Neckar-Odenwald

Sturm sorgte für Sachschäden Zahlreiche Bäume fielen Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern zum Opfer / Wertheimer Ortschaften ohne Strom / Firmendach in Lauda abgedeckt

„Eberhard“ hielt die Einsatzkräfte auf Trab

Archivartikel

Herumfliegende Gegenstände, beschädigte Dächer, blockierte Straßen: Auch in der Region hat der Sturm „Eberhard“ am Sonntag seine Spuren hinterlassen.

Odenwald-Tauber. Die Wetterstation auf dem Flugplatz Mosbach-Lohrbach verzeichnete am Sonntagnachmittag Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern. Im Neckar-Odenwald-Kreis mussten die Feuerwehren insgesamt 35 Mal ausrücken, hauptsächlich wegen umgestürzten Bäumen. Vier Einsätze hatten die Buchener Floriansjünger zu bewältigen: In Hollerbach und Oberneudorf fielen mehrere Bäume dem Wind zum Opfer und blockierten Straßen und Wege. In Waldhausen flog ein Wellblechdach durch die Luft.

Und in Buchen landete in der Nähe des Krankenhauses ein Baum auf einem Wohnhaus. Dessen Bewohner hatten großes Glück, denn es blieb nur bei Sachschaden. „Das war gegen 16 Uhr. Wir saßen im hinteren Teil des Hauses, als es plötzlich einen lauten Schlag gab. Wir wären beinahe von den Stühlen geflogen, so sehr haben wir uns erschrocken“, erzählte einer der Bewohner. Der etwa 25 Meter hohe Baum sorgte für schwere Beschädigungen auf einer Dachseite, auch der Garten musste einiges einstecken. Bewohner und Besitzer waren gestern Morgen bereits mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, oder besser gesagt: mit der notdürftigen Reparatur.

Während unten im Garten die Ziegel und Trümmerteile lagen, befestigten die Bewohner Holzplatten, um die Löcher zumindest vorerst zu schließen. „Das Dach muss zu sein, denn das Wetter soll ja nicht wirklich besser werden“, meinte der Besitzer. Und er sollte recht behalten: Am Nachmittag zeigte sich das Wetter mit Sonnenschein und blauem Himmel, aber auch dunklen Wolken, Regen und sogar Schneefall von seiner unberechenbaren Seite. Im Buchener Stadtwald war gestern ein Überblick über die Lage noch nicht möglich, da noch nicht alle Wege wieder frei befahrbar waren, teilte die Stadtverwaltung auf FN-Anfrage mit. Aber der Schaden dürfte bei unter 800 Festmetern liegen, was einem eher geringen Schadensbild entspräche. Umgeworfen wurden vor allem Bäume, die ohnehin krank waren (Kernfäule) oder weniger standfeste Bäume an „neuen“ Bestandsrändern. Damit sind Gebiete gemeint, die erst vor kurzem durch den Hieb von Käferfichten entstanden sind.

Der Bauhof musste immer wieder große Äste oder Baumwipfel vor allem von Gemeindeverbindungsstraßen räumen und werde auch noch einige Zeit mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein, so die Stadt. „Herausragende Schäden wurden aber auch hier nicht gemeldet“, hieß es in der Mitteilung.

Einsätze im ganzen Landkreis

„Aus Feuerwehrsicht sind wir glimpflich davon gekommen“, meinte Kreisbrandmeister Jörg Kirschenlohr zu den insgesamt 35 Einsätzen, die sich über den ganzen Landkreis verteilt hatten. So drohte in Mosbach eine Kaminverkleidung auf die Straße zu fallen. Zahlreiche Straßen seien von umstürzenden Bäumen betroffen gewesen. Er betonte jedoch, dass viele Fälle gar nicht erst bei der Feuerwehr gemeldet, sondern innerörtlich geregelt werden. „Etwa über die Straßenmeistereien oder die Forstmitarbeiter“, so Kirschenlohr.

Bedingt durch die anhaltend starken Windböen brachen auch im Erftal vereinzelt Bäume. Einer stürzte in der Nacht auf Montag auf die Landstraße 521 zwischen Hardheim und Riedern. Kräfte der Feuerwehr-Abteilung Hardheim konnten mit einem „Fichtenmoped“ Abhilfe schaffen.

„In meinem Revier sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte Stefan Michel von der Forstbetriebsleitung Walldürn auf Anfrage der FN. Es seien nur einzelne Bäume gefallen. Heute setzen sich die Revierleiter und der Forstbetriebsleiter zusammen und ziehen eine Bilanz.

Wie die Polizei mitteilte, kam es auf dem Judenfriedhof in Schöntal-Berlichingen zu einem Brand. Vermutlich durch den Funkenflug aus einer nahegelegenen Feuerstelle hatte sich ein Baum entzündet. Die Polizisten wurden zu 16 Einsätzen im Hohenlohekreis, 23 im Neckar-Odenwald-Kreis und 17 im Main-Tauber-Kreis gerufen.

Stromausfall in Wertheim

In zahlreichen Wertheimer Ortschaften fiel am Sonntag zeitweise der Strom aus, nachdem die heftigen Sturmböen ein Leiterseil abgebrochen und somit zu einem Kurzschluss geführt hatten. Daraufhin waren die Ortschaften Höhefeld, Reicholzheim, Waldenhausen, Bettingen, Dertingen, Urphar, Lindelbach, Kembach und Dietenhan für gut eine Stunde, von 16.44 Uhr bis etwa 18 Uhr, ohne Strom.

Nicht schlecht staunte die Frühschicht in der Gießerei der Firma Kablitz, als sie am Montagmorgen auf das Betriebsgelände in der Bahnhofstraße in Lauda zum Arbeitsbeginn kam. Das Dach des Verwaltungsgebäudes war auf rund 30 Metern abgedeckt, knapp die Hälfte davon lag auf dem Parkplatz davor. Das Sturmtief Eberhard hatte ganze Arbeit verrichtet und nicht nur die Blechabdeckung, sondern selbst die tragenden Holzbalken darunter aus der Verankerung gerissen und mit fortgeweht. Ein darunter liegendes Großraumbüro, in dem Teile der Verwaltung, aber auch die Konstruktionsabteilung des Energieanlagen-Herstellers untergebracht sind, ist mit 15 Arbeitsplätzen betroffen. Die betroffenen Mitarbeiter sind gestern bereits vorübergehend und notdürftig in andere Teile des Gebäudes umgezogen.

Schaden noch unbekannt

Wie Produktionsleiter Markus Herold den FN auf Anfrage mitteilte, könne man im Moment noch keine Angaben zur Schadenshöhe machen. In dem Bereich standen einige Computer, Bildschirme sowie auch Beamer, die erst auf ihre Funktionstätigkeit getestet werden müssten sowie Mobiliar. Inwieweit diese Einrichtung eventuell beschädigt worden ist, war gestern noch unklar, denn neben dem Wind hatte es auch noch kräftigen Regen gegeben. Eine Dachdeckerfirma war bereits am frühen Morgen dabei, ein Gerüst zu stellen, um die Schäden am Dach zu inspizieren und erste Sicherungsarbeiten durchzuführen.

Glück im Unglück hatte der Besitzer eines Pkw, dessen Fahrzeug auf dem Parkplatz vor dem Gebäude stand. Das heruntergestürzte Gebälk landete nur wenige Zentimeter neben dem Auto. Der Zaun um das Firmengelände wurde ebenfalls beschädigt.

Aber auch in Hofstetten hatte Eberhard beträchtlichen Schaden angerichtet. Dort deckte er ein gesamtes Scheunendach ab und riss die Stromleitung herunter. Dabei gab es, wie Kommandant Jürgen Segeritz von der Freiwilligen Feuerwehr Lauda-Königshofen den FN auf Anfrage mitteilte, starken Funkenflug gegeben, so dass die EnBW den Strom abstellen musste. An der Tauber-Franken-Halle in Königshofen hatten sich mehrere Blechteile ebenfalls am Dach gelöst und sie wurden verbogen. Der Schaden wurde notdürftig repariert. ms/thos