Neckar-Odenwald

Prunksitzung der „Bedemer Hannmertli“ Tänze, Evergreens und Sketche in der Sporthalle / Moderator Sven Kirschenlohr mit seiner selbstbewussten Tochter Silja auf der Bühne

Selbst Trump schaute in „Bedje“ vorbei

Archivartikel

Bödigheim.Ein Jahr nach dem Wasserschaden führten die Narren der FG „Bedemer Hannmertli“ wieder die Prunksitzung in der traditionell für die Faschenacht genutzten Sporthalle durch. Kosten und Mühe waren nicht gescheut worden. Der neue Fußbodenbelag war unschwer zu erkennen. Die an der Bühne aufgerichtete Blitzersäule aus der Hauptstraße, entstanden unter der Regie von Andreas Egenberger, stellte eine gelungene Verbindung zum aktuellen Ortsgeschehen und dem von Claudia Kühner entworfenen und von Robert Kuhn gefertigten Orden her.

Die „Minis“ zum Start

„Die Zwei“ mit den Musikanten Klaus Bauer (Gesang und Gitarre) und Ralf Unangst (Keyboard) heizten mit Evergreens die Stimmung an. Neun Abordnungen aus der Umgebung wurden auf die Bühne gebeten und begrüßten mit dem Vorstand die Gäste, unter ihnen auch Ortsvorsteher Hermann Fischer und der Beigeordnete und Kämmerer Benjamin Laber sowie die Sponsoren und Ehrenmitglieder. Das Abendprogramm startete mit den „Minis“, der kleinen Garde. Den zehn Mädchen in ihren neuen Kostümen merkte man die Freude an ihrem ersten öffentlichen Auftritt deutlich an. Der Beifall der Zuschauer und der beiden Trainerinnen, Enken Kirmse und Lisa Neureuther, motivierte zur ersten Zugabe.

Der Kontrast zu den „Almbauern“ der Männergarde Hainstadt war augenfällig. Die im Vergleich zierlich wirkende Trainerin Michaela Büchler hatte in vielen Übungsstunden seit September eine homogene Truppe geformt. Waghalsige Hebefiguren und turnerische Übungen der „Heeschter“ ließen die Bühne erzittern. Die Trainerinnen der Minis hatten auch die Jugendgarde unter ihre Fittiche genommen. Das Resultat war ein schwungvolles „Corps de Ballett“. Mit dem Nachwuchs der Minis und der Jugendgarde verfügen die „Hannmertli“ derzeit über 26 Nachwuchskräfte, so dass in den kommenden Jahren auch wieder mit einer großen Garde gerechnet werden kann.

Erstmals auf der Bühne präsentierte sich dann Silja, die Tochter von Moderator Sven Kirschenlohr. Dieser hatte allerdings Mühe, auf der Bühne zu bleiben: Sein selbstbewusstes Töchterchen wollte einen Solauftritt. Nach einigen Kabbeleien zwischen Vater und Tochter bewältigte Silja ohne zu stocken die zungenbrecherische Geschichte von der „Rhabarber-Barbara“ und ihrem Rhabarber-Kuchen.

Eifersüchtig auf Alexa

Erstmals waren in Bödigheim die „Höhgoiker“ mit 22 Tänzern aus dem „fernen Nordosten des Landkreises“ mit einem lebhaften Schautanz zu Gast. Das junge Ehepaar Kirmsinger (Enken und Florian Kirmse) führte dann lebhafte Szenen eines Ehekrieges auf. Während sie wegen der Computerstimme Alexa eine heimliche Nebenbuhlerin befürchtete, meinte er, die (nicht sichtbaren) Hautfalten seiner geliebten Ehefrau könne und müsse man durch ein Bügeleisen beseitigen.

Nach dem Schautanz der besenbewaffneten „Heeschter Hexen“ hatten wieder einmal die Tänzer aus Seckach ein Heimspiel. Sie präsentierten sich als Jahrmarktakteure mit Glitzer, Einradfahrern und Auto-Scootern. Dann war es Zeit für den traditionellen Auftritt der Waschweiber, bei dem Florian Kirmse (am Samstag Vater Jürgen) und Sandra Rother merkwürdige und peinliche Geschichten aus der Dorfchronik wiedergaben. Wer hier erkennbar den Schaden hatte, spottete jeder Beschreibung. Die Hochzeit mit Hindernissen, der unfallträchtige Wellness-Urlaub und ein selbstständig fahrendes Auto lösten viel Gelächter aus. Auch die „Buchener“ bekamen ihr Fett weg, denn die lange beklagten „Schwitzwasser“ der Sporthalle fanden endlich ihre öffentliche Widerlegung.

Das Männerballett der „Hettemer Fregger“ überzeugte mit dem Schautanz „Waschbär goes Egypt“. Das Tanzmariechen Julia Hemberger hatte in Vorbereitung ihres Auftritts ohne Trainerin auskommen müssen, doch ihr Auftritt begeisterte dennoch die Zuschauer und sorgte für eine Zugabe. Neun „Golden Girls“ mit Stetson-Mützen und Holzfällerhemd, angekündigt als „Die jungen Mamas“ (Trainierin: Desirée Bischoff), nahmen dann auf der Bühne auf den Stühlen Platz und räkelten sich zur Musik.

Gastbeiträge zur Auflockerung

Drei Wortbeiträge aus Merchingen und Heidersbach (unter anderem Joggerin Jasmin Swoboda, Ehesklave „Tommy“ und der studierte Postbote Maximilian Maurer) lockerten dann die Serie der Tänze auf. Die restlos begeisterten Bödigheimer formierten sich zum Chor und stimmten den musikalischen Nonsense „Sandalen sind offene Schuh´“ an. „Kersche“ (Sven Kirschenlohr) versuchte dann, einen selbstverliebten Donald Trump (Günter Heckmann) zu verständlichen Aussagen für die Gründe seines Besuches im Odenwald zu bringen. Die Quintessenz: Um Bödigheim wird eine Mauer gebaut und im Ort wird eine Mautstation eingerichtet. Damit würde die Bewerbung von Trump als Landrat gefördert und Geld in die Kassen gespült.

„Wer hat an der Uhr gedreht“

Zum Höhepunkt des Abends sollte der Schautanz „Bedje“ werden. Eine drei Meter hohe Uhr mit Ziffern und Zeiger wurde auf der Bühne verankert. Das Grundgerüst hatte nach Vorstellungen der Truppe Dominic Betschel aus Edelstahl gefertigt, das riesige silberfarbene Ziffernblatt Esther Wörz genäht. Zu Schlagern wie „Wer hat an der Uhr gedreht“ und „Time goes by“ tanzten die 18 Mädchen in den stimmigen Kostümen und mit den passenden Requisiten. Die Trainerinnen Laura Weber und Selina Horsch dürfen sich schon jetzt auf einen Auftritt beim Turnier in Neckarelz (am 30. März) freuen.

Traditionell tritt das Männerballett in Bödigheim im letzten Programmpunkt auf und beschließt so den bunten Abend. In diesem Jahr gaben sich die Herren im bunten Dress und mit kurzen Hosen sportlich, doch auch ohne Kostümierung war der „Tanz der Schwergewichte“ im Schatten des tollen Bühnenbildes von Hans Mosch anstrengend und schweißtreibend genug. Erbarmen gewährte das Publikum nicht: Eine Zugabe wurde gefordert und sie wurde von den Männern und der Dompteuse Desirée Bischoff auch gewährt. BW