Neckar-Odenwald

Kreistag Jahresfehlbetrag der Kliniken-Gesellschaft liegt 2017 bei 5 228 525 Euro / Gesamtleistung gesteigert und damit deutliche Ergebnisverbesserung um 1 265 942 Euro gegenüber dem Vorjahr erreicht

„Der Trend scheint sich 2018 fortzusetzen“

Archivartikel

Mit rund 5,2 Millionen Euro schlägt das Defizit der Neckar-Odenwald-Kliniken 2017 zu Buche, aber: Es gibt eine deutliche Ergebnisverbesserung gegenüber 2016.

Neckar-Odenwald-Kreis. Mit einem Jahresfehlbetrag in Höhe von 5 228 525 Euro schließt das Wirtschaftsjahr 2017 der Neckar-Odenwald-Kliniken ab.

Allerdings sei – aufgrund der Steigerung der Gesamtleistung – eine „deutliche Ergebnisverbesserung“ gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen: und zwar um rund 1 265 942 Euro.

Das erklärte Landrat Dr. Achim Brötel in der jüngsten Sitzung des Kreistages, die am Mittwoch in der Eckenberghalle in Adelsheim stattfand. Er fügte hinzu: „Der Trend scheint sich 2018 fortzusetzen. Wir sind auf einem guten Weg, das ist das Entscheidende dabei.“ Nach „wirklich schwierigen Jahren“ sehe man wieder Boden unter den Füßen. Für die geleistete Arbeit galt sein Dank den Mitarbeitern, Geschäftsführer Norbert Ahrens und seinem Team.

„Sehr gute Chefärzte“

Dann war der Kliniken-Geschäftsführer an der Reihe, der nicht nur auf die aktuelle Situation blickte („wir haben überall sehr gute Chefärzte“), sondern auch zurück. 2017 habe man eine Stabilisierung der Leistungen erreicht. Als „guten, großen Schritt“ bezeichnete er die Verbesserung des Ergebnisses zu 2016 um rund 1,3 Millionen Euro. Sicher nicht zufriedenstellen würde die Planabweichung von rund 200 000 Euro, so Ahrens, der darauf verwies, dass die neue Entgeltordnung TVöD um 216 000 Euro höher lag, „als wir geplant beziehungsweise geschätzt haben.“

Was den Wirtschaftsplan anbelange, würden Planungen Anfang/Mitte November des Vorjahres beginnen. „Wir sind jetzt schon dabei, den Wirtschaftsplan zu erstellen“, so Ahrens, der die „wesentlichen Parameter“ folgen ließ: darunter „die Steigerung Preis“, wobei der Landesbasisfallwert zum Planungszeitpunkt nicht bekannt sei. Teilweise bekannt zum Planungszeitpunkt sei die Tarifsteigerung („sehr personalkostengetrieben“), nicht bekannt sei die Sachkostensteigerung (medizinischer Bedarf).

Mit Blick auf die Leistungsentwicklung in diesem Jahr erklärte Ahrens: „Wir sind stabil in den Leistungen, die Patientenzahlen steigen leicht.“

Für 2018 wird laut Kliniken-Geschäftsführer mit einem Minus von rund 4,5 Millionen Euro geplant. Stand August sei man „leicht über Plan“. Ein „wesentlicher Bereich“, die Tarifauswirkung TVöD, sei noch nicht bekannt.

Was den dritten Bauabschnitt am Krankenhaus in Buchen anbelange, liege der Förderbescheid des Ministeriums vor. Noch erwartet würden die Förderbescheide des Regierungspräsidiums. Derzeit laufe die Generalübernehmer-Ausschreibung. Der Baubeginn für die Endoskopie sei für Mitte 2019 vorgesehen. „Baubeginn wir das neue Bettenhaus wird Anfang 2020 sein“. Man sei gespannt, wie die Vergabeverfahren laufen.

„Zeichen der Zukunftssicherung“

Nach Rück- und Ausblick des Kliniken-Geschäftsführers nahmen die Sprecher der Fraktionen Stellung. Rainer Houck (CDU) unterstrich, wie wichtig es sei, sich „wirtschaftlich stabil und zukunftssicher aufzustellen“. Dies könne nur gelingen, „wenn unsere Kliniken auch personell so ausgestattet sind, dass eine hochwertige Diagnostik, Behandlung und Pflege erfolgen kann“. Als „deutliches Zeichen der Zukunftssicherung unserer Kliniken“ bezeichnete er die Entscheidung für die Umsetzung des dritten Bauabschnitts in Buchen mit der Bereitstellung der dringend benötigten Räume für die Endoskopie wie auch dem Neubau des Bettentraktes. Man sei dem Ziel, die Kliniken als „ein leistungsfähiges Haus der Grund- und Regelversorgung zu erhalten und weiterzuentwickeln“, ein Stück näher gekommen. „Doch der Weg bleibt steinig und ist noch weit.“

„Mit Sorge betrachten auch wir weiterhin die Entwicklung des Betriebsergebnisses, auch wenn es deutlich positiver ausfällt im letzten Jahr“, so Norbert Bienek (SPD). Als einen „guten Weg, die Stresssituation zu entspannen“ und auch die finanziellen Belastungen besser über das Jahr zu verteilen, bezeichnete er die „flexible Einsatzplanung des Personals“. Beim Erlösbudget lägen beide Kliniken – Mosbach wie Buchen – sehr nahe zusammen, was die Akzeptanz in der Bevölkerung widerspiegele.

Hoffen auf „die schwarze Null“

„Es gab Erfolge, aber auch immer wieder Rückschläge“, lautete die Bilanz von Heribert Fouquet (Freie Wähler), der sich einerseits über den „wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge“ freute, den man mit den Kliniken leiste, andererseits aber auch erklärte, dass die hohen Defizite „nicht das Ziel aller Bemühungen“ sein könnten. „Der Patient Krankenhaus ist leider noch nicht genesen“, so Fouquet, der die Hoffnung nicht aufgeben will, „dass wir am Ende doch noch die schwarze Null erreichen“.

„Vertrauen gewinnen“

„Wir teilen die Auffassung, dass Gesundheitsversorgung Daseinsvorsorge ist. Eine Kliniknahversorgung der Grund- und Regelversorgung sind wir unserer Kreisbevölkerung schuldig“, zitierte Dorothee Roos Simone Heitz (Bündnis 90/Grüne). Unter den Schlagworten „Vertrauen gewinnen – Vertrauen pflegen“ hieß es: „Wir haben gute Ärzte, engagierte Pflegekräfte, Mitarbeitende, die alle ihr Bestes geben. Wenn wir sie alle pfleglich behandeln, sind sie die Multiplikatoren, die Vertrauen säen und Patienten und Niedergelassene binden.“

Auch Achim Walter (FDP) hofft, dass man das Defizit „in Zukunft auf ein erträgliches Maß drücken“ kann. Wenn die „Mund-zu-Mund-Propaganda“ fruchte, sehe er die Chance, das Ganze wirtschaftlich gestalten zu können.

Alle Beschlüsse fielen einstimmig: So stellt der Neckar-Odenwald-Kreis der Kliniken-Gesellschaft als Abschlag auf den Verlustausgleich 2018 Mittel in Höhe von 4 473 000 Euro zur Verfügung und gewährt entsprechend den Regelungen im Betrauungsakt als Ausgleich für den Verlust 2017 den Restbetrag in Höhe von 237 525 Euro.

Da Dr. Achim Brötel und alle Stellvertreter bei dem Thema befangen waren, wurde der Landrat unter der Sitzungsleitung des eigens für diesen Tagesordnungspunkt gewählten stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Norbert Rippberger beauftragt, für die Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen.