Neckar-Odenwald

Kreistagswahl 2019 Das Gremium wird größer / Zu den 42 regulären Sitzen kommen acht Ausgleichsmandate / AfD holt drei Sitze / Hohe Wahlbeteiligung

SPD und CDU mit deutlichen Verlusten

Archivartikel

Nach den Kreistagswahlen 2019 wird das Gremium größer sein – und es gibt neue Gesichter und Parteien.

Neckar-Odenwald-Kreis. Als erste Kommune hatte Osterburken seine Kreistagswahlergebnisse beim Landratsamt gemeldet; die Wahlkreise 2 (Buchen) und 3 (Adelsheim) waren schon am Montag gegen Mittag „komplett“. Doch es wurde später Nachmittag, bis nach einem langen Auszählmarathon in den Kommunen alle Daten vorlagen – Mosbach lieferte gegen 20 Uhr.

35 Prozent für die CDU

Das vorläufige Ergebnis nach eigener Berechnung – das Landratsamt lieferte keine Endergebnisse: Die CDU holt 35,15 Prozent (2014: 42,9 Prozent, die SPD 20,07 Prozent (25,1 Prozent), die Grünen 12,68 Prozent (10,1 Prozent), die Freien Wähler 21,41 Prozent (20,3 Prozent) und die FDP 2,97 Prozent (1,5 Prozent). Neu im Kreistag ist die AfD, für die 6,65 Prozent der Wähler und DCB 1,08 Prozent stimmten.

Durch die Verteilung der Stimmen auf mehr Gruppierungen als bisher und auch aufgrund teilweise sehr knapper Ergebnisse der Gewählten und ihrer Mitbewerber auf der jeweiligen Liste gibt es zusätzliche Ausgleichsmandate.

Das bedeutet, dass das Gremium größer wird. Bislang bestand der Kreistag aus 42 Sitzen plus vier Ausgleichsmandaten, im kommenden Gremium werden es acht Ausgleichsmandate sein.

Die Sitzverteilung sieht nun so aus: CDU 17 Sitze (bislang 20), SPD zehn Sitze (elf), Grüne sieben Sitze (fünf), Freie Wähler elf Sitze (neun) und die FDP einen Sitz wie bisher. Die AfD schickt einen direkt gewählten Kandidaten ins Gremium – Ralf Barwig aus Seckach, der im Wahlkreis Aglasterhausen antrat. Die Partei erhält zudem zwei Ausgleichsmandate (Tobias Eckert, Viktoria Martel), hat also drei Sitze. Die DCB erhält ebenfalls einen Sitz für Jürgen Schmeiser.

Achim Walter (FDP) kam wieder über ein Ausgleichsmandat in den Kreistag – das Ziel der Freien Demokraten, ein zweites Mandat zu erringen, wurde nicht erreicht.

Neuer Stimmenkönig im Landkreis ist Dr. Norbert Rippberger (6375 Stimmen), gefolgt von Roland Burger (6373 Stimmen), Georg Nelius (6230 Stimmen) und Alois Gerig (6001 Stimmen).

Auf einige vertraute Gesichter wird man im neuen Kreistag verzichten müssen. Allen voran Karl Heinz Neser, dienstältester Kreisrat und amtierender CDU-Fraktionsvorsitzender. Er hat es angesichts der starken CDU-Liste und des geschwundenen Wählerzuspruchs nicht ins Gremium geschafft. Ebenso erging es seinen Fraktionskollegen Eva-Maria Grimm und Bürgermeister Michael Jann.

Nicht mehr angetreten waren unter anderem Ravensteins Bürgermeister Hans-Peter von Thenen, Volker Mackert und Gerhard Lauth (alle CDU), ebenso Dorothee Roos und Georg Moser (Grüne).

Neu im Kreistag sind unter anderem Martin Brümmer (FWV) aus Osterburken, Sandra Röckel (CDU) und Hubert Kieser (FWV) aus Buchen, Daniel Modersohn aus Sennfeld und Anton Fleischmann aus Mudau (beide Grüne) sowie Bürgermeister Martin Diblic (FWV) aus Billigheim und Bürgermeisterin Sabine Schweiger (CDU) aus Aglasterhausen. Sie verstärken die ohnehin schon schlagkräftige Riege der bislang zwölf Rathauschefs im Kreistag, so dass die Kommunen auch weiter eine gewichtige Lobby haben werden. Durch die Ausgleichsmandate kommen weitere neue Gesichter dazu.

Der Frauenanteil liegt bei elf Kreisrätinnen und 50 Sitzen bei gut 20 Prozent.

Schon nach dem Bekanntwerden der Europawahlergebnisse war klar, dass auch die Kommunalwahlen mit einer starken Wahlbeteiligung glänzen würden: 70304 der insgesamt 117 556 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, das sind etwa 59,8 Prozent – nach FN-Berechnung, denn ein endgültiges Ergebnis lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor. Das entspricht einer beeindruckenden Steigerung um über sieben Prozentpunkte gegenüber 2014, wo nur 52,3 Prozent zur Wahl gingen.

Dass auch bei diesem Urnengang wieder 2070 Stimmzettel ungültig waren, kann nicht ausschließlich als Indiz für bewusste Verweigerung gewertet werden – das Wahlsystem ist und bleibt kompliziert.