Neckar-Odenwald

Führung in Schneeberg Exkursion des Heimat- und Verkehrsvereins Mudau

Interessante Einblicke in Kellerkultur

Archivartikel

Mudau/Schneeberg.Dieser Tage konnte der Heimat- und Verkehrsverein Mudau einen Termin zu einer der sehr beliebten Kellerführungen in Schneeberg vereinbaren. Der Vorsitzende Hans Slama gab auf der Fahrt Informationen zur langen Verbundenheit des Raumes Mudau zu Schneeberg. Ehemals gehörte man gemeinsam zum Kloster Amorbach, die Wallfahrten dorthin gehen auf über 400 Jahre zurück. Der bekannte Mudauer Maler und Bildhauer Nikolaus Hooff arbeitete auch für die Schneeberger Kirche einen Altar und einen Kreuzweg. Letzterer ist noch vorhanden.

Die Bedeutung und Vielfalt der heute noch vorhandenen ehemaligen Wein- und Mostkeller war wohl für alle sehr überraschend. Ewald Winkler und Jürgen Kuhn verstanden es hervorragend, die Mudauer Besucher zu informieren. So gibt es heute noch etwa 60 vor dem Jahre 1811 errichtete „Alte Keller“. Alle sind als Gewölbekeller in Sandsteinmauerwerk am Berghang ausgeführt. Der Eingang wurde durch einen Kastanienbaum vor Sonneneinstrahlung geschützt. Der älteste Keller stammt aus dem Jahre 1568.

Die Besucher lernten etwas über die Mauertechnik, wovon es zwei Arten gab, und auch die Lagermöglichkeiten kennen. Da die Keller oft nicht zum Grundstück gehörten, war auch interessant zu erfahren, dass es sogenannte Kellerrechte gibt. So teilten oder teilen sich oft mehrere Familien, in einem Fall sogar 16 „Rechtler“ einen Keller. Gelagert wurden oder werden neben dem Most alle Lebensmittel und Getränke, oft sogar auf zwei Ebenen. Auch eine renovierte Kelter konnte man besichtigen, oft sind diese direkt über den Kellern errichtet worden.

Der Weinbau hatte in Schneeberg ehemals eine große Bedeutung. Die Anbaufläche betrug 74 Hektar und 35 Kilometer Weinbergmauern bei 20 Terrassen. In Schneeberg baute man hauptsächlich Riesling an, der sauer war und wenig Alkohol hatte. Zur besseren Genießbarkeit wurden Honig und Kräuter zugesetzt. Ein Erwachsener trank etwa 2,5 bis 3 Liter am Tag. Er diente quasi als Lebens- und auch Zahlungsmittel.

Nach dem Klimasturz durch den Vulkanausbruch in Indonesien im Jahre 1816 kam der Weinbau langsam zum Erliegen. Der Initiative des Fürstenhauses Leiningen ist es zu verdanken, dass es nun zu verstärktem Obstanbau, auch zur Mostgewinnung kam. Durch die Einschleppung der Reblaus ab 1865 aus Amerika kam das Ende des Weinbaus um 1880.

Neue Verdienstmöglichkeiten für viele Schneeberger gab es jetzt in den Steinbrüchen und den Sandgruben im Maintal. Die Tradition und den Ausbau der Mosterei nahmen die Kellerfreunde wieder auf und renovierten mit großem Aufwand wieder einige Keller und auch Keltern. Sie keltern wieder Obst, vornehmlich aus alten Sorten und leisten damit einen Beitrag zum Naturschutz. So konnte die Gruppe aus Mudau mit einigen Verkostungen, gespickt mit Informationen, Witz und Humor und einem gemeinsamen Lied ein sicher unvergessliches Erlebnis genießen.