Neckar-Odenwald

FN-Gespräch Harald Kielmann, Vorsitzender des Kunstvereins Neckar-Odenwald, über die Kunst- und Kulturszene im Kreis

„Kunstverein hat einen guten Namen“

Der Neckar-Odenwald-Kreis hat eine vielfältige Kunst- und Kulturszene zu bieten. Eine tragende Säule ist hier der Kunstverein Neckar-Odenwald mit den Ausstellungsorten in Buchen und Mosbach.

Neckar-Odenwald-Kreis. „Erstes Ziel des Vereins ist es, das Verständnis für die Kunst – vorwiegend die bildende Kunst – und die Beschäftigung mit dieser zu fördern.“ Dieser Satz steht am Anfang der Satzung des Kunstvereins. Wie dieses Ziel erreicht wird, darüber haben sich die Fränkischen Nachrichten mit Harald Kielmann, dem Vorsitzenden des Kunstvereins Neckar-Odenwald unterhalten. Kielmann steht seit 2014 an der Spitze des Kunstvereins. Er trat die Nachfolge von Werner Zeh an, der von 1990 bis 2014 den Kunstverein geführt und geprägt hat.

Ehrenamtliches Engagement

In diesen vier Jahren hat Kielmann den Verein „mit großem Vergnügen geführt“. Auch wenn das einiges an Arbeit bedeutet. „Wir haben so gut wie kein hauptamtliches Personal, bei uns läuft vieles auf ehrenamtlicher Basis.“

Zugute kommt ihm dabei, dass er seit 2015 im Ruhestand ist. Und dass es vorher viel Erfahrung beim Organisieren von Ausstellungen gesammelt hat. Kielmann war zehn Jahre Leiter des Verdi-Bildungszentrums Mosbach, davor bei einem Bildungszentrum in Oberbayern – er ist auf dem Gebiet also beileibe kein Anfänger.

Acht bis zehn Ausstellungen bietet der Verein den Kunstinteressierten im Kreis im Jahr. Das an seinen beiden Ausstellungsorten „Altes Schlachthaus Mosbach“ und „Kulturforum Vis-à-Vis der Stadt Buchen“. Für die zwei Ausstellungsorte – beide in städtischem Besitz – ist Kielmann den Kommunen dankbar. Habe man so doch die Chance, einer breiteren Öffentlichkeit interessante Kunst zu zeigen.

Rund 180 Mitglieder hat der Verein, 40 davon sind selbst künstlerisch aktiv. Die haben bei ein bis zwei Ausstellungen im Jahr die Gelegenheit, Aspekte ihrer Kunst zu zeigen. Die gesamte Breite des Schaffens eines Künstlers zu zeigen, das sei schon rein zeitlich nicht zu schaffen.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Vom 21. Oktober bis 9. Dezember gibt es eine Ausstellung in Buchen, die sich „nur“ zwei Künstlern des Vereins widmet. Günther Braun und Werner Zeh. Werner Zeh wird dabei neue Wege seines eigenen künstlerischen Schaffens in einer Partnerausstellung mit dem Plastiker Günter Braun im Buchener Kulturforum Vis-à-Vis zeigen.

Der Kunstverein hat keine Mühe, Künstler für seine Ausstellungen zu finden. „Wir bekommen im Jahr rund 60 bis 70 Bewerbungen von Künstlern, die bei uns ausstellen wollen.“ Für Kielmann ein deutliches Signal, „dass der Kunstverein Neckar-Odenwald einen guten Namen hat“. Im Sommer jeden Jahres trifft sich dann der künstlerische Beirat und legt fest, wer und was im kommenden Jahr gezeigt wird. Die Auswahl fällt manchmal schwer. „Es gibt viele gute Sachen. Wir könnten mehr zeigen.“

An die „ganz Großen“ der Szene kommt der Verein dabei nicht ran. „Einmal hatten wir eine Ausstellung mit Anselm Kiefer“, erinnert sich Kielmann. Aber das sind Ausnahmen. „Da könnten wir schon den Transport und die Versicherungskosten der Werke nicht stemmen.“ Genau so wenig könne sich der Verein mit den großen Kunstvereinen und Häusern in den Ballungszentren messen. Aber das sei auch gar nicht das Ziel. Der Schwerpunkt liege daher klar auf dem Bereich, den Kielmann das „mittlere Segment der Künstler“ nennt. „Die haben auch wirklich Interesse, bei uns auszustellen.“ Ein Ziel des Vereins ist es, die Künstler zu fördern, die von ihrer Kunst leben müssen.

Kunst soll nicht nur gefallen

Und Kunst soll nicht nur gefallen, sie soll auch zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Das sei ein weiteres Ziel der Ausstellungen. „Was wir zeigen, ist immer interessant. Wir haben einen hohen Anspruch. Wir legen Wert auf Professionalität.“ Gezeigt werde Gegenwartskunst. Dafür wolle man Verständnis wecken – und auch gesellschaftliche Debatten anregen.

Es kommt auch vor, dass der Verein sich einen Künstler für eine Ausstellung in Mosbach oder Buchen sucht. Der Kunstverein Neckar-Odenwald ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine. Hier ergeben sich viele Kontakte, auch durch die Vernetzung im medialen Bereich. Ebenso wichtig ist für Harald Kielmann der regelmäßige Besuch von Ausstellungen. Er reise viel und schaue sich Ausstellungen an. Etwa in Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe, aber auch in Basel. Wenn da ein Künstler dabei ist, der „ins Segment passt“, dann versuche man, ihn zu gewinnen. Klar sei, dass solche Entscheidungen im Vorstand und Beirat des Vereins immer einvernehmlich getroffen werden. „Es gibt sicher Diskussionen, aber am Ende steht immer eine gemeinsame Entscheidung.“

Einiges an Arbeit

Im Vorfeld einer Werkschau gibt es einiges an Arbeit, so Kielmann im Gespräch. Verträge mit den ausstellenden Künstlern machen, für den Transport sorgen, Versicherungen abschließen – bevor der kunstinteressierte Besucher einen Blick auf ein Bild oder eine Skulptur wirft, haben die Mitglieder des Kunstvereins einiges an Arbeit geleistet. Bei dem Gespräch mit den FN etwa war Kielmann gerade dabei, mit Sandra Ratkovic die Bilder für die Fotografie-Ausstellung in Buchen aufzuhängen.

Ein Vorsitzender eines Kunstvereins ist auf einigen Feldern aktiv, bevor die Schau mit der Vernissage beginnt. Aber die Arbeit lohnt sich, findet Kielmann: „Wir bieten in Buchen und Mosbach etwas, was es sonst im Kreis nicht gibt.“