Neckar-Odenwald

Notarzteinsätze im Landkreis 2018 mussten die Rettungskräfte insgesamt 3948 Mal ausrücken / Verantwortliche befürchten Probleme wegen des 24-Stunden-Betriebs

Entscheidend sind die Ersthelfer vor Ort

Archivartikel

Erstmals seit vier Jahren lag 2018 die Anzahl der Notarzteinsätze im Landkreis unter 4000. Pro Tag mussten die Rettungskräfte durchschnittlich 10,8 Mal ausrücken.

Neckar-Odenwald-Kreis. Ein Notfall zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Sport oder im Straßenverkehr – gut, wenn kompetente Hilfe rasch verfügbar ist. Im vergangenen Jahr wurden die Notärzte der Standorte Asbach, Buchen, Hardheim, Mosbach und Osterburken insgesamt 3948 Mal durch die Integrierte Leitstelle in Mosbach alarmiert, die Notrufe über die bundeseinheitliche Notrufnummer 112 entgegennimmt. Die Einsatzzahlen liegen erstmals seit vier Jahren unter 4000, im Jahr 2017 wurden die Notfallmediziner noch zu 4355 Einsätzen gerufen.

Viele Einsätze in Mosbach

Bei durchschnittlich 10,8 Notarzteinsätzen pro Tag im Kreisgebiet entfielen die meisten Einsätze auf den Standort Mosbach, dessen Notärzte 1450 Mal alarmiert wurden (vier Einsätze pro Tag). 2017 waren es noch 1770 Einsätze. Am Standort Buchen musste die Ärzte insgesamt 1034 Mal ausrücken (2,8 Einsätze pro Tag; 2017: 1130 Einsätze) und am Standort Hardheim 673 (zwei Einsätze pro Tag, 2017: 747). Der Notarzt am Standort Osterburken wurde insgesamt 331 Mal alarmiert (0,9 Einsätze pro Tag; 2017: 293), der Asbacher Notarzt 453 Mal (1,2 Einsätze pro Tag; 2017: 415). Auch an diesen beiden Notarztstandorten soll ab März eine 24-stündige Besetzung erfolgen, denn bisher stehen die Einsatzkräfte nur von 7 bis 19 Uhr zur Verfügung.

Die Notfallmediziner der Neckar-Odenwald-Kliniken und des Krankenhauses Hardheim stellen damit gemeinsam mit den Einsatzkräften der beiden DRK-Kreisverbände und des Malteser-Hilfsdienstes die Notfallversorgung an fünf Standorten im Kreisgebiet rund um die Uhr sicher. Der Hauptgrund für Notarzteinsätze sind unverändert Erkrankungen des Herzens wie Herzinfarkte, Rhythmusstörungen und Blutdruckentgleisungen bis hin zum Herz-Kreislaufstillstand. Auch neurologische Probleme wie Schlaganfälle, Hirnblutungen und Krampfanfälle sind häufig, dazu kommen Atemstörungen wie beispielsweise Asthmaanfälle. Die Versorgung von Verletzten nach Verkehrs-, Arbeits-, Sport- und Schulunfällen verursacht weniger als ein Fünftel aller Alarmierungen. Durch die Medienberichterstattung werden diese Einsätze aber in der Öffentlichkeit naturgemäß viel mehr wahrgenommen.

Externe Unterstützung notwendig

„Die Versorgung an der Einsatzstelle funktioniert in hervorragender Zusammenarbeit mit den Rettungsassistenten und Notfallsanitätern, die Notarzteinsatzfahrzeuge und Rettungswagen besetzen“, so Dr. Harald Genzwürker, der für die Organisation des Notarztdienstes in Asbach, Buchen, Mosbach und Osterburken verantwortlich ist. Die Ausweitung der Vorhaltung an den beiden „Außenwachen“ stelle die Kliniken vor eine noch größere Herausforderung als bisher, und ohne externe Unterstützung sei dies nicht leistbar.

Der DRK-Kreisverband Buchen stellt die permanente Einsatzbereitschaft des Buchener und des Hardheimer Notarzteinsatzfahrzeuges sicher, das in den nächsten Monaten im 24-Stunden-Betrieb einsatzbereit sein wird. Zusätzlich werden die Rettungswagen in Buchen, Hardheim und Osterburken sowie künftig in Oberneudorf durch Einsatzkräfte des Buchener DRK besetzt. Der DRK-Kreisverband Mosbach zeichnet für das Mosbacher Notarztfahrzeug, zwei rund um die Uhr besetzte Rettungswagen in Mosbach und für einen von 7 bis 19 Uhr im Bereich Asbach stationierten Rettungswagen verantwortlich. Ab März kommt auch noch das Notarzteinsatzfahrzeug in Osterburken. Das Fahrzeug im Bereich Asbach wird vom Malteser Hilfsdienst gestellt und auch nach Ausweitung auf den 24-stündigen Betrieb mit Rettungsassistenten oder Notfallsanitätern besetzt.

Weiterer Rückgang

Die Rettungswagen des DRK-Kreisverbandes Mosbach in Asbach und der Kreisstadt wurden 2018 insgesamt 5505 Mal alarmiert, im Vorjahr waren es 5911 Einsätze. Die Fahrzeuge des DRK-Kreisverbandes Buchen an den drei Standorten mussten 4672 Mal ausrücken (2017: 5193). Auch in diesem Bereich ist somit ein leichter Rückgang der Einsatzzahlen zu verzeichnen, der auch etwas unter dem Niveau von 2016 liegt.

Landrat Dr. Achim Brötel hofft, dass die beschlossenen Maßnahmen greifen, um die Notfallversorgung dauerhaft in der Fläche sicherstellen zu können. Er betont, dass es neben der professionell organisierten Hilfe in medizinischen Notfällen ein weiteres wichtiges Element gibt, auf das die Bürger im Neckar-Odenwald-Kreis zählen dürfen. „In zahlreichen Ortschaften stellen ehrenamtliche Hilfskräfte eine wichtige Unterstützung dar – gerade in unserem Flächenlandkreis ein unschätzbares Engagement.“

Wichtige Helfer

Die sogenannten HvO (Helfer vor Ort) der DRK-Ortsvereine werden ebenfalls von der Integrierten Leitstelle in Mosbach alarmiert, wenn in ihrer Gemeinde ein Notfall gemeldet wird, und können so binnen weniger Minuten mit der Erstversorgung beginnen. Dazu kommen inzwischen noch die ehrenamtlichen „Mobilen Retter“, die ganz gezielt alarmiert werden können.

Wichtigstes Glied der Rettungskette bleiben aber die Ersthelfer, die als zufällige Zeugen durch den Notruf über die 112 die Aktivierung des Rettungsdienstes sicherstellen. Darüber hinaus können durch einfache, leicht zu erlernende Maßnahmen der Ersten Hilfe die Überlebenschancen von Notfallpatienten gesteigert werden. Dazu gehört auch die Anwendung von Laien-Defibrillatoren, sogenannten AEDs, welche im Rahmen eines Projektes der Kommunalen Gesundheitskonferenz an mittlerweile über 190 Standorten im Landkreis verfügbar gemacht sind, um die Versorgung bei Patienten mit Herzkreislauf-Stillstand zu verbessern. Kurse werden durch die Hilfsorganisationen regelmäßig angeboten, können bei Interesse aber auch für Gruppen und Vereine organisiert werden. lra