Neckar-Odenwald

Handeln zählt im Leben

Liebe Leserin, lieber Leser!

Stellen Sie sich einmal vor: Sie sind auf dem Weg zu einem wichtigen Termin und schon etwas spät dran. Unterwegs zu ihrem Ziel sehen Sie plötzlich auf der anderen Straßenseite eine fremde Frau zusammengekrümmt am Boden liegen und stöhnen. Wie reagieren Sie? Würden Sie sich selbstverständlich um sie kümmern? Oder hoffen Sie, dass andere vorbeikommen, die nicht so unter Zeitdruck sind, beziehungsweise haben Sie Sorge, etwas falsch zu machen, und gehen schnell weiter?

Mit einer ähnlichen Geschichte aus dem Leben antwortet Jesus auf die Frage eines Gesetzeslehrers, worauf es im Leben ankommt und welches von den vielen Geboten am wichtigsten ist.

Zunächst antwortet Jesus auf die Frage nach einem sinnerfüllten Leben mit dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Lk 10, 27)

Auf die nachfolgende Frage „Und wer ist mein Nächster?“ erzählt Jesus vom barmherzigen Samariter: Ein Kaufmann wird unterwegs von Räubern überfallen, ausgeplündert, niedergeschlagen und halbtot liegen gelassen. Zuerst kommt ein Priester, danach ein Levit vorbei. Die frommen Vertreter höchster jüdischer Reinheit sehen ihn, wollen sich aber nicht verunreinigen und gehen vorüber. Erst ein Angehöriger einer anderen Religion, ein von vielen verachteter Samariter hat Mitleid und erweist sich so als Vorbild für uns alle!

Jesus zeigt seinen Zuhörern damals und uns heute mit dieser eindrücklichen Beispielgeschichte, was wirklich zählt in unserem Leben: nicht das Vielwissen oder Reden, sondern das Handeln – ganz nach dem Motto der Pfadfinder: „Jeden Tag eine gute Tat.“ Oder wie es der heilige Antonius einmal sagte: „Worte haben wir mehr als genug, dafür aber an Werken großen Mangel“. Und der Dichter Erich Kästner bemerkte mit treffender Kürze: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Diese lebenslange Herausforderung zur praktischen Nächstenliebe gilt nicht nur für die engagierten Feuerwehrleute, Sanitäter, Polizisten, Pflegekräfte, Ärzte und kirchlichen Mitarbeiter, sondern für jeden von uns! Wir alle sind eingeladen, immer wieder auf unser Herz zu hören, mitfühlend und menschlich zu handeln – ohne zu werten und zu berechnen.

Übrigens heißt es am Ende des Doppelgebots der Gottes- und Nächstenliebe: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Bei allem Einsatz für unseren Nächsten ist es auch wichtig, sich helfen zu lassen, wenn die eigene Kraft nicht (mehr) ausreicht und ab und zu sich selbst etwas Gutes zu tun!

Barbara Dieterle,Gemeindereferentin in der Katholischen Kirchengemeinde MOSE, Mosbach-Elz-Neckar