Neckar-Odenwald

Zeit für Mut – das tut gut

Die Luft ist raus, das Spiel ist aus, das Glas ist leer, ich mag nicht mehr.

So fühlen sich wohl manche am Ende eines anstrengenden Arbeitstages oder wenn mal wieder das Leben stressig geworden ist und einem alle Kräfte nimmt. Und wenn dann der Sommer mit heißen Tagen dazu kommt, wird es noch anstrengender.

Ähnlich ging es auch den Jüngern Jesu, die er ausgeschickt hatte, dass sie zu den Menschen gehen und die Botschaft Gottes verkünden. Da war viel los, zu viel. Die Leute kamen und gingen, so dass sie nicht einmal Zeit fanden, etwas zu essen. Als sie dann wieder bei Jesus waren, erzählen sie ihm davon. Jesus merkt, dass sie wie ausgebrannt sind. Er lädt sie deshalb ein: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! (Mk 6,31a) Das ist Balsam für die Seele. Endlich ist da einer, der merkt, wie es ihnen geht. Er tritt ihnen nicht mit neuen Forderungen entgegen. Er spricht nicht davon, was noch alles zu tun wäre. Das tut richtig gut. Sie sind menschlich aufgefangen und aufgehoben bei ihm. Das spüren sie jetzt und sie schöpfen neue Kraft und neuen Mut.

In dem, wie Jesus hier mit den Jüngern umgeht, wird Gottes Art, mit den Menschen umzugehen, sichtbar. Gott sieht auf die Menschen, er weiß wie das Leben manchmal anstrengend sein kann. Und deshalb hat er nicht nur die Tage der Arbeit geschaffen, er hat auch die Zeit der Ruhe eingebaut, den Sabbat, den Tag ohne Geschäft und mit der Zeit, die für den Menschen und für mehr Menschlichkeit da ist.

Diese Wirklichkeit können alle spüren, die heute stressgeplagt durchs Leben gehen. Es gibt viele kleine Schritte, die uns dabei helfen. Gerade die Sommerzeit lädt dazu ein, immer mal wieder raus zu gehen, die Natur zu bestaunen und wahr zu nehmen, was uns da Großartiges geschenkt ist. Und wer die Einladung Jesu annehmen will, kann gerne zu ihm kommen, mal in eine Kapelle oder Kirche gehen und einfach bei ihm sein. Das ist die Zeit, in der man spüren kann, wie gut es tut, wenn einer da ist, der einem versteht und nicht mit neuen Forderungen kommt. Manchmal genügt es auch, die Gelassenheit des Sommers und der Ferienzeit zu genießen, indem ich mir die Zeit nehme, die Dinge wahrzunehmen, die mir begegnen. Das können spielende Kinder sein, die froh und vergnügt auf der Straße mit Kreide ein Bild malen. Das kann der Whats-App-Gruß eines lieben Menschen sein, der an mich denkt. Das kann ein Schmetterling sein, der vorbeiflattert und in den schönsten Farben glänzt.

In diesen kleinen Dingen steckt Großes, denn sie tun gut und schenken neuen Mut. Das ist bei Jesus inclusive wenn er einlädt: Kommt zu mir und ruht ein wenig aus.

Pfarrer Stefan Schaaf, Mosbach