Neckar-Odenwald

Bundesweiter Aktionstag Bäckereien im Neckar-Odenwald-Kreis machen ihre Kunden heute auf mögliche Gefahren bei Glücksspielen hin

„Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte!“

Archivartikel

Neckar-Odenwald-Kreis.In mehr als 50 000 Bäckertüten mit dem Slogan „Spielsucht? Kommt mir nicht in die Tüte!“ werden heute im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis die Einkäufe der Kunden eingepackt. Mit dieser Aktion anlässlich des Aktionstags gegen die Glücksspielsucht will die Suchtkoordinatorin des Kreises, Angelika Bronner-Blatz, zusammen mit den Obermeistern der Bäckerinnungen Mosbach und Buchen, Friedbert Englert und Peter Schlär, sowie den innungsangehörigen Bäckereien die Bevölkerung auf das Suchtpotential von Glücksspielen aufmerksam machen. Der bundesweite Tag wird von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und den Landesfachstellen für Glücksspielsuchtprävention organisiert.

„Für die Innungsbäckereien ist die Teilnahme an dieser Aktion selbstverständlich. Und auch das Landesgesundheitsamt, das die Bäckertüten zur Verfügung stellt, war hocherfreut über das große Engagement in unserem Kreis“, sagte Bronner-Blatz bei der Vorstellung in Mosbach. Etwa 0,6 Prozent der 16- bis 70-Jährigen in Deutschland zeigen nach aktuellen Repräsentativerhebungen ein problematisches Glücksspielverhalten. „Das bedeutet rein statistisch gesehen, dass wir in unserem Kreis mit gut 600 Personen mit dieser Vorstufe zur Spielsucht rechnen müssen“, so Bronner-Blatz.

Von Spielsucht oder auch von pathologischem Glücksspielverhalten, spreche man dann, wenn ein Mensch unfähig ist, dem Impuls zum Glücksspiel zu widerstehen, ohne Rücksicht auf mögliche gravierende Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld.

„Bundesweit gehen wir von 180 000 spielsüchtigen Menschen aus. Dazu kommen die Angehörigen, die sowohl von einem problematischen Glücksspielverhalten, als auch von einer Suchtproblematik mitbetroffen sind“, so Bronner-Blatz weiter.

Automaten das Hauptproblem

„Probleme mit Glücksspiel heißt im Neckar-Odenwald-Kreis in erster Linie Probleme mit Geldspielautomaten“, bestätigt Karl Pfeil, Leiter der Beratungsstelle für Suchtprobleme des baden-württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation im Kreis. Andere Formen des Glücksspiels seien zwar auch ein Thema, jedoch nur in untergeordneter Form. „Suchtprobleme im Umgang mit Glücksspiel rücken immer mehr in den Fokus unserer Arbeit“, so Pfeil weiter.

Es sei ein schleichender Prozess gewesen, berichtet ein Betroffener aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, der als Jugendlicher mit dem Spiel am Glücksspielautomaten begonnen hatte. Zunächst spiele man nur, um mit Gleichaltrigen Spaß zu haben. Irgendwann seien dann die sozialen Kontakte nicht mehr wichtig gewesen. In einer Art Zweisamkeit mit dem Automaten, isoliert von der Außenwelt, habe es ihm sogar großen Spaß gemacht, an vier bis fünf Automaten gleichzeitig zu spielen. „Das ist eine von vielen Geschichten, die so oder ähnlich ablaufen“, betont Pfeil. Seit 2015 habe sich die Anzahl der Menschen, die mit Spielproblemen in der Beratungsstelle nachgefragt haben, stetig erhöht. „Neben Alkohol-, Opiat- und Cannabismissbrauch ist das pathologische Glücksspiel zwischenzeitlich die vierthäufigste Problemstellung in unserer Beratungsarbeit.“