Neckar-Odenwald

Einjährige Aktion im Neckar-Odenwald-Kreis Straffreie Abgabemöglichkeit bei den Behörden wurde wieder rege genutzt

Über 150 Waffen wurden bei Amnestie abgegeben

Zum zweiten Mal fand auch im Neckar-Odenwald-Kreis eine sogenannte Waffenamnestie statt. Ein Jahr lang konnten Schuss-, Hieb und Stichwaffen straffrei abgegeben werden.

Neckar-Odenwald. Straffrei illegale Waffen und Munition abgeben: Erneut kam es zu einer sogenannten Waffenamnestie in der Region Heilbronn-Franken. Auch im Neckar-Odenwald-Kreis bestand seit dem Juli 2017 diese Möglichkeit. Anfang Juli diesen Jahres ging die Frist zu Ende. Mittlerweile haben auch die zuständigen Behörden die Zahlen ausgewertet. Bei der Waffenbehörde des Landratsamtes in Mosbach und Buchen wurden insgesamt 127 Schusswaffen, davon 78 illegal, sowie eine größere Menge Munition abgegeben.

Sechs legale Hieb- und Stichwaffen wurden ebenfalls ausgehändigt. Die Möglichkeit, legale Waffen loszuwerden, bestehe auch weiterhin, teilte die Behörde den FN mit. Zur ersten Amnestie, die 2009 stattfand, liegen keine Zahlen vor.

Hieb- und Stichwaffen

Bei der Stadt Mosbach wurden ebenfalls zahlreiche Waffen übergeben. 27 Stück – 14 davon illegal – wanderten an die zuständige Behörde. Dazu kamen drei Hieb- und Stichwaffen sowie 145 Stück Munition. Mit nur zwei Waffen – jeweils illegal – verzeichnete der Gemeindeverwaltungsverband Hardheim-Walldürn (GVV) eine nur geringe Abgabezahl. „Die Amnestie war bei uns nicht von übermäßigem Erfolg gekrönt“, meinte Alexander Imhof. Auch zu 2009 lägen keine Zahlen vor. Der Sachbearbeiter der GVV-Waffenbehörde erklärte, dass seit der Änderung im Waffengesetz im Jahr 2002 insgesamt 630 legale Waffen abgegeben wurden.

„Oft ist es so, dass beispielsweise auf dem Dachboden eines Verstorbenen die Angehörigen alte Waffen finden oder diese erben und dann loswerden wollen“, so Imhof. Dabei machte er die Beobachtung, dass es häufig die Frauen seien, die zur Abgabe drängen. „Die meisten möchten das ,Zeug’, wie es dann oft heißt, einfach nicht im Haus haben.“ Dass nach der Amnestie jemand von sich aus eine illegale Waffe abgibt, hält er für unwahrscheinlich.

Zehn Jahre Haft möglich

Schließlich sei die Polizei verpflichtet, dann die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

In besonders schweren Fällen wartet eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Grundsätzlich gilt: Liegt keine Genehmigung vor oder ist die Waffe von Rechts wegen verboten, handelt es sich um illegalen Besitz.

Ohne die entsprechende Erlaubnis eine Waffe zu erwerben, zieht ebenfalls juristische Konsequenzen nach sich. In jedem Fall strafbar ist der Besitz von Kriegswaffen, vollautomatischen Schusswaffen, Butterfly- und Faustmessern, Wurfsternen und versteckten Waffen. Genehmigungspflichtige Waffen sind in der Regel Schusswaffen. Dafür wird eine Besitzkarte benötigt, die nach strengen Kriterien von den Behörden ausgestellt wird. Diese Erlaubnis berechtigt jedoch nicht zum Führen einer Waffe in der Öffentlichkeit.

Kleiner Waffenschein notwendig

Bei Schreckschusswaffen beispielsweise muss ein kleiner Waffenschein vorliegen, um diese außerhalb der eigenen Wohnung führen zu dürfen.

Ein generelles Verbot herrscht jedoch bei öffentlichen Veranstaltungen. Als unerlaubter Waffenbesitz gilt auch, wenn Waffen gefunden oder geerbt und nicht umgehend bei den Behörden gemeldet und der Polizei übergeben werden. Auch hier ist eine Strafe möglich. Auslöser für die Amnestie war der Amoklauf von Winnenden 2009. Damals wurden 15 Menschen getötet, ehe sich nach einer mehrstündigen Flucht der 17-jährige Täter selbst erschoss.

Als Reaktion darauf wurde die Amnestie beschlossen, woraufhin deutschlandweit mehr als 200 000 Waffen – ein Viertel davon im illegalen Besitz– abgegeben wurden.