Neckar-Odenwald

Liebe Gottes weitertragen

Auf den ersten Blick ist das Evangelium dieses Sonntags, die Erzählung vom reichen Fischfang (Lk 5,1-11), eine Wundererzählung. Doch sie hat noch eine tiefere Dimension.

Nach einer Nacht erfolgloser Arbeit fährt Simon mit den anderen Fischern – auf das Wort Jesu hin – nochmals hinaus auf den See, und sie fangen eine so große Menge an Fischen, dass ihr Netze zu reißen drohen. Das Vertrauen auf Jesus und sein Wort wird überreich belohnt. Simon Petrus erlebt Jesus dabei als jemanden, der übermenschliche Macht hat, er spürt die Nähe Gottes in ihm, fällt ihm zu Füßen und stammelt: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder“. Doch Jesus richtet ihn auf und sagt zu ihm: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen“.

Mit diesen Worten wird die Erzählung vom reichen Fischfang zu einer Berufserzählung, ähnlich wie der Prophet Jesaja in der ersten Lesung davon erzählt, wie er von Gott in Dienst genommen wurde, und Paulus in der zweiten Lesung an seine Berufung erinnert, an die Begegnung mit dem Auferstandenen vor Damaskus. Die Zeichenhandlung vom reichen Fischfang spricht für sich, und die Angesprochenen verstehen und reagieren entsprechend. Simon Petrus, Jakobus und Johannes lassen alles zurück und folgen Jesus nach. Nicht nur um das Wunder, das Jesus gewirkt hat, um den großen Erfolg der Fischer geht es also im heutigen Evangelium, sondern auch darum, Sie für eine neue Aufgabe zu begeistern und zu berufen, nämlich Menschen zu Jesus zu führen, sie einzuladen, aus seinem Geist der Liebe und des Vertrauens auf Gott zu leben, und so dem mit Jesus anbrechenden Reich Gottes den Weg zu bereiten.

Was hat das nun mit uns heute zu tun? Ich meine, wie damals vor 2000 Jahren die Apostel und Jünger, so sind heute wir Christen die Berufenen. Wir sind von Jesus eingeladen und gesandt, Menschen für ihn und seine Kirche zu gewinnen, miteinander aus seinem Geist zu leben, und so die Liebe Gottes und seine Heilsbotschaft zu den Menschen zu tragen. Die Gemeinschaft mit Christus und der Geist Gottes, den wir in der Taufe und Firmung empfangen haben, befähigen uns dazu.

Wie bei den Fischern am See Genezareth hängt der Erfolg dabei letztlich nicht von uns und unseren Möglichkeiten ab, sondern vor allem von dem, der als Auferstandener in unserer Mitte ist, im Schiff seiner Kirche und im Boot unseres Lebens.

Tun wir als unseren Teil: Leben wir vertrauensvoll nach dem Evangelium Jesu und aus seinem Geist, dann können wir alles andere getrost Gott und seiner Gnade überlassen.

Wolfgang Specht, katholisches Dekanat Mosbach-Buchen