Neckar-Odenwald

Frauen- und Mädchentag Abschluss der Neckar-Odenwald-Tage in Neckargerach und Zwingenberg / Kabarettduo „Frauengold“ trat auf

„Gemeinsam an guter Zukunft arbeiten“

Ein Blick auf die Rolle der Frau in der Politik prägte den Frauen- und Mädchentag zum Abschluss der Neckar-Odenwald-Tage.

Neckar-Odenwald-Kreis. Der Frauen- und Mädchentag war der Abschluss der Neckar-Odenwald-Tage in der Minneburghalle in Neckargerach. Zu diesem Anlass gab das Kabarett-Duo „Frauengold“ Geschichten und Ansichten mit feiner Ironie über die Rolle der Frau in Politik und Gesellschaft zum Besten. Denn der Abend war ein besonderer: Vor genau 100 Jahren, am 30. November, trat das Frauenwahlrecht gesetzlich in Kraft. Dies bot Landrat Dr. Achim Brötel, Gleichheitsbeauftragter Angelika Bronner-Blatz, Kreisrätin Eva-Maria Grimm und Bürgermeister Normen Link, Gelegenheit für einen Rückblick auf die Rolle der Frau in der Politik.

„Historischer Tag“

Die Wahlbeteiligung der Frauen lag 1918 bei 82 Prozent. Laut dem Landrat ein historischer Tag, mit dem ein erbittert geführter Kampf um ein selbstverständliches Stück Gleichberechtigung, ein gutes Ende fand. Sprüche damaliger Politiker von 1918, wie von Ernst-August Ahrens: „Unsere Töchter haben etwas Besseres zu wählen als einen Abgeordneten, nämlich ihren Ehegatten“, gehören der Vergangenheit an. „Trotzdem müssen wir uns immer wieder vergegenwärtigen, wo wir auf dem Weg zur Gleichberechtigung aktuell tatsächlich stehen“, sagt Brötel.

Heute sind Frauen ausgebildet und auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Die gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben und der Familienarbeit sind gesetzlich festgeschrieben und werden von vielen Familien gelebt. Mit dem neuen Sexualstrafrecht „Nein heißt nein“ und der gleichgeschlechtlichen Ehe wurden weitere Fortschritte gemacht. „Nicht die Verdrängung der Männer ist das Ziel, sondern die Gleichberechtigung von Frau und Mann. Nur gemeinsam können wir mit unseren Kompetenzen an einer guten Zukunft arbeiten“, stellt die Gleichheitsbeauftragte Bronner-Blatz klar.

Ernüchternde Zahlen

Doch der aktuelle Anteil an Frauen auf Bundes- und Landesebene zeigt ernüchternde Zahlen. Der Frauenanteil deutscher Bundestagsabgeordnete beträgt 30,9 Prozent. Zum Vergleich: der Sudan hat denselben Frauenanteil im Parlament. Im Neckar-Odenwald-Kreis ist seit 2013 eine einzige Bürgermeisterin tätig. Im Kreistag sind sieben Frauen von insgesamt 46 Mitgliedern vertreten. Im baden-württembergischen Landtag stehen 35 Frauen 108 Männern gegenüber, was einem Anteil von 24,5 Prozent entspricht.

Diese Zahlen zeigen, dass Männer und Frauen von Gleichberechtigung in der Politik weit entfernt sind. Die Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht und gesetzlich festgeschrieben. In Deutschland regiert eine Bundeskanzlerin, doch das reiche nicht aus. Frauen müssen selbst aktiv werden. „Trauen sie sich etwas zu. Erheben sie ihre Stimme“, betont auch amtierende Kreisrätin Eva-Maria Grimm. Ihr Vorbild sei ihre Großmutter gewesen, denn ihre Generation erkannte, dass Frauen die Politik mitgestalten können und etwas zu sagen haben. Mit den Kommunalwahlen im Mai 2019 besteht eine neue Chance sich politisch einzubringen.

Kabarett „Frauengold“

„Frauengold“ formulierte ihren Appell folgendermaßen: „Frauen seid doch endlich schlauer, mischt euch ein mit Frauenpower“. Was eben noch ernsthaft beschrieben wurde, schildert das Frauenduo aus Herrenberg und Hechingen aus ihrer Sicht. „Frauengold“ besteht aus Susanne Geiger und Birgit Kruckenberg, die mit ihrem Programm „Woher wir kommen, wohin wir gehen“ das Publikum gekonnt unterhielten. Mit Gesang, Klavier und viel Humor offenbarten sie ihren weltweiten Blick auf die Frauen dieser Welt und erzählten Geschichten von der Hausfrau, dem Wunsch nach Karriere oder der Prinzessin im Märchen.

Spitz und selbstironisch

Mit Bemerkungen wie „Ist die Frau mit Streit beschäftigt, kann der Mann tun, was er will“, sind „Frauengold“ dabei durchaus spitz und selbstironisch unterwegs, aber auch informativ und entwaffnend lustig. Was täte der Mensch beispielsweise nur ohne Kaffee? Den dazu notwendigen Filter erfand eine Frau – Melitta Bentz. Der Feminismus hätte sich nicht ohne Simone De Beauvoir entwickeln können oder Elly Beinhorn, die als deutsche Frau das Kunstfliegen prägte.

Wer gilt heutzutage als Vorbild für Mädchen und Frauen? Da gibt es zum Beispiel die Schauspielerin Emma Watson, bekannt als Hermine Granger aus den Harry Potter-Filmen. Sie ist seit 2014 UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte und rief die Kampagne „HeforShe“ ins Leben. Für Geiger sind vor allem die Vorkämpferinnen der Jahrhundertwende ein Vorbild, denn „sie haben mit ihren Taten unglaublich viel Mut bewiesen und viel für uns erkämpft“. Aber auch Katharina Barley, Justizministerin des Bundes, sei mit ihrem Auftreten ein Vorbild für Frauen in der Politik.

„Es heißt ja, Frauen sind erfolgreich, wenn sie wie ein Mann auftreten, aber eine Gesellschaft braucht die unterschiedlichen Charaktere der Frauen und Männer, um etwas bewegen zu können“. js