Neckar-Odenwald

Fahrerflucht nimmt im Neckar-Odenwald-Kreis beträchtlich zu Startschuss für Aktion gegen Unfallflucht im Parkhaus des Kreiskrankenhauses Mosbach

Das Zeugenverhalten verbessern

Die Fälle von Unfallflucht im Neckar-Odenwald-Kreis sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Nun sollen die Zeugen mobil gemacht werden.

Neckar-Odenwald-Kreis. „Unfallflucht – nicht mit mir“. Auf dem Plakat ist ein Verkehrszeichen abgebildet, das einen Verkehrsunfall mit anschließender Flucht symbolisiert. Daneben ist die Notrufnummer 110 mit einem stilisierten Telefonhörer zu sehen. Diese Aktion bei der etwa 120 Plakate und rund 1500 Parkscheiben kreisweit aufgehängt und verteilt werden, startet nun im Neckar-Odenwald-Kreis.

Die Voraussetzungen, warum man sich den Neckar-Odenwald-Kreis dafür ausgesucht hat, sind nur zum Teil erfreulich. Erfreulicherweise kann man hier auf einem guten Netzwerk zwischen den Kooperationspartnern, dem Landratsamt, dem Förderverein „Kommunale Kriminalprävention – Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ und dem Polizeipräsidium Heilbronn, Referat Prävention, Außenstelle Mosbach aufbauen. Andererseits ist es leider nötig, dem Thema „Unfallflucht“ verstärkte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Denn die Anzahl der Fahrerfluchten ist im Kreis beträchtlich gestiegen.

Zivilcourage

Mit dieser Aktion wollen die Kooperationspartner besonders das Zeugenverhalten verbessern und die Zivilcourage stärken. Es gilt also, die Bevölkerung zu sensibilisieren und beobachtetes Fehlverhalten der Polizei zu melden. Im besten Fall merke man sich bei einem derartigen Delikt das Autokennzeichen und rufe die 110 an. Als Erster wies Landrat Dr. Achim Brötel darauf hin, dass Blechschäden überproportional oft auf stark frequentierten Parkplätzen vorkämen. Deshalb werden die Plakate dort aufgehängt.

Das mag vielleicht auch etwas mit der Bauweise der Parkplätze zu tun haben, die immer schmäler würden und manche Autos immer breiter, sinnierte Brötel. Wegschauen diene am Ende aber nur den Tätern und nicht den Opfern, so der Landrat weiter. Er betonte ebenso, dass Unfallflucht kein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand sei. In den letzten fünf Jahren habe es über 3000 Fälle im Neckar-Odenwald-Kreis gegeben.

Polizeipräsident Hans Becker wusste zu berichten, dass im letzten Jahr speziell im Neckar-Odenwald-Kreis die Zahl der Unfallfluchten – oder Fahrerfluchten, wie es umgangssprachlich heißt – beträchtlich gestiegen ist. In 2017 waren es, so Becker, fast 700 Delikte. Das sind rund 50 mehr als noch 2016. Dabei geht es zwar hauptsächlich um Blechschäden, angesichts des Anstiegs der Fallzahlen summieren sich kreisweit die Schadenssummen.

Keine Bagatellen

Becker forderte dazu auf, nicht zu glauben, dass derartige Vorfälle Bagatellen seien. Es sei vielmehr wichtig, dass gerade auch bei einem derartigen Delikt die Hemmschwelle überwunden und die Polizei informiert wird. Davon verspricht sich Becker, mehr dieser Fälle aufklären zu können. Derzeit liegt die Erfolgsquote bei rund einem Drittel. Der Polizeipräsident erwähnte auch, dass fünf Preisträger von insgesamt sieben, die im letzten Jahr mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet wurden, auf Unfallfluchten hingewiesen haben.

Am Ende gehe es häufig um erheblich Sachbeschädigung, denn Reparaturen am Auto sind zumeist kostspielig. Man habe bewusst das Parkhaus des Krankenhauses als Startrampe für die Aktion gewählt, weil sich dort derartige Fälle häufen würden, wusste Becker zu berichten. Auch der Kauflandparkplatz in Mosbach sei ein Brennpunkt für derartige Delikte. Auf was man zukünftig beim Bau von Parkplätzen achten könne, darauf wies Mosbachs Oberbürgermeister Michael Jann hin. So seien im jüngsten Mosbacher Parkhaus unterhalb des Gartenwegcenters ADAC-Standards umgesetzt worden. Das bedeutet, dass die Parkplätze dort unten breiter ausfallen. Gerade deshalb würde dieses Parkhaus gerne von der älteren Bevölkerung genutzt. Wobei auch Jann bedauert, dass die „Verkehrsmoral grundsätzlich abnimmt“. Deshalb sei Aufklärungsarbeit hier dringend nötig und geboten. hil