Neckar-Odenwald

Arbeitskreis Gerontopsychiatrie Das Kochbuch „Lecker essen nicht vergessen!“ wird am Sonntag in Mosbach bei Kompass Küchen vorgestellt

50 „Fingerfood“-Rezepte für Demenzkranke

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Das Kochbuch „Lecker essen nicht vergessen!“ mit knapp 50 Rezepten für Schmackhaftes aus dem Ofen oder aus der Pfanne sowie für die Zubereitung von „süßen Träumen“ entstand speziell für Personen, die an Demenz erkrankt sind. Vorgestellt wird es bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Gerontopsychiatrie am morgigen Sonntag um 15 Uhr in Mosbach bei Kompass Küchen. Anschließend findet noch eine Talkrunde statt.

Das Buch ist eine Koproduktion von Schülern der Alfred-Delp-Schule Hargesheim (ADS) mit der Pro Seniore Residenz Salinental. Deutschlehrerin Claudia Römer und 14 junge Leute der Oberstufe konnten mit ihrer Idee dann als Sahnehäubchen auch die Stars der TV-Küchen gewinnen. Getüftelt wurde in Lafers Studioküche in Guldental. Dort wurden die Ideen ausprobiert und ausgewählt. Die Familie Lafer stellte nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern den Schülern (unter ihnen Jonathan Lafer) auch Jungköchin Annalena Jänicke. Beim Elternsprechtag in der ADS oder bei Mitarbeiterzusammenkünften von Pro Seniore wurden dann auch Kostproben serviert. „Das kam gut an“, betonte bei der Buchvorstellung für die Presse Claudia Römer. Das Repertoire reicht von gefüllten Champignons über die Laberle (also Frikadellen), gefüllte Teigtaschen oder Croissants bis zu Blumenkohlbällchen oder den Geflügeltaschen. Der Renner waren lange Zeit die Pizzaschnecken.

Residenzleitung Marion Raab, Pflegemanager Bernd Müller und Pflegepädagogin Stefanie Unruh erläuterten, warum ein solches Kochbuch gebraucht wird: „Die an Demenz erkrankten Menschen haben oft weniger Appetit und essen zu wenig. Gleichzeitig haben sie einen hohen Energiebedarf.“ Zudem, betont Bernd Müller, haben die Menschen vergessen, wofür Messer und Gabel sind. Das Kochbuch wird jetzt im Wohnbereich (zu dem eine Küche gehört) für demente Menschen etabliert. Dort werden auch die spannenden Erkenntnisse rund um die Ernährung von Senioren berücksichtigt, die bei einem Referat von Ernährungswissenschaftlerin Petra Renner-Weber im Hause publik gemacht wurden. „Das war für das Buchprojekt der eigentliche Impulsgeber“, blickt Marion Raab auf den Besuch der Diplom-Oecotrophologin aus Wöllstein, Vorsitzende des Qualitätszirkels Ernährung und der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, zurück.

Nicht nur das Essverhalten ändert sich im Alter, auch der Geschmackssinn, der Geruchssinn und die optische Wahrnehmung. „Viele unserer dementen Bewohner sind sogenannte Läufer, sprich sie sind unruhig“, schildert Müller. Die Fingerfood-Varianten sollen mit den Damen und Herren im Wohnbereich gemeinsam hergestellt werden und überall parat stehen, sodass auch Läufer einfach zwischendurch zugreifen können.

Claudia Römer, Oberstudienrätin im Kirchendienst, ist stolz auf diese Oberstufe: „Wenn wir mit diesem Kochbuch den Erkrankten, ihren Angehörigen und den Pflegekräften den Alltag auch nur ein wenig erleichtern können, dann haben wir etwas zum Miteinander der Generationen beigetragen, das insbesondere die jungen Menschen nie wieder vergessen werden.“