Neckar-Odenwald

Am Eckenberg-Gymnasium 96 Abiturienten wurden bei einem Festakt verabschiedet / Zeugnisausgabe und Preisverleihung

„Nehmen Sie die Herausforderungen an“

Adelsheim.Mit einem vom Musikkurs umrahmten Festakt am Freitagabend in der Aula des Eckenberg-Gymnasiums wurden 96 Abiturienten verabschiedet.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Meinolf Stendebach, der auch Grußworte von MdL Peter Hauk verlas, gratulierte Bürgermeisterstellvertreter Edgar Kraft den Schülern zum bestandenen Abitur. Mit diesem Abschluss stünden ihnen alle Karrieremöglichkeiten offen.

„Nehmen Sie die Herausforderungen unserer Zeit als Ansporn“, so Kraft, der erklärte, dass man „kluge und kreative Köpfe benötige, Menschen, die die Aufgaben mit frischem Mut und unverbrauchten Ideen angehen, die neue Sichtweisen entwickeln und neue Wege beschreiten. Sie sind die Zukunft der Gesellschaft.“

Auch Elternbeiratsvorsitzender Jens Bornschein gratulierte und gab den Hochschulabsolventen ein paar Lebensweisheiten mit auf den Weg. Das Leben habe keine Gebrauchsanweisung und lasse sich nur bedingt in die Karten schauen. „Nehmt Euer Leben selbst in die Hand und macht was daraus, denn die erforderliche Schulausbildung habt ihr bekommen.“

Im Anschluss gratulierte Fördervereinsvorsitzende Annemarie Sitte zum bestandenen Abitur. Das Ende der Schulzeit hier am EBG sei gleichzeitig der Anfang eines neuen Weges. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Hoffnung und Zuversicht an Ihr künftiges Leben herangehen, egal wie Ihre konkreten Planungen und Perspektiven auch aussehen mögen, denn nach der Schule ist mitten im Leben.“

Jetzt heiße es, Eigenverantwortung zu übernehmen. Diese müsse man vielleicht in der Endkonsequenz erst lernen oder auch annehmen wollen. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg oder noch treffender, wer was vermeiden will, sucht Gründe, wer etwas erreichen will, sucht Wege“.

Es folgte ein Poetryslam der Abiturientin Jane-Lee Fromm über ihre Schulzeit: „Mit tut der Abschied sehr weh, ich habe hier so viele Menschen kennengelernt. Aber die Zukunft wird irgendwann Vergangenheit sein. Morgen ist diese Verabschiedung Vergangenheit. In zehn Jahren werde ich mich an viel schöne Dinge hier erinnern, an eine Schule, in der ich mich wohlgefühlt habe. Lasst uns heute den Augenblick leben und versuchen, alles aufzusaugen.“

In seiner Ansprache befasste sich Schulleiter Stendebach zunächst mit der Schulpolitik. Unersetzlich für eine qualitätsorientierte gymnasiale Bildung sei das Fachprinzip. Wissen sei Voraussetzung dafür, vernetzt denken zu können und Bezüge zu anderen Fachdisziplinen herzustellen.

„Wir sollten uns wehren gegen die Diskreditierung des Leistungsgedankens, gegen die Erleichterungspädagogik und gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens.“

Baden-Württemberg habe sich zu sehr in einer Schulformdebatte verrannt und dabei die Fragen der Unterrichtsqualität ein wenig aus den Augen verloren – und dies sei auch zu Lasten der beruflichen Bildung gegangen. Hier stelle sich die Frage: „Was ist wahr?“ Als Galileo Galilei 1624 in seiner Himmelsmechanik erklärte, dass die Erde um die Sonne kreise und nicht umgekehrt, sei dies eine revolutionäre Erkenntnis gewesen. Der große Astronom musste allerdings widerrufen, um sein Leben zu retten, weil das, was wahr ist, eben nicht immer wahr sein darf.

„Ich rate Ihnen – und es könnte sich für Sie lohnen – dem Vorbild der Wissenschaft zu folgen und Erkenntnis und Dogma streng zu unterscheiden“, so Stendebach. Sokrates sei berühmt und berüchtigt dafür, das zu sagen, was er denke und er habe damit so manchen Athener gegen sich aufgebracht. „Liebe Abiturienten, mir ist diese Art trotzdem sympathisch“. Sokrates habe das Prinzip der drei Siebe eingeführt: Das erste sei das Sieb der Wahrheit, das zweite das Sieb der Güte und das dritte Sieb die Notwendigkeit. „Muss das, was Du sagen willst, wirklich gesagt werden, oder könnte es genauso gut ungesagt bleiben?“, fragte Stendebach.

Der Erkenntnissucher werde der Wahrheit immer auf den Fersen sein, gerade auch dann, wenn er sie noch nicht gefunden habe. Er bleibe offen für Neues, für andere Sichtweisen und sei dabei, Bewährtes in Frage zu stellen, aber nur dann, wenn er überzeugende Beweise vorfinde, betonte der Schulleiter.

„Ich wünsche Ihnen, dass alles, was Sie sich beruflich wünschen, in Erfüllung gehen möge, dass Sie gesund bleiben, beruflichen Erfolg haben, und wenn es gewünscht ist, auch Gottes Segen.“

Nach der Zeugnisausgabe und Preisverleihung (die FN berichteten) ging Philipp Sommer bei seiner Abiturientenrede auf die Schulzeit am EBG ein. Die Schule sei nicht nur ein Lernort gewesen, an dem unablässig gepaukt wurde, sondern auch ein Lebensort, an dem man viele Freundschaften geschlossen habe.

Abschließend dankte er allen, die ihn und seine Mitschüler begleitet haben. „Es war eine unvergessliche Zeit hier am EBG, die uns allen in Erinnerung bleiben wird“, so Sommer. Zum Abschluss lud Stendebach zum gemeinsamen Buffet und zum Abiturientenball ein. jüh