Neckar-Odenwald

Jagsttalbühne Premiere von „Agatha Christies Hobby ist Mord“ ist am 23. Juni im Freilichtheater

Sterben oder gestorben werden

Möckmühl.Die Jagsttalbühne Möckmühl spielt dieses Jahr im Freilichttheater die Komödie „Agatha Christies Hobby ist Mord“ von Florian Battermann.

Der arme Junge. Was hat er denn? Er ist so verzweifelt, und das darf er nicht zeigen. Nicht so richtig, jedenfalls. Denn nur das Publikum darf bemerken, dass sich da im Dunkel seiner Seele ein Geheimnis versteckt. Die Schauspieler des Dutchess Theaters dürfen es auf keinen Fall bemerken.

Zufrieden mit der Leistung

„Dominik, das ist schon gar nicht schlecht,“ lobt der Regisseur den jungen Schauspieler. Alexander Lademann sitzt in diesem Jahr bei der Jagsttalbühne zum ersten Mal auf dem Regiestuhl. Eine Woche vor der Premiere ist er ziemlich zufrieden mit der Leistung seiner Truppe.

Sie machen es gut, denn die meisten von ihnen machen es schon ziemlich lange. So wie Bernd Strässer, der sich nach einer Spielpause erneut überzeugen ließ, dass nur er der geeignete Darsteller für diesen Edward Cassell ist.

Er muss rauchen und trinken – nicht so richtig natürlich – und er muss nervös sein, denn er spielt einen Regisseur, dessen Hauptdarsteller kurz vor der Premiere tot auf der Bühne liegt.

Eine Tragödie für das Dutchess Theater im London der 1950er Jahre. Ausgerechnet die Uraufführung des neuen Stückes von Agatha Christie scheint zu platzen.

Aber nicht, wenn sie, die große Dame des schwarzen Genres, auf der Bildfläche erscheint. Saskia Bleiwa ist bereits perfekt drin, in ihrer Rolle als Mrs. Christie. Sie denkt nach, kombiniert, zieht Schlüsse und das alles in einem ziemlich warmen Kostüm. Typisch englisch also, obwohl sich das Probenwetter eher südländisch gibt.

Englische Gelassenheit

Aber Bleiwa hat die englische Gelassenheit total verinnerlicht und wartet daher mit dem Schwitzen bis nach der Probe. Dafür ärgert sie momentan die Garderobiere Molly Preston (Rita Kuhn), indem sie einen Holzkringel nach dem anderen auf den Boden fallen lässt.

Rita Kuhn ist die Neue in der Crew. Sie darf ihren Putzfimmel so richtig ausleben. Mit Besen und Kehrschaufel bewaffnet, trotzt sie den Fragen der nervigen Alten auf ihre ganz spezielle Art und Weise.

„Rita, bitte versuche deine Aktion so zu timen, dass sie deine Meinung verstärkt. Heißt: Im Anschluss und nicht zeitgleich, sonst verwischt der Effekt.“ Alexander Lademann hat in Britta Deeg eine aufmerksame Assistentin.

Multitalent

Und die ist wichtig, denn der Badener gibt es sich dieses Jahr gleich dreifach. Neben seinem neuen Amt als Regisseur, bricht er zu Anfang der Krimikomödie als Stanley West tot zusammen, um danach als Max Mallowan und Ehemann der Queen of Crime erneut in Erscheinung zu treten.

Das Multitalent ist der Ansicht, dass das alles lediglich deshalb funktioniert, weil seine Mitspieler so gut zusammen spielen.

Gerade schluchzt die Witwe Sylvia West (Anita Ludwig) ihren Kummer um den toten Gatten todtraurig von links nach rechts. „Die Taschentücher kannst du auch einfach fallen lassen,“ kommt es von den Stühlen gegenüber. Gesagt und umgesetzt und gleich darauf zieren hübsche bunte Tupfer die Kulisse.

Ja, was war das denn nun? Starb Stanley West jetzt eines natürlichen Todes oder wurde er umgebracht, wie es seine Witwe ebenso ausdauernd wie verzweifelt behauptet? alu