Neckar-Odenwald

Jesus ist nahe

Warum vier Mal Advent? Auf unserem Wohnzimmertisch hat meine Frau einen schönen Adventskranz mit vier großen roten Kerzen aufgestellt. Dazwischen das Grün der Tannenzweige. Am Sonntag werden zwei Flammen brennen. Der Docht der anderen beiden Kerzen ist noch unversehrt. Wir feiern vier Adventssonntage – das sollen die vier großen Kerzen symbolisieren. Aber warum feiern wir eigentlich viermal Advent? Warum diese vier Kerzen?

Christen früherer Generationen haben sich etwas dabei gedacht: Denn Jesus kommt tatsächlich vier Mal. Das deutsche Wort für „Advent“ (Ankunft) bedeutet zunächst, dass wir die Geburt Jesu Christi feiern. Der allmächtige Gott wird Mensch und kommt als kleines Kind in einer Krippe zur Welt. Sein erstes Kommen zu den Menschen. Weihnachten.

Das zweite Mal kam er als der Auferstandene mit einer großartigen Zusage, dass er alles im Griff hat, weil ihm alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben ist. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Mt 28,20). Er ist jeden Tag bei „seinen Leuten“ – in allem, was sie belastet und ihnen Schwierigkeiten macht. Gott ist da für uns. Darauf können wir zählen. Seit Ostersonntag.

Das dritte Mal ist ein in der Zukunft liegendes Kommen Jesu. Er kommt zur Entrückung seiner Gemeinde: „Jesus Christus, er kommt wieder, wenn Gott ihm das Zeichen gibt, er kommt bald, Halleluja, er kommt bald. Alle singen Freudenlieder, alle, die den Herrn geliebt…“

Dann wird eine Zeit großer Schwierigkeiten und Verfolgungen auf der Erde beginnen („Große Bedrängnis“, Mt. 24). Es wird eine antichristliche Zeit sein. Am Ende dieser Zeit steht die sogenannte Wiederkunft Jesu: auch sein viertes und letztes Kommen liegt für uns noch in der Zukunft. „Er kommt zum Weltgerichte: Zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad’ und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht…“ Der Wochenspruch, der die Gläubigen (Israels) in der künftigen schweren Zeit ermutigt, bringt das zum Ausdruck: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“ (Luk 21,28).

Jesus ist nahe – sehr nahe. Er wird einmal sichtbar wieder auf diese Erde kommen. Das kann eine wunderbare, aber auch beklemmende Erkenntnis sein: Was wäre, wenn ich genau wüsste, dass Jesus morgen kommt? Was müsste ich heute noch tun oder klären, wenn er morgen kommen würde? Bin ich bereit, ihm voller Freude und erwartungsvoll entgegenzugehen?

Wer sein Leben vertrauensvoll in die Hände von Jesus legt, der ist bei ihm geborgen – für die jetzige Zeit und die zukünftige.

Pfarrer Dr. Dietmar Reizel, Ravenstein