Köhler wurde per „Befehlsempfang“ aufgefordert das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten zu übernehmen.

Für den patriotischen Badener war es „ein Unglückstag für das badische Volk“. Im Mai 1946 übernahm Köhler zusätzlich das Wirtschaftsministerium. Er wurde im Dezember auch noch zum Finanzminister von Württemberg-Baden ernannt. Köhler trat für den Südweststaat ein und erhielt 1948 das Großkreuz des päpstlichen Gregoriusordens. Mit dem Tod von Heinrich Köhler am 6. Februar 1949 starb der erste und letzte weitgehend autonome Landespräsident von Nordbaden. Sein Motto lautete. „Gesegnet seien die Wetter des Lebens“.

Ein geborener Mudauer

Der „Odenwaldmaler Arthur Grimm“ war ein geborener Mudauer (11. Februar 1883) und Mitglied der Hollerbacher Malerkolonie. Grimm war Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg und kämpfte mit den badischen Grenadieren unter anderem um die Lorettohöhe in Nordfrankreich. Eine Ansicht von der Wallfahrtskapelle „Notre Dame de Loretto“ hat er überliefert, ebenso Kampfszenen. Die Kapelle ist neben anderen Werken im Rathaus Mudau zu sehen. Er kam im Jahre 1932 arm und enttäuscht von Baden-Baden in den Odenwald zurück. Seine Ehe mit der Tochter des renommierten Hotels Brenner in Baden-Baden war gescheitert. Der Grundstein zu seinem „Waldhaus“, dem heutigen Café Waldfrieden wurde am 21. August 1933 gelegt. Die NSDAP hatte ihm als Parteimitglied zur Verwirklichung seines Jugendtraumes Geld geliehen. Die Zeitdokumente, die er im Beisein seines Bruders Walther und Sohnes Florian einmauern ließ wurden freigelegt und geben ein beredtes Zeugnis von den Sorgen und Hoffnungen der damaligen Zeit.

Vor 85 Jahren wurde das „Haus der Kunst“ am 16. März 1934 eröffnet und Grimm wurde zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Nach dem Krieg erfolgte die Entnazifizierung und Entzug des Ehrenbürgerbriefes, den er kurz vor seinem Tode am 23. Februar 1948 wieder erhielt. In den letzten Jahren wollte er sich noch der Kirchenmalerei widmen, was ihm nicht mehr gegönnt war. Bei der Beerdigung war der „Pulverdampf“ noch nicht verraucht. Die Beerdigung soll laut Augenzeugenbericht keine besondere Beachtung gefunden haben. Wie die Presse allerdings berichtete „wurde er unter großer Anteilnahme, doch ohne Äußerlichkeiten in seiner Heimaterde beigesetzt“. Auf dem Grabstein ist sein Lebensmotto verewigt: „Tue Gutes; Denke das Reine; Suche das Schöne; Das ist Dein Glück; Dein Reichtum“. Anlässlich der Wiederkehr des 80. Geburtstages wurde im Mai 1963 wie es heißt: „nach anfänglichen Problemen am Geburtshaus im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier eine kleine Gedenktafel enthüllt“. Im Anschluss wurde in seinem „Waldhaus“ eine Gedenkstätte eingerichtet, die heutige „Arthur Grimm Stube“. Die Namensgebung der Schule scheiterte Ende der 80er Jahre an seiner politischen Vergangenheit.

Grimm, der, wie er sagte, von der Natur malte, war Jäger, Naturfreund und heimatverbunden. Künstlerisch errang er viele Auszeichnungen. Heute findet man viele seiner Bilder sowohl in öffentlichen Gebäuden als auch in Privathäusern. Das Preisniveau stieg in der letzten Zeit. Zu seinem 70. Todestag im letzten Jahr wurde eine umfangreiche Dokumentation mit seinen Werken und Lebenserinnerungen aufgelegt. Die Vergabe des nach Grimm benannten Kunstpreises des Kreises wurde eingestellt. Die Schule Mudau hält die Erinnerung durch eine Preisvergabe für besondere künstlerische Leistungen wach.