Neckar-Odenwald

Geben und Nehmen

Archivartikel

Liebe Leserinnen und Leser!

Unser Leben ist oft vom Leistungsdruck bestimmt. „Ich bin, was ich leiste“!

Erfolgreich scheint nur der zu sein, der ständig in Bewegung bleibt und einen vollen Terminkalender besitzt. Es entsteht der Eindruck, dass es für viele Menschen wenig Anderes gibt außer Arbeit, Stress, in Action sein, auch nach Feierabend und oft auch am Wochenende.

Diese Ruhelosigkeit, dieser äußere oder innere Druck macht zu viele Menschen sogar krank. Zumindest aber wirken viele von uns oft ausgepowert, nervös und gereizt. Die ausgleichende Ruhe und Entspannung, die Zeit für unsere Mitmenschen, mag oft zu kurz kommen. Wir sind am Funktionieren und eröffnen kaum einen Raum und Zeit für Unvorhergesehenes, für Mitmenschen oder um innerlich aufzutanken.

Genauso einseitig und krank- machend kann es sein, wenn so mancher Mitmensch nicht (mehr) aktiv ist, sich scheinbar aufgegeben hat und sich zu nichts mehr aufraffen kann.

Wir übersehen dabei nicht selten, dass beide Seiten unseres Lebens zusammengehören: Geben und Nehmen, Aktion und Zeit für Ruhe/Gespräche und für glaubende Menschen auch die Zeit für das Gebet.

Menschen, die diese beiden Seiten in einer ausgeglichenen Weise in ihr Leben integriert haben, spüren wie jeder andere auch den Anspruch von Aufgaben. Sie wissen aber auch um Quellen, die Kraft geben und ein Auftanken ermöglichen. Nur wer auch zur Ruhe kommt, kann wieder auf eine gute Weise aktiv werden.

Nur wer auch auftankt, kann auch wieder für andere da sein.

Für viele Christen ist eine solche Kraftquelle eine regelmäßige Zeit der Stille und eine Zeit für Gott, sei es zuhause oder im Gottesdienst.

In der Bibel gibt es eine Erzählung von zwei Frauen: Maria und Martha. Jesus kommt zu Besuch und Maria sitzt bei ihm und hört zu. Martha bedient ihn, ist am Rennen und Arbeiten. Jesus macht Martha deutlich, dass Arbeiten zwar wichtig und sinnvoll ist, aber Maria im Moment das Bessere gewählt hat, indem sie Jesus zuhört und mit ihm spricht, denn er ist nicht oft bei ihnen zu Gast.

Es ist die jeweils persönliche Entscheidung und jeder Mensch darf und muss selbst abwägen, was gerade im Moment das Richtige und wirklich Wichtige ist.

So wünsche ich uns allen ein gutes Gespür, wo unser Leben in ein Ungleichgewicht gekommen ist, und ich wünsche uns allen auch den Mut, bisherige Strukturen/Schwerpunkte in unserem Leben zu hinterfragen und vielleicht auch zu ändern!

Ihre Lucia Eller, Gemeindereferentin, Katholische Kirchengemeinde Adelsheim - Osterburken - Seckach