Neckar-Odenwald

Jugendsozialarbeit an Schulen Förderprogramm des Landkreises wird um weitere drei Jahre verlängert / Sinnvolles und notwendiges Angebot hat sich etabliert

„Der Bedarf wird auch in Zukunft nicht kleiner“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.Die Jugendsozialarbeit an den Schulen hat sich bewährt und das entsprechende landkreiseigene Förderprogramm – ursprünglich befristet bis Ende Juli – wird fortgesetzt bis Juli 2021. Darüber waren sich in der Kreistagssitzung am Montag in Mudau alle Räte grundsätzlich einig.

„Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Bedarf an Jugendsozialarbeit in Zukunft nicht kleiner wird“, betonte Landrat Dr. Brötel einführend. Die Form der Finanzierung zu je einem Drittel (Land, Landkreis, Schulträger) habe sich bewährt. Kreisrat Michael Jann (CDU) dankte für die „gute und freundliche Idee“ und bestätigte den steigenden Bedarf. Auch angesichts des Themas „Migration“ könne man mit der Jugendsozialarbeit nicht früh genug anfangen – gerne schon an Grundschulen. Rückblickend auf die Anfänge der Schulsozialarbeit sagte Jann: „Früher musste man Überzeugungsarbeit leisten, heute bekäme man Prügel, wenn man sie wieder wegnehmen würde.“

„Jugendsozialarbeit ist teuer, keine Jugendsozialarbeit ist noch viel teurer“, betonte Dr. Dorothee Schlegel (SPD). Sie werde als wertvolle Unterstützung im Schulalltag wahrgenommen. Ihre Einführung sei „mehr als überfällig“ gewesen.

Die positiven Erfahrungen und der Erfolg rechtfertigen auch für Heribert Fouquet (FWV) den „relativ hohen personellen und finanziellen Aufwand“. Allerdings sei die Sozialarbeit wie viele andere Hilfen des Staates „Ausdruck des Versagens der Gesellschaft“. Früher seien Mütter zuhause geblieben oder Großeltern kümmerten sich. Heute seien Kinder nicht mehr aufgehoben, ihre Probleme würden nicht aufgefangen. Gabi Metzger (Grüne) konterte mit einem Zitat aus dem Seniorenbericht des Landkreises, wonach Frauen und Männern die Familien- und Berufsarbeit ermöglicht werden soll – auch im Blick auf drohende Altersarmut der nicht berufstätigen Mütter. Auch Dorothee Roos (Grüne) erinnerte an das Misstrauen, mit dem man zunächst der Schulsozialarbeit begegnete. Doch inzwischen habe sich Jugendsozialarbeit als sinnvolles und notwendiges Angebot etabliert. Der Kreis tue gut daran, sie zu fördern, denn die Freiwilligkeitsleistung geschehe aus „wohlverstandenem Eigeninteresse“: Bei Problemfällen erweitere sie die Möglichkeiten präventiver Arbeit entschieden.

Lob für die Jugendsozialarbeit gab es auch von Achim K. Walter. Er mahnte allerdings an, dass die Staats- und die Planungsquote immer mehr steige.

Am Ende der Debatte fiel die Entscheidung für die Fortführung der Jugendsozialarbeit an den Schulen des Neckar-Odenwald-Kreises für weitere drei Schuljahre einstimmig.

Der Förderbetrag pro Vollzeitstelle beträgt 16 700 Euro, etwa ein Drittel der Kosten. Dadurch werden bisher kreisweit 14,77 Vollzeitstellen gefördert. Der Landkreis zahlt dafür aktuell 213 259 Euro. Die Stellen sind an 31 Schulen an 16 Standorten eingerichtet, wodurch der Kreis fast flächendeckend versorgt ist. 13 Schulträger kooperieren mit dem Caritasverband für den NOK, vier Schulträger organisieren die Jugendsozialarbeit an Schulen eigenständig. sab