Neckar-Odenwald

Berufsbildungswerk Mosbach-Heidelberg Spektrum im Bereich Wohnen erweitert / Siebenköpfiges Team ist rund um die Uhr für die drei Mädchen und fünf Jungen da

Einzigartiges Wohnangebot für Jugendliche

Archivartikel

Mosbach.Unique: Im Englischen wie im Französischen bezeichnet das Adjektiv etwas als einzigartig. Einer gewissen Einzigartigkeit im Neckar-Odenwald-Kreis kann sich ein neues Wohnangebot rühmen, das vom Berufsbildungswerk Mosbach-Heidelberg (BBW) am Montag vorgestellt wurde.

Nur dass der Name der Einrichtung in der Neckarelzer Martin-Luther-Straße um einen Buchstaben erweitert wurde: Junique. Das „J“ steht für die Jugendlichen, die hier ab einem Alter von 15 Jahren bis ins junge Erwachsenenalter hinein gemeinsam leben können und dabei pädagogisch unterstützt werden, weil sie in ihren Herkunftsfamilien nicht leben können, aber noch nicht selbstständig zurechtkommen.

15 Jahre lang habe man an dieser Erweiterung des BBW-Angebotsspektrums gearbeitet, sagte Dr. Hanns-Lothar Förschler, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie, zu der das BBW gehört. Junique versteht sich als Jugendhilfeangebot, die Jugendämter sind folglich die Kostenträger. Das Wohnen im Junique kann, muss aber nicht im Rahmen einer Vorförder- oder Ausbildungsmaßnahme des BBW stattfinden. In den nächsten Tagen ziehen acht junge Leute ein, drei Mädchen und fünf Jungen.

Rund um die Uhr ist das siebenköpfige Team um Leiterin Angela Schwager für sie da. War in den vergangenen Monaten schon da und hat über die heil- und sozialpädagogischen Fähigkeiten hinaus noch viele andere Talente bewiesen. „Wir könnten auch Raumausstatter“, beschrieb Schwager, was alles getan wurde, damit die künftigen Bewohner sich im neuen Lebensumfeld heimisch und wohl fühlen können. „Wir sind echt motiviert“, blickte Schwager hinüber zu ihrem Team, „und werden das schaukeln.“

Man merke ihr an, dass sie für die Jugendhilfe brenne, ist Christoph Gerber vom Enthusiasmus des jungen Junique-Teams angesteckt und vom Erfolg überzeugt. Gerber leitet den BBW-Bereich Wohnen und Freizeit. Umgekehrt lobte Angela Schwager die große Unterstützung, die sie aus allen Bereichen nicht nur des BBW erfahren habe. Darüber hinaus setzt man auf weitere Vernetzung, insbesondere in den Stadtteil hinein, will die Vereine, die Kirchen, die Schulen einbinden.

Apropos: Zur Einweihung machten drei Schüler des Bildungspartners Auguste-Pattberg-Gymnasium Musik. Name wie Motto der Band passten gut zur Junique-Idee: Improvision, live is our life. Ihr eigenes Leben aufbauen, das soll den Jugendlichen im Junique ermöglicht werden.

Mit dem Standort direkt am zentralen Neckarelzer Kreisverkehr ist Anbindung auch räumlich gegeben. „Nachbarschaft ist wichtig“, freute sich BBW-Leiter Manfred Weiser über Gäste aus den angrenzenden Straßen und Gebieten. Man werde gelegentlich Geduld brauchen.

Auf gute Zusammenarbeit setzt man außerdem mit den Partnern in den Jugendämtern, der Diakonie-Klinik und bei der Stadt Mosbach, weshalb Peter Kuhl-Bartholomeyzik, Dr. Karsten Rudolf und Josef Bittler zu den Gästen zählten und mit Grußworten dieses „wichtige Angebot der Jugendhilfe“ (Weiser) würdigten.

Zu dem vielen Guten, was hier zusammenkommt, zählt auch die Familie Aluftikin als Eigentümerin, Architektin und Bauherrin der Immobilie, des ehemaligen Gasthofs „Hirsch“. Das BBW hat ein Stockwerk, das erste, in dem Gebäude gemietet.

Richard Lallathin, Pfarrer der Johannesgemeinde, drückte mit seinen wie mit Worten der Bibel aus, weshalb für manche Jugendliche der Platz in einer Wohngruppe wie dieser gut und richtig ist. …sei mir ein starker Hort“, heißt es im 71. Psalm. „In dieser unerlösten Welt erleben viele, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht“, weiß der Seelsorger. Und ebenso, dass es das schon immer gegeben habe. Doch sei darauf in der Regel autoritär reagiert worden. „Wir halten hier andere Antworten bereit.“ Leni Endlich, Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats Neckarelz, freute sich über das neue Angebot in ihrem Stadtteil und möchte ihrerseits die Bewohner für „unsere Angebote gewinnen.“

Das BBW als berufliche Bildungseinrichtung für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf betritt mit Junique Neuland. Aber nicht nur das BBW. Für die jungen Menschen, die nun hier auf unbestimmte Zeit einziehen, ist es ein Schritt ins Unbekannte, der dank des fördernden, partizipativen Prinzips ein Schritt hin zu einem selbständigen, integrativem Leben sein soll.

Unter den zahlreichen Gästen der Einweihung, die die freundlich und klar gestalteten Räumlichkeiten besichtigten, waren auch künftige Bewohner. Die Mutter eines Mädchens sieht ihre Tochter gut aufgehoben. „Hier kann sie lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.“ Das ist es, was Junique erreichen will. ubr