Neckar-Odenwald

Bauernverband Neckar-Odenwald-Kreis Informationsveranstaltung zum Thema „Wolf und Weidetierhaltung“ / Mitunter wurde es etwas lauter im „Hällele“

Die Teilnehmer hatten einigen Gesprächsbedarf

Heidersbach.Während die einen sein Auftauchen bejubeln, verursacht es bei anderen eine kleine Gänsehaut und wieder andere machen sich sogar Sorgen um ihre Existenz. Die Rede ist vom Wolf, dessen Sichtung im Februar dieses Jahres in der Nähe von Neckargerach für Aufsehen im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis sorgte. So mancher Nutztierhalter wurde von dieser Meldung aufgeschreckt und es tauchten viele Fragen auf. Um diese zu beantworten lud der Kreisbauernverband nun zu einer Informationsveranstaltung mit dem Thema „Wolf und Weidetierhaltung – kann das gutgehen?“ ins „Hällele“ nach Heidersbach. Eine stattliche Anzahl an Interessierten folgte dieser Einladung und erhielt im Laufe des Abends wertvolle Informationen aus erster Hand.

Albert Gramling, der Vorsitzende des Bauernverbands Neckar-Odenwald, begrüßte die Teilnehmer, die überwiegend aus der Landwirtschaft, hier insbesondere aus dem Bereich der Weidetierhaltung, sowie aus der der Jägerschaft kamen. Er zeigte auf, welche Problematiken das langfristige Auftauchen des Wolfes für die Landwirtschaft mit sich bringen kann. Im ersten Vortragsteil informierte Tobias Kuhlmann, einer der Wildtierbeauftragten des Neckar-Odenwald-Kreises, zunächst über die Verbreitung des Wolfes in Deutschland. Nachdem man ihn 150 Jahre lang nicht mehr gesehen hatte, fasste der Wolf zu Beginn der Jahrtausendwende langsam wieder Fuß. Nachdem erste Wölfe von Polen her nach Deutschland einwanderten, nahm ihre Ausbreitung in den Nordwesten der Republik einen rasanten Verlauf.

Nach offiziellen Zahlen des Bundesamts für Naturschutz gab es im Monitoringjahr 2017/2018 bereits 73 Wolfsrudel und 30 Wolfspaare in Deutschland. Die Zahl der Einzelwölfe kann nur geschätzt werden. Berechnungen zufolge leben derzeit aber bereits rund 1000 Wölfe in Deutschland.

Bei einer durchschnittlichen Wurfgröße von fünf Welpen ist die Tendenz steigend, so dass inzwischen überall im Land ein Wolf auftauchen kann. Die Statistik zeigt weiterhin, dass es in 2017 zu etwa 500 Übergriffen durch Wölfe auf Nutztiere kam und dabei rund 1600 Tiere getötet wurden. Betroffen waren überwiegend Schafe und Ziegen.

Schutzmaßnahmen erläutert

Im Weiteren erläuterte Kuhlmann welche Schutzmaßnahmen die Tierhalter beim Auftauchen von Wölfen einzuhalten haben. Besonders die Vorgaben für die Umzäunung sorgten hierbei für erheblichen Unmut, da diese nur schwerlich einzuhalten sind. Vor allem in hügeligem oder unförmigem Gelände, wie es beispielsweise im Nüstenbachtal vorkommt. Diese Flächen können nur schwerlich mit Maschinen bewirtschaftet werden, liegen häufig in Naturschutzgebieten und sind nur durch Beweidung offen zu halten. Dort ist es teilweise unmöglich einen Zaunpfahl in die Erde zu rammen und somit die geforderten Abstände einzuhalten.

Den zweiten Vortragsteil gestaltete Isabel Küperkoch, die als Juristin beim Landesbauerverband für den Bereich Versicherungen zuständig ist. Im Bereich der Tierhaltung ist dabei sowohl der Versicherungsschutz für die eigenen Nutztiere als auch eine Haftpflichtversicherung für den landwirtschaftlichen Betrieb im Auge zu behalten. Für wenig Begeisterung sorgte zunächst die Feststellung, dass der Staat grundsätzlich nicht für Schäden an Gütern des Menschen haftet, die durch wildlebende Tiere verursacht werden. Schadensausgleich bei Tierrissen erhalten die Landwirte allerdings aus einem Ausgleichsfonds, den der Nabu, der BUND und weitere Umweltverbände in 2013 gegründet haben.

Die Entschädigungen erfolgen auf freiwilliger Basis aus dem Ausgleichsfonds „Wolf“, den das Land Baden-Württemberg mit der Trägergemeinschaft geschlossen hat. Schäden, die eine aufgeschreckte Tierherde einem Fremden, beispielsweise im Straßenverkehr zufügt, sind über die Betriebshaftpflichtversicherung abgedeckt. Wie sich diese Sachlage allerdings bei häufiger auftreten Schäden durch aufgeschreckte Herden entwickelt, könne derzeit nicht genau beurteilt werden. Anhand von Schadensfällen aus der Praxis veranschaulichte Küperkoch in der Folge das Gesagte. Dass es zu den Ausführungen der Referenten erheblichen Gesprächsbedarf gab, verdeutlichte die sich anschließende Fragerunde, die vom Geschäftsführer des Bauernverbands Andreas Sigmund geleitet wurde.

Die betroffenen Landwirte schilderten eindrücklich, welche Anstrengungen erforderlich sind, um die geforderten Vorgaben einzuhalten. Teilweise sind diese mit erheblichen Kosten verbunden, die für manche Betriebe nur schwerlich aufzubringen sind.

Weitere Anmerkungen galten den Verpflichtungen, die sich aus den EU-Ausgleichsleistungen ergeben. „Müssen wir diese zurückzahlen, wenn wir eine auf fünf Jahre angelegte Maßnahme aufgrund eines Wolfes nicht mehr einhalten können?“, machte sich mitunter auch Resignation breit, denn für viele ginge es da an die Substanz. Es wurde teilweise hitzig debattiert und es wurde mitunter schon mal etwas lauter im „Hällele“.

Am Ende war man sich jedoch einig, dass man lernen müsse mit dem Wolf zu leben, wenn er künftig einen dauerhaften Sitz im Neckar-Odenwald-Kreis findet. Und wenn es denn soweit ist, wird es sicherlich weitere Veranstaltungen dieser Art geben. von