Neckar-Odenwald

Im Kreistag Neckar-Odenwald-Kreis wird Verbesserungen im Schienenverkehr im Neckartal mitfinanzieren / Drei neue Direktverbindungen Stuttgart-Neckarelz

Mehr Züge sollen für einen dichteren Takt sorgen

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.„Da ist Musik drin“, erklärte Landrat Dr. Achim Brötel in der Kreistagssitzung zum Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). „Das Thema wird uns in Zukunft vermehrt beschäftigen.“ Die kürzlich in Rosenberg gestartete gemeinsame Initiative der Kommunen und Politiker für einen besseren ÖPNV fällt auf fruchtbaren Boden, ist der Landrat überzeugt.

Dazu passt der „Mobilitätspakt für den Wirtschaftsraum Heilbronn“, der im Juli 2017 beschlossen wurde, und zwar vom Land, dem Landkreis Heilbronn, den Städten Heilbronn und Neckarsulm, der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft Karlsruhe sowie von Audi und der Schwarz-Gruppe. Allerdings war der Neckar-Odenwald-Kreis hier nicht einbezogen. Vom Pakt habe man erst aus der Presse erfahren, sagte Brötel. Das habe man zum Anlass genommen, beim Land um eine künftig frühere Beteiligung in solchen Fällen zu bitten.

In der Sache ist der Kreis jetzt aber „dabei“. Denn die Vorhaben im Bereich der Schiene – weitere Mobilitätspakt-Vorschläge beziehen sich auf Straßen und Radwege – betreffen den Mittelbereich Mosbach. Diskutiert werden ein Taktlückenschluss, Kapazitätserweiterungen, eine zusätzliche Spätverbindung bei der Stadtbahn Nord (S 41) sowie drei zusätzliche durchgehende Regionalexpress-Verbindungen von Stuttgart nach Neckarelz im nachmittäglichen Berufsverkehr (siehe Infobox).

Grundsätzliche Frage

Das Land erwarte für die Angebotserweiterung allerdings eine knapp 25-prozentige Kostenbeteiligung der Region, schränkte Brötel ein. Zwar sei der Anteil des Neckar-Odenwald-Kreises relativ gering. „Doch hinter dem vermeintlich singulären Sachverhalt“, so Brötel, stehe eine grundsätzliche Frage. Denn bisher habe der Kreis noch auf keiner Bahnstrecke ein Betriebskostendefizit mitgetragen, weil die Aufgabenträgerschaft eindeutig beim Land liege. „Allerdings ist eine solche kommunale Mitfinanzierung inzwischen durchaus üblich geworden“, so Brötel. Auch bei der Einführung der S-Bahn habe man sich bereits beteiligt, wenn auch nicht offen an den Betriebskosten.

Peter Fieger berichtete ganz aktuell von Gesprächen im Verkehrsministerium am selben Vormittag. Die Taktverdichtung werde gut eine Million Euro kosten. Der Neckar-Odenwald-Kreis, der nur mit einem kleinen Streckenanteil beteiligt ist, wird hier rund 17 600 Euro im Jahr beisteuern müssen. Der jährliche Anteil des Landkreises am zusätzlichen Nachtzug beträgt 4500 Euro, der zusätzliche Wagen für den übervollen Morgenzug werde 4000 Euro für den Kreis bedeuten.

Die Taktverdichtung bei den REs ab Dezember 2019 kostet 265 000 Euro. Die Odenwälder müssen 42 800 Euro übernehmen. Doch diese lange geforderten Direktzüge bringen die größten Effekte für die Pendler, so Peter Fieger. Die damit zu erzielenden Verbesserungen lägen über dem Landesstandard, was eine Beteiligung rechtfertige.

Insgesamt summiere sich der regionale Part voraussichtlich auf rund 340 900 Euro, so Fieger. Den Anteil des Kreises bezifferte er „vorsichtig“ mit 68 900 Euro, er rechne aber „mit weniger“. Im nächsten Schritt werde man die Aufteilung des Kreisanteils mit den anderen Beteiligten in der Region aushandeln. Im November soll der Pakt unterzeichnet werden.

Die Sprecher aller Fraktionen befürworteten die Verbesserungen. Mosbachs Oberbürgermeister und Kreisrat Michael Jann (CDU) unterstrich die Bedeutung der Schiene für die Entlastung der parallelen Bundesstraße 27 und lobte ganz besonders die Direktzüge. Allerdings seien auch die Infrastrukturmaßnahmen wichtig. Wenn für die Stadtbahn ein Bahnsteig in Neckarelz barrierefrei umgebaut werden solle, werde sich die Stadt einer Kostenbeteiligung bestimmt nicht verschließen.

„Wo das Angebot verbessert wird, steigen die Nutzerzahlen“, betonte Karl-Heinz Graner (SPD). Die Züge müssten aber zuverlässig sein. Das sei bei der Stadtbahn besser geworden, bei der S-Bahn häuften sich dagegen Verspätungen.

In „sauren Apfel“ beißen

Hans-Peter von Thenen (FWV) erklärte, „es könnte mehr und besser“ sein. Doch man gehe gern erst einmal diesen kleinen Schritt. Dafür werde man in den „sauren Apfel der Mitfinanzierung beißen“. Er stellte fest, dass das Land bei „Pendler-Werbungen“ in den ÖPNV Geld von den Kommunen wolle. Bei Maßnahmen wie dem Pendlerparkplatz an der Autobahn sowie beim Radwegebau werde dagegen keine Beteiligung gefordert – was schön sei.

Simone Heitz (Grüne) kritisierte die Abwärtsentwicklung bei der „ehemals stolzen D-Zug-Strecke“ im Neckartal, die zu Frust bei den Pendlern führte. Dass der Vorstoß im Infrastrukturbereich jetzt von der Wirtschaft komme, mache sie nachdenklich. Symptomatisch sei, dass der Landkreis im Vorfeld nicht im Blick der Mobilitätspakt-Partner gewesen sei. Er sei aus Sicht der Heilbronner und Neckarsulmer „nur das Haar an der Dackelschwanzspitze“.

Am Ende schloss sich der Kreistag einhellig dem Vorschlag Brötels an, dem Land eine Mitfinanzierung des Betriebskostendefizits auf der Strecke Heilbronn-Mosbach zu signalisieren – allerdings ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und beschränkt auf den Einzelfall. Die Verwaltung wurde ermächtigt, über den Kostenanteil zu verhandeln. Wird er teurer als 150 000 Euro, muss die Zustimmung des Wirtschaftsausschusses eingeholt werden. sab