Neckar-Odenwald

Historische Ortsdurchfahrt von Langenelz Bis zum Bau der Straße vergingen viele Jahre

Kriegerdenkmal bekam einen neuen Standort

Archivartikel

Langenelz.Das Feuerwehrfest in Langenelz mit dem Dreiländertreffen der Feuerwehren wird als „imposantes Ereignis“ bezeichnet. Solche „denkwürdigen Tage“ gab es in der Vergangenheit mehrfach, meist im Zehn-Jahres-Rhythmus. Die Fertigstellung der neuen Ortsdurchfahrt vor 50 Jahren ist genauso bedeutend einzustufen. Wer heute den Verkehr beobachtet der auf der L 523, der Verbindung von Mudau zur B 27, durch Langenelz fließt, stellt fest, dass manche Fahrzeuge die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht wirklich einhalten. Es werden Spitzenwerte von über 100 Kilometer pro Stunde erreicht. An eine solche Entwicklung, die fast den kompletten landwirtschaftlichen Verkehr von dieser Strecke verbannt hat, dachte wohl im Jahre 1966 beim Ausbau der Straße niemand. Während vor etwa 100 Jahren, als die Straße geteert wurde, täglich drei Kraftwagen und 50 Zugtiere die Fahrbahn passierten, sind es heute über 3000 Fahrzeuge.

Die Anbindung von Mudau über Langenelz zur B 27 wurde erst im Jahre 1848 hergestellt. Davor bestand die Anbindung über den Bödigheimer Weg und den Einbacher Weg zum Galgen, dem „Ersten Kreisel“. Hierher führte auch die Verbindung der beiden Klöster Mosbach-Amorbach und weiter über Schloßau nach Hessen. Innerorts gab es eine andere Straßenführung und ab dem heutigen Friedhof Langenelz ging die Verbindung über Wagenschwend nach Eberbach. Viel Kriegsvolk zog auf dieser Straße, auch Napoleons Armee.

Kinder sollen laufen

Schon Anfang der 60er Jahre, also etwa über 100 Jahre später, befasste man sich wieder mit einem Neubau der Strecke von Mudau zur B 27. Der Gemeinderat wünschte die Anlage eines Radweges nach Mudau für die Kinder zum Schulbesuch (einen Bustransport gab es noch nicht). Das Regierungspräsidium lehnte dies jedoch mit der Bemerkung ab, dass die Kinder laufen sollen. Die Häuser Schüßler (Erhard und Peter Galm) und Bernhard Meixner (Post und alte Schule) mussten der Straße weichen, ebenso die Scheune von Pius und Kurt Schäfer. Im Zuge dieser Maßnahme war auch das vom Militärverein 1925 errichtete Kriegerdenkmal im Wege. Es stand am Ortseingang aus Mudau kommend links an der alten Verbindung zum Galgen.

Die Suche nach einem neuen Platz bereitete großes Kopfzerbrechen. Die Anlage der Gehwege musste die Gemeinde bezahlen, ebenso 80 Prozent der Kosten für die Stützmauern. Im Jahre 1967 waren die Baumaßnahmen abgeschlossen. Da kurz zuvor das Milchhaus neu erstellt wurde, entstand mit der neuen Ortsdurchfahrt ein neues Ortsbild. Dies veränderte sich bis heute nur wenig, da das Milchhaus zwischenzeitlich der Spitzhacke zum Opfer fiel. Im Jahre 1958 feierte die Feuerwehr ihr zehnjähriges Bestehen in Uniformen mit einem imposanten Umzug.

Bevölkerung half mit

Eine Tragkraftspritze mit Anhänger wurde angeschafft und mit der Aula samt neuem Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. Dieses Gebäude wurde auf Antrag des Ortschaftsrates im Jahre 1989 mit großer Eigenleistung der Bevölkerung saniert und erweitert. Dies geschah im Sinne eines Dorfgemeinschaftshauses mit sanitären Anlagen, Nebenraum und zukunftsorientiertem Gerätehaus mit einem Feuerwehrfahrzeug zum 50-jährigen Bestehen 1998. Im Jahre 1992 erhielt die Dorfgemeinschaft unter anderem dafür den Sonderpreis bei der kommunalen Bürgeraktion des Landes Baden-Württemberg. Nun musste für das im Zuge des Landstraßenneubaus abgebaute Denkmal ein geeigneter Platz gefunden werden. Zuerst wurde angedacht, das Denkmal in den Schulgarten zu versetzen. Bereits 1966 fand eine Bürgerversammlung statt wegen des Friedhofs Mudau. Von der Gemeinde Mudau war im Zuge des Neubaus der Leichenhalle und der künftigen Eigentumsverhältnisse des Friedhofes eine Grundsatzentscheidung für notwendig erachtet worden. Durch den Übergang von der kirchlichen auf die politische Gemeinde kam es wohl zu Kontroversen. Bislang war Mudau als Pfarreisitz der zuständige Ort für Begräbnisse, obwohl laut Bezirksamt schon im Jahre 1880 ein Friedhof angelegt werden sollte. Die Toten wurden in Folge dann mit einem Pferdegespann nach Mudau gefahren. Einen besonderen Leichenwagen gab es nicht. Das Bezirksamt bestand auf der Reinigung des Wagens und einer Sargabdeckung. Wie ging es also vor 50 Jahren weiter?

Durch die veranschlagten Kosten in Höhe von circa 300 000 DM für den Neubau der Leichenhalle in Mudau sollten die Beerdigungskosten auf 1200 bis 1400 DM steigen. In Langenelz war man bei der Gemeindeversammlung geteilter Meinung.

Im April 1966 schaltete man schließlich die Behörden zwecks Anlage eines Friedhofes und der möglichen anfallenden Kosten ein und behandelte im Juni die „Friedhofsfrage“ erneut. Nachdem die Kostenbeteiligung der Gemeinde Langenelz in Mudau nicht geklärt werden konnte, beschloss der Gemeinderat im August mit einer Stimme Mehrheit die Anlage eines Friedhofes in Langenelz. Die Meinung in der Bevölkerung blieb geteilt, zudem Pfarrer Ackermann sich dagegen aussprach.

Auch das Kriegerdenkmal sollte nunmehr beim Friedhof seinen neuen Platz finden. Der Plan wurde genehmigt und mit viel Eigenleistung wurde die Idee verwirklicht. Die Einweihung des Friedhofes mit Ehrenmal fand am 17. September 1967 statt. Die Presse berichtete seinerzeit über einen „denkwürdigen Tag für die kleine Odenwaldgemeinde. Die Schaffung des Langenelzer Friedhofes ist eine Tat für Generationen“.

Im Juni 1968 wurden die Maurerarbeiten für die Leichenhalle vergeben. Durch erhebliche Geldspenden und Eigenleistung der Bevölkerung wurden die Bauarbeiten nach einem Jahr zum Abschluss gebracht und am 15. Juni 1969 erfolgte die Weihe durch den Ortsgeistlichen der Pfarrei Mudau, Pfarrer Otto Ackermann. Da sich die Feuerwehr 1968 zum 20- jährigen Bestehen eine Fahne zulegte, wurde die Fahnenweihe im Jahre 1969 mit der neuen Ortsdurchfahrt ein Fest des ganzen Dorfes und der Umgebung. Hans Slama