Neckar-Odenwald

Im Straßenverkehr Kinder haben immer häufiger Probleme mit dem Fahrradfahren – auch im Neckar-Odenwald-Kreis

„Schülern fehlt das Bewusstsein für den Verkehr“

Archivartikel

Radfahren im Straßenverkehr? Für viele Kinder ein Problem, auch im Neckar-Odenwald-Kreis. Zehn Prozent scheitern an den Prüfungen für den „Fahrradführerschein“.

Neckar-Odenwald-Kreis. Rechts vor Links, sicheres Bremsen, die Situation richtig einschätzen: Für viele Kinder in Baden-Württemberg ist das Fahrradfahren im Straßenverkehr eine Herausforderung. Die Probleme werden vor allem beim „Fahrradführerschein“ deutlich. Circa acht bis zehn Prozent der Grundschüler scheitern an den Prüfungen, warnt die Landesverkehrswacht.

Mangelnde Motorik

Eine Schätzung, die auch Manfred Ritzhaupt teilt. Der Polizist ist in Mosbach für die Verkehrsprävention im Bereich Radfahrausbildung tätig. „Etwa zehn Prozent der Viertklässler fallen bei der Prüfung für den ,Fahrradführerschein’ durch“, meint er. Den Kindern mangele es immer häufiger an den notwendigen motorischen Fähigkeiten. Zusammen mit seinen Kollegen schult er die Schüler. Die Theorie lernen die Neun- bis Zehnjährigen in der Schule. Dort müssen sie auch einen Fragebogen ausfüllen, wie ihn Autofahrer aus der Fahrschule kennen.

Auf den Verkehrsübungsplätzen in Buchen und Neckarelz wird in die Pedale getreten. Rechts vor Links beachten, Handzeichen geben: Die Polizisten merken, wer zurechtkommt und wer nicht. Nach den beiden Übungseinheiten entscheiden sie, welche Kinder im richtigen Straßenverkehr fahren dürfen.

Nur grobe Verstöße zählen

Dort sind die Fahranfänger in einem verkehrberuhigten Bereich unterwegs, meistens in der Nähe der Schule. Nach einer weiteren Übungseinheit wird es dann ernst: Die Polizisten fahren in zwei Gruppen mit den Kindern, einem Lehrer und zwei bis drei Eltern die Prüfungsstrecke ab. Die Prüfung selbst muss jeder Schüler alleine bewältigen. Nur bei groben Verstößen gibt es keinen Ausweis, der von den Jungen und Mädchen gerne auch „Fahrradführerschein“ genannten wird. „Die Kinder müssen beispielsweise beim Abbiegen darauf achten, dass der Gegenverkehr Vorfahrt hat, wenn er geradeaus fährt“, erklärt Fitzhaupt einen der möglichen Verstöße. Am Ende zählt der Gesamteindruck, betont er. Wenn ein Kind unsicher sei und die Regeln nicht kenne, werde das schnell deutlich. „Die Straße kann ein gefährliches Pflaster für Radfahrer sein, vor allem für Kinder“, merkt Fitzhaupt an. Umso wichtiger sei ein sicherer Umgang.

Für den Beamten gibt es mehrere Gründe, weshalb immer häufiger Schüler die Prüfungen nicht bestehen. Im vergangenen Jahr wurde die baden-württembergische Verwaltungsvorschrift für die Radfahrausbildung geändert.

Weniger Zeit zum Üben

Statt drei Einheiten gebe es nur noch zwei auf dem Verkehrsübungsplatz. „Diejenigen, die sicher sind, haben damit kein Problem, aber bei den schwächeren Kindern sorgt das für Schwierigkeiten“, sagt Fitzhaupt.

Der Polizist beobachtet auch ein „Stadt-Land-Gefälle“. In Mosbach oder Buchen seien die Kinder deutlich unsicherer als beispielsweise in Heidersbach. Zudem werde weniger Rad gefahren als noch vor 20 oder 30 Jahren, meint der Beamte. „Früher sind wir als Kinder oft im Ort herumgefahren oder zur Schule, heute stehen stattdessen Videospiele und Fernsehen im Vordergrund“.

Die Hauptursache sieht er jedoch bei den Familien. Die Schulen könnten nicht auch noch ausgleichen, dass die Kinder nicht mit dem Straßenverkehr vertraut werden. „Die Familien müssten viel mehr darauf achten, dass ihr Nachwuchs den richtigen Umgang lernt.“ Passend dazu wurde vor Kurzem eine repräsentative Forsa-Umfrage veröffentlicht. Demnach wird ein Fünftel der Grundschüler in Deutschland mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht. Zu Fuß seien etwa 43 Prozent unterwegs, mit dem Fahrrad zehn Prozent.

Bei Kindern, die selbst ihren Schulweg bewältigen, sei das Bewusstsein für eine Gefahrensituation im Straßenverkehr größer, bemerkte der ADAC.