Neckar-Odenwald

Das Leben in seiner ganzen Bandbreite

Archivartikel

Auch wenn die Neuen Medien schneller sind, vermeintlich billiger und überall verfügbar: Ich bin und bleibe ein großer Fan der klassischen Tageszeitung. Nirgendwo sonst spiegeln sich die Freuden und Sorgen der Menschen meiner direkten Umgebung so komprimiert wieder. Fröhliche Feste und Jubiläen neben tragischen Unfällen, selbstloser Einsatz für die Dorfgemeinschaft neben sinnlosem Vandalismus, Klagen über die schmerzhaften Folgen des demografischen Wandels neben hoffnungsvollen Neuaufbrüchen. Kurz: Das Leben in seiner ganzen Bandbreite.

Dabei merke ich, wie die Lektüre all dieser Meldungen durchaus etwas Spirituelles haben kann. Man kann staunen über die Lebenswege mancher Jubelpaare, die Höhen und Tiefen in Treue und Gottvertrauen gemeistert haben, man kann Dankbarkeit empfinden für das vielfältige Engagement, wie es in Vereinen und Bürgerinitiativen gelebt wird. Genauso aber kann ich Menschen ins Gebet nehmen, von deren schwerem Schicksal ich lesen muss. Und gerade die vielen ungelösten Fragen bezüglich einer lebenswerten Zukunft im ländlichen Raum stellen mir vor Augen, wie ermutigend es ist, an einen Gott glauben zu können, der unsere Zeit in seiner Hand hält und einen Heilsplan für uns Menschen hat. Ohne diese Hoffnung blieben oft nur Verzweiflung und Ratlosigkeit – insbesondere beim Blick über den Lokalteil hinaus.

Versuchen Sie es doch auch einmal und schauen Sie, an welchen Meldungen dieser Ausgabe Sie spontan hängen bleiben, was Sie auf Anhieb bewegt, aufregt oder freut. Lässt sich daraus vielleicht ein innerliches Stoßgebet, ein Wort des Dankes oder der Klage an Gott richten? Ich bin mir fast sicher. Und Sie werden sehen: Mit ein wenig Übung fällt es Ihnen zunehmend leichter.

Das ist übrigens keine abstruse Idee, sondern seit jeher sehen es Christen als ihren Auftrag an, das Leben in all seinen Facetten mit ihrer Umgebung zu teilen und mit Gott in Beziehung zu bringen. Glauben ist nicht Schwärmerei im luftleeren Raum. Entsprechend formulierte das 2. Vatikanische Konzil: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“

Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Ulrich Stoffers,Elztal-Limbach-Fahrenbach