Neckar-Odenwald

Dürreperioden gibt es im Land und im Leben immer wieder

Und er (der Auferstandene) zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der aus-geht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und wen dürstet, der komme; wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. (Offenbarung 22, 1 + 17b).

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

diese Bibelstelle ist mir eingefallen, als ich den Bericht in den Fränkischen Nachrichten mit der Überschrift: „Alexander Gerst dokumentiert Ausmaß der Dürre“ las. Das Bild unter der Überschrift zeigt weite Teile Europas, die sonst aus dem Weltall grün gesehen werden in einem hässlichen Braun. Verdorrte Felder, Bäche und Flüsse sind nur noch Rinnsale, Fische sterben und auch die Bäume verlieren ihre Blätter. In diesem Ausnahmesommer hält uns die Natur vor Augen, wie wichtig und wertvoll Wasser zum Überleben ist.

Die Schreiber der biblischen Schriften, die im Mittelmeerraum beheimatet waren, kannten solch verdorrten Gebiete. Sie lebten in Gegenden, in denen immer wieder aufgrund großer Hitze die Ernte ausfiel. In denen Trockenperioden herrschten und oft über viele Monate nun noch abgestandenes, totes, fauliges Wasser aus den Zisternen getrunken wurde, weil die Bäche und Quellen versiegt waren. Lebendiges, frisches Wasser war das Wasser aus den Quellen und den Bächen. Das sicherte das Grün der Täler, das sicherte die Ernte, das brachte das Leben. Dieses Bild wird in der Bibel gleichnishaft verwendet.

So gibt es in unserem Land und in unserem Leben immer wieder Dürreperioden. Wer Lust hat am Gesetz des Herrn, so lesen wir im Psalm 1, der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, am lebendigen Wasser, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blätter nicht verwelken. Diese Menschen sind voller Leben. Anders die Gottlosen. Die sind, auch wenn sie sich noch so groß rühmen, noch so viel Macht haben, bereits in diesem Leben tot. Die Blätter am Baum des Lebens, die Menschen, die in Jesus leben, verwelken nicht. Sie dienen dem Heil der Völker. Sie sind es, die immer wieder das Evangelium, die gute Nachricht von der Liebe Gottes unter die Menschen bringen. Nicht wahr, noch immer ertrinken Menschen zu Tausenden im Mittelmeer. Noch immer finden die reichen Länder keine Lösung – die Völker – wie sie diesen Menschen helfen können. Noch immer ist da Dürre in diesen reichen Ländern. Die Heilandsliebe finden wir in öffentlichen Erklärungen selten, höchstens eine zweifelhafte, berechnende, lieblose Ethik.

Vor aller Ethik muss jedoch dringend der Strom des lebendigen Wassers unter die Menschen kommen. Der ist uns gegeben. Im Evangelium von Jesus Christus. Der für uns gestorben ist, der sich für uns gegeben hat, damit unsere Schuld und Sünde vor Gott vergeben ist. Damit wir zum wahren Leben finden. Erst wenn dieser Strom des lebendigen Wassers in den Herzen der Menschen ist und das Handeln bestimmt, erst dann wird eine von Jesus geprägte Ethik ihre Frucht bringen. Denn erst dann werden wir in allen Menschen das sehen, was sie sind: Gottes Geschöpfe und Gottes geliebte Kinder, unsere Schwestern und Brüder. Alle Menschen.

Wie oft begegne ich hoffnungslosen Menschen. Zerbrochene Ehen, Krankheiten, Verlust des Arbeitsplatzes, Missbrauch, Drogensucht; der Einzelschicksale sind es viele, die in ihrem Leben Dürre erleben. Die ihren Glauben verloren haben. Denen, gerade denen, die am seelischen Verdursten sind, gilt die Verheißung, dass sie Wasser aus der Quelle des Lebens umsonst schöpfen können. Dass die Liebe Gottes gerade ihnen gilt. Umsonst ist dieses Wasser, aber nicht billig.

Denn Jesus ging dafür in den Tod, dass wir dieses Wasser schöpfen können. Mit diesem Lebenswasser kommt Jesus selbst ins Leben. Heute im Glauben und in Vollendung an dem Tag, an dem er wiederkommen wird und Himmel und Erde neu macht. Ja, Herr Jesus Christus, komme bald.

Pfarrer Karl Kreß, evangelische Kirchengemeinde Walldürn