Neckar-Odenwald

Gottes Wahrheit

Was ist Wahrheit? Diese Frage, so alt wie die Menschheit, hat über die Jahrtau-sende hinweg nichts an Aktualität verloren - im Gegenteil! Wir leben in Zeiten, in denen sich „Fake-News“ (Falsch-Nachrichten) in Windeseile über die sozialen Medien verbreiten. Oft werden sie gezielt eingesetzt, um eigene Interessen zu verfolgen. Menschen in allen Gesellschaftsschichten und überall auf der Welt, bis hin zu Präsidenten präsentieren ihre Sicht der Dinge als Wahrheit. Denen, die sie kritisieren, werfen sie Falschinformationen vor. Gleichzeitig belügen sie unter Umständen ungeniert die Öffentlichkeit, obwohl offensichtlich ist, dass das Behauptete nicht den Fakten entspricht.

Was ist Wahrheit? Wir als einzelne tun uns schwer, die Wahrheit herauszufinden in gegensätzlichen Darstellungen. Wir tun uns aber auch schwer, selbst wahrhaftig zu leben. Was ist denn „die Wahrheit“? Eine Liste von Fakten, die sich abhaken lässt?

In der Bibel findet sich ein viel umfassenderes Verständnis von Wahrheit. Wahrheit gewinnt da Raum, wo einer aus der Beziehung zu Gott heraus lebt. Sie erweist sich als verlässlich und tragfähig für unser Leben und sogar bis in Ewigkeit. Dafür hat Jesus gelebt, in diese Beziehung einzuladen. Darum sagt er einmal: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Der römische Statthalter Pilatus, dem Jesus als angeblicher Rebell ausgeliefert wird, kann damit nichts anfangen. Er zuckt die Schultern und sagt: „Was ist Wahrheit?“ Seine Wahrheit ist, dass er mit Jesu Verurteilung nichts zu tun haben will.

Gottes Wahrheit auf die Spur kommt, wer sich an ihm und seinen Worten orientiert – für das eigene Verhalten und für die Einschätzung, wem wir Vertrauen schenken können. Dazu gehört die Frage: Wem dient das, was als Wahrheit behauptet wird: eigenen Zielen, die oft Machterhalt und -ausbau bedeuten, oder den Menschen, vor allem denen, die im Schatten stehen? Die Sorge für die Benachteiligten legt uns Gott nachdrücklich ans Herz. Hass und Hetze Andersdenkenden gegenüber haben da keinen Platz. Jesus sagt einmal sinngemäß: „Was ihr einem, von anderen gering geschätzten Menschen getan habt, habt ihr mir getan –sie sind nämlich meine Brüder und Schwestern.“

Wer Falsches in die Welt setzt und bewusst die Realität verzerrt, um Wählerstimmen zu sammeln, lebt und handelt an der Wahrheit Gottes vorbei.

„Behandelt andere so, wie ihr behandelt werden wollt“, so prägt uns Jesus ein. Im Vertrauen auf ihn kann das ein wichtiger Schritt sein, „wahr“-haftig und glaubwürdig zu leben und so der Wahrheit Gottes Raum zu geben.

Irmtraud Fischer, Pfarrerin in Buchen