Neckar-Odenwald

Streben sich nach Ruhm?

Vermutlich würden die meisten auf diese Frage mit „Nein!“ antworten. Ruhm – das war gestern. Bei den alten Griechen ging es bei den Olympischen Spielen um Ruhm und Ehre. In unserer deutschen Geschichte wurden diese Begriffe im Dritten Reich sehr hochgehalten und für die Ideologie der Nazis instrumentalisiert. Aber heute?

Heute bei uns, so nehme ich das wahr, streben viele nach Erfolg und Anerkennung. Dabei geht es gewiss vielen nicht nur um Geld. Sie wollen mit dem, was sie tun und was sie zustande bringen, wertgeschätzt werden. Ob am Arbeitsplatz, beim Verein oder in der Kirche: Wer sich einbringt, will auch wahrgenommen werden und hört auch gerne ein Lob beziehungsweise ein Dankeschön. Niemand von uns würde in diesem Zusammenhang von Ruhm reden. Und doch haben diese Begriffe wie Ruhm einerseits und Wertschätzung und Anerkennung andererseits etwas gemeinsam. Sie geben uns das Gefühl, wichtig zu sein, und in unserem Leben etwas Sinnvolles zu tun. Das ist aus heutiger Sicht absolut verständlich und wohl für jeden nachvollziehbar.

Der Prophet Jeremia hatte dennoch einen völlig anderen Ansatz: „So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne.“ (Jeremia 9,22+23)

Jeremia sieht in Weisheit, Stärke und Reichtum – und wir könnten fortfahren: in Erfolg, Ansehen und Wertschätzung – menschliche Dinge, die uns schnell zu übertriebenem Egoismus, Hochmut, falschem Stolz verführen können. Dinge, die uns denken lassen, wir wären besser als andere oder die uns dazu bringen, auf andere herabzusehen. Dabei verlieren wir schnell die Bodenhaftung und nehmen uns viel zu wichtig. Jeremia weiß, dass wir und unser Ruhm schnell vergehen, dass das, was wir leisten, vergänglich ist. Deshalb setzt er sein Vertrauen nicht auf Erfolg und Anerkennung. Sondern er weist auf Gott: Gott allein gebührt Ruhm und Ehre. Und wer klug ist, erkennt das auch und fasst sich in Demut. Der sieht, wie klein er selbst im Vergleich zu Gott ist. Und wer nicht zu sehr auf sich sieht, der hat auch Augen für andere Menschen mit ihren Bedürfnissen. Der hat Augen für die Mitmenschen, die auch Anerkennung und Lob brauchen. Ich bin überzeugt davon, dass es unserem Miteinander in unserer Gesellschaft sehr guttäte, wenn wir bescheidener wären in unseren eigenen Ansprüchen und großzügiger bei der Wertschätzung der anderen um uns herum – damit gäben wir Gott die Ehre!

Rüdiger Krauth, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Adelsheim-Boxberg