Neckar-Odenwald

Wollt Ihr?

Archivartikel

Wir wollen es. Am heutigen Weißen Sonntag erneuern die Erstkommunikanten das Taufversprechen, das die Eltern für sie bei ihrer Taufe gegeben haben.

Ich erinnere mich noch, dass an die Kinder die Frage nicht immer so formuliert wurde oder wird: „Glaubt ihr…?“, sondern eher: „Wollt ihr…?“

Dabei wird erfragt, ob die Kinder nach dem Glauben an Gott, im Vertrauen auf Gott und in der Gemeinschaft der Kirche leben wollen. Eltern, Paten und die ganze anwesende Gemeinde hören diese Fragen und die teils zaghaften, teils kräftigen Antworten der Kinder mit: „Wir wollen es!“

Mich berührt es, wie da die Kinder stellvertretend für uns Fragen beantworten, die auch an uns gestellt sind. Es ist da unser Glaube angefragt. Und jetzt an Ostern sind es gerade die Fragen: „Glaubst Du an Gott?“, „Glaubst Du an die Auferstehung Jesu?“, „Glaubst Du, dass auch Du auferstehen wirst?“, „Willst Du, dass Dein Leben jetzt schon von diesem Glauben geprägt ist?“

In diesem Jahr wurde ein Buch von Andrea Schwarz wieder neu aufgelegt: „Eigentlich ist Ostern ganz anders.“ Eine Seite daraus möchte ich hier wiedergeben: „Auferstehung . . . das ist nur möglich mit uns und nicht gegen uns.

Wie will einer auferstehen, wenn wir ihn nicht auferstehen lassen? Wie will uns einer zum Leben rufen, wenn wir nicht wollen?

Wie will uns einer einladen zum Aufstand gegen den Tod, wenn es uns egal ist?

Wie will uns einer für das Leben begeistern, wenn wir uns zufriedengeben mit dem, was ist?

Wie sollen wir leben, wenn wir den Tod nicht achten? Und wie sollen wir werden, wenn wir nicht sind?“

Meine Anregung hierzu: Hören wir diese Fragen auf dem Hintergrund unseres eigenen (Glaubens-)Lebens. Hören wir sie im Blick auf die Kirche, wie wir sie heute erleben und deren Glied Sie vielleicht doch selbst sind.

Hören wir sie auch auf dem Hintergrund unseres Zusammenlebens mit Menschen anderer Religion – und mit Menschen ohne Glauben.

Dass wir Antworten geben könnten, die aus österlicher Freude, Hoffnung und Kraft kommen, das wünscht Ihnen und mir von Herzen.

Werner Bier; Pfarrer i. R., Waldhausen