Neckar-Odenwald

Katastrophenschutz Übung simulierte die Arbeit einer Notfallstation nach einem Unfall mit Austritt radioaktiver Strahlung / Vier Kreise waren beteiligt

Über 500 Einsatzkräfte probten Ernstfall

Landrat Dr. Achim Brötel war beeindruckt, wie bei einer Übung des Katastrophenschutzes in Wiesloch ein Rädchen ins andere gegriffen hat.

Wiesloch/Neckar-Odenwald-Kreis. Es war eine logistische Herausforderung, über 500 Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes für eine Übung in Wiesloch zu koordinieren. Dass sie am Ende gelungen war, bescheinigte Prof. Hermann Schröder, Leiter der Abteilung Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement im Innenministerium: „Das Zusammenspiel aller Beteiligten hat gut funktioniert.“

Am Zentrum Beruflicher Schulen Wiesloch übten die Katastrophenschutzorganisationen der Stadtkreise Heidelberg und Mannheim sowie des Neckar-Odenwald- und des Rhein-Neckar-Kreises, wie sie im Ernstfall eine Notfallstation gemeinsam betreiben würden.

Kommt es in einem Kernkraftwerk oder beim Transport radioaktiver Stoffe zu einem Unfall mit Freisetzung radioaktiver Stoffe, kann es erforderlich werden, die Bevölkerung und die Einsatzkräfte in einer Notfallstation auf eine eventuelle radioaktive Kontamination zu untersuchen und erforderlichenfalls zu reinigen. Anzahl und Standorte dieser Stationen würden vom zuständigen Regierungspräsidium festgelegt. Mit Aufbau und Betrieb würden die unteren Katastrophenschutzbehörden beauftragt.

Dort sollen Betroffene nach einem Unfall mit radiologischen Stoffen auf eine mögliche Kontamination hin mit geeigneter Messtechnik überprüft werden. Neben der Registrierung dieser Personen geht es in der Station unter anderem um erste Dekontaminationsmaßnahmen (Duschen und Waschen), um eine strahlenmedizinische Beratung und um eine psychosoziale Notfallversorgung.

Die Übung in Wiesloch wurde erstmals nach den bundesweit gültigen Vorgaben durchgeführt, die nach den Ereignissen von Fukushima neu gefasst wurden. Sie hatte Pilotcharakter für Baden-Württemberg und dauerte den ganzen Tag.

Die Notfallstation am Zentrum beruflicher Schulen des Rhein-Neckar-Kreises in Wiesloch haben rund 100 Übungsdarsteller durchlaufen. Um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, wurde für jeden eine persönliche radiologische Historie erarbeitet. Hieraus resultierten unterschiedliche Wege und Kontrollmessungen. Das Spektrum reichte von sofortiger Entlassung, weil die Person unbelastet war, über verschiedene Stufen der Dekontamination – vom einfachen Händewaschen bis hin zur Beratung durch einen Strahlenschutzarzt.

Prof. Schröder vom Innenministerium betonte, warum diese Übung notwendig war: „Die Ausstattung des Katastrophenschutzes in den Stadt- und Landkreisen befindet sich auf einem hohen Niveau. Es ist jedoch nicht damit getan, eine gute Ausrüstung zu haben. Im Ernstfall müssen die Menschen auch damit umgehen können – und dazu sind solche Übungen unerlässlich. Deshalb danke ich insbesondere den vielen ehrenamtlichen Kräften, die an der Übung mitgewirkt haben“.

„Niemand plant zu versagen, aber viele versagen beim Planen“, so der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, und sagte weiter: „Wenn es tatsächlich zu einem kerntechnischen Störfall oder einer vergleichbaren Situation käme, könnten wir es uns aber schlicht und ergreifend gar nicht leisten zu versagen.“

„Deshalb müssen wir dafür entsprechende Vorsorge treffen. Für mich war es jedenfalls sehr beeindruckend zu sehen, wie bei dieser Übung wirklich jedes Rädchen ins andere gegriffen hat.“

„Der Rhein-Neckar-Kreis, der Neckar-Odenwald-Kreis, sowie die Städte Mannheim und Heidelberg sind im Falle eines Falles hervorragend aufgestellt“, lobte Brötel. „Trotzdem gilt aber natürlich auch hier: Jede Übung ist tausend Mal besser als ein einziger Ernstfall“.

Unter den über 500 Übungsteilnehmer waren rund 200 Einsatzkräfte aus verschiedenen Fachdiensten, Organisationen und Behörden der vier beteiligten Gebietskörperschaften sowie des Landes Baden-Württemberg und des Bundes.