Neckar-Odenwald

Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr Mit Ergebnissen für Madonnenlandbahn ist erst Anfang 2020 zu rechnen / Eisenbahnunternehmen Abellio stellte sich vor

Gutachter sollen „Sorgenkind“ bewerten

Wie geht es weiter mit der Madonnenlandbahn? Die Strecke und deren Potenzial soll in einem Gutachten bewertet werden.

Neckar-Odenwald-Kreis. Während es bei der Frankenbahn berechtigte Hoffnung auf eine zuverlässige Bedienung gebe, bezeichnete der Landrat Dr. Achim Brötel die Madonnenlandbahn zwischen Seckach und Miltenberg als „absolutes Sorgenkind“. Die Probleme seien vielschichtig, denn Betrieb, Fahrplan und Infrastruktur befänden sich in einem gleichermaßen unbefriedigenden Zustand, hieß es in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr am Montag im Schefflenzer Rathaus.

„Alle Ansätze zur Steigerung der Attraktivität verliefen bislang mehr oder weniger erfolglos. Während durch die Westfrankenbahn zumindest eine gewisse Kontinuität bei den Ausbaumaßnahmen an der Strecke und den Bahnhöfen eingetreten ist, hat sich der Fahrplan aber leider nicht verbessert, sondern eher verschlechtert“, so Brötel, der dabei auf das große Fahrgastpotenzial im Mittelbereich Buchen hinwies. Entsprechend sei aus einem Ende 2017 verabschiedeten Positionspapier des Kreistags zusammen mit dem Verkehrsministerium die Idee entstanden, die Strecke durch ein fundiertes Gutachten detailliert zu bewerten. Das Land habe sich bereiterklärt, 50 Prozent der dafür anfallenden Kosten in Höhe von rund 100 000 Euro zu übernehmen. Den Rest teilten sich der Neckar-Odenwald-Kreis und der Landkreis Miltenberg.

Suche nach Lösungen

Den Zuschlag für das Gutachten habe die Firma SMA aus Frankfurt erhalten. Mit Ergebnissen sei voraussichtlich nicht vor Anfang 2020 zu rechnen. „Damit wird für die Diskussion um die Zukunft der Bahn erstmals eine wirklich solide Grundlage geschaffen“, betonte Brötel. Sein Dank ging an das Ministerium für die konstruktiven Gespräche und die Kostenbeteiligung sowie an den Nachbarkreis für die gute Zusammenarbeit. Dem schlossen sich die Kreisräte an. Einig waren sie sich in der Diskussion, dass man auf Grundlage des Gutachtens gegebenenfalls auch ganz neue und kreative Lösungen andenken müsse.

Groß ist dagegen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft bei der Frankenbahn: Das private Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio wird ab Dezember die Regionalexpresszüge von Mannheim nach Stuttgart, abwechselnd über Neckarelz und Sinsheim, sowie die ebenfalls stündlichen Regionalbahnen auf der Frankenbahn von Stuttgart nach Osterburken fahren. Deshalb präsentierte sich die Tochter der niederländischen Staatsbahn auf Einladung dem Ausschuss. Landrat Brötel begrüßte hierzu Rolf Schafferath, Geschäftsführer Finanzen der Abellio Rail Baden-Württemberg, sagte: „Beide Relationen sind für den Neckar-Odenwald-Kreis sehr wichtig und wir sind daher umso gespannter, was uns erwartet.“

Schafferath erklärte, sein Unternehmen könne auf umfangreiche Erfahrungen unter anderem im deutschen Netz zurückgreifen. Schon jetzt fahre man in Deutschland fast 35 Millionen Zugkilometer pro Jahr und freue sich nun, dass man auch in Baden-Württemberg einige ausgeschriebene Bahnlinien gewonnen habe. „Wir streben die maximale Pünktlichkeit unserer Züge an und wollen ganz konkrete Qualitätsziele einhalten“, betonte Schafferath. So sei der Firma die Freundlichkeit des Personals und die Sauberkeit in den Zügen wichtig. Eingesetzt würden fabrikneue Züge, unter anderem mit WLAN und barrierefreien Einstiegen. „Obwohl der Hersteller der Züge derzeit Lieferprobleme hat, werden alle bestellten Zugkilometer erbracht“, sagte der Geschäftsführer zu. Auch zeigte er sich optimistisch, dass man ausreichend qualifiziertes Personal anwerben oder ausbilden könne.

Kritische Fragen

Zum Teil auch kritisch hinterfragten die Ausschussmitglieder unter anderem, ob das Unternehmen insbesondere beim Thema Pünktlichkeit sowie bei der Fahrerakquise die angekündigten Maßstäbe einhalten könne. „Wir haben ein junges, motiviertes Team“, unterstrich Schafferath, der gleichzeitig auf weitere Nachfragen versprach, auch bei der Fahrgastinformation die Kunden nicht zu enttäuschen. Allerdings sei man nur für die vom Land bestellten Verbindungen zuständig, man könne weder den Fahrplan verändern, noch sei man für das Bahnhofsumfeld verantwortlich. Der Landrat dankte Schafferath, verbunden mit den besten Wünschen für den Betriebsstart zunächst im Juni im Raum Stuttgart und Heidelberg und dann im Dezember im Kreis.

Mit bis zu 400 Fahrgästen pro Werktag sehr erfolgreich gestartet sei die Regiobus-Linie Sinsheim - Mosbach-Neckarelz, berichtete der Landrat. Um die Linie noch attraktiver zu machen, wolle man die Verbindung bis in die Mosbacher Innenstadt verlängern, was in der Planungsphase noch an einer möglichen Förderschädlichkeit gescheitert war. Erfreulicherweise habe das Ministerium grünes Licht gegeben. Man wolle daher die Verlängerung der in Neckarelz ankommenden Busse in die Innenstadt zum Busbahnhof in den pendlerrelevanten Zeitlagen um 6.44 Uhr, 7.44 Uhr und 8.44 Uhr, mittags um 12.44 Uhr und 13.44 Uhr sowie nachmittags um 15.44 Uhr, 16.44 Uhr und 17.44 Uhr ab 1. Juni umsetzen. Für die Laufzeit von fünf Jahren müsse man mit rund 33 000 Euro an Kosten rechnen. Die Ausschussmitglieder stimmten dem Vorschlag einstimmig zu.

Dann informierte Brötel den Ausschuss, dass die im Rahmen der erfolgreichen Bewerbung zur Biomusterregion entwickelte Idee eines regionalen Käses aus ökologisch erzeugter Milch schon weit gediehen sei. Man habe einen Milcherzeuger im Landkreis akquiriert und die Kirchen-Käserei Sindolsheim für die Umsetzung gewonnen. Der Käse solle in Herzform hergestellt und unter dem Namen „Odenwälder Käseherz“ beworben werden. Für die herzförmigen Käseformen bewilligte der Ausschuss einmalig 5000 Euro.

Abschließend gab der Landrat bekannt, dass derzeit an einer Ausweitung der Ruftaxi-Verkehre gearbeitet werde. Das Konzept wolle man dem Ausschuss im Herbst vorstellen. Die Betriebsaufnahme erfolge spätestens zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020.