Niederstetten

Tierhaltung Auf dem Balbachhof lebt einer von nur zwei in Freiheit geborenen Mustanghengsten in ganz Baden-Württemberg

Anständig, trittsicher und klar im Kopf

Archivartikel

Der Balbachhof in Anhausen nahe Wolpertshausen ist einer von nur drei Pferdehöfen in Deutschland mit einer Mustangzucht. In ihrer amerikanischen Heimat schweben die Pferde in Gefahr.

Anhausen. Spirit“ bedeutet so viel wie „Geist“ oder „Seele“. Als der junge Mustang mit diesem zauberhaften Namen im Sommer 2014 aus Texas auf die „Crazy Animal Ranch“ nach Anhausen (Landkreis Schwäbisch Hall) kam, hielt dort tatsächlich ein inspirierender Geist Einzug. Das Wildpferd ist bis heute einer von nur zwei in Freiheit geborenen Mustanghengsten in ganz Baden-Württemberg ist.

Inzwischen ist allerlei geschehen: Die Ranch auf dem Balbachhof hat sich zu einer erfolgreichen Mustangzucht entwickelt. Sieben Mustangs galoppieren mittlerweile über die Wiesen des kleinen Talweilers zwischen Bühler und Schwarzlachenbach.

Stolzer Vater

Die vier Stuten stammen ebenso wie Hengst Spirit aus amerikanischen Adoptionszentren. Apega, der neueste Zugang, verwandelte sich 2017 unter Anleitung eines erfahrenen, deutschen Trainers für das „Mustang Makeover“ in Aachen von einem wilden in ein mildes Mädchen. Seit einigen Monaten gibt es die ersten Mustangs, die Anhausen als Geburtsort im Pass stehen haben: Am 5. Juni 2017 wurde Spirit an ein und demselben Tag stolzer Vater zweier entzückender Stutenfohlen: Mirana ist die Tochter einer Mustang-„Leihmutter“, Dancing Clouds Mutter Miss Kay lebt mit Spirit und den beiden Fohlen auf der „verrückten“ Ranch.

Die Mustangs teilen sich den großzügigen, hellen Stall und die weiten Weideflächen freundschaftlich mit einem Norweger, einem Araber und zwei Shetlandponys.

„Mustangs sind anständig, klar im Kopf, trittsicher und sehr menschenbezogen“, zählt Hofeigentümerin und Züchterin Claudia Roth nur ein paar der vielen guten Eigenschaften ihrer Pferdelieblinge auf. „Sie haben gerade Beine, gute Hufe und einen korrekten Körperbau – man merkt einfach, dass bei ihrer Entwicklung der Mensch die Hand nicht im Spiel hatte.“ Die legendären Wahrzeichen für Freiheit und Ungezähmtheit stehen in den USA seit 1975 unter Schutz. Jetzt schweben sie genau dort in Lebensgefahr.

Ein Jahr lang musste Claudia Roth nach der Ersteigerung bisher warten, bevor ihre Mustangs Pässe bekamen und die USA verlassen durften. „Der Preis für eine Adoption ist sehr niedrig, und es sollte verhindert werden, dass die Tiere in Schlachthöfen enden.“ Diese Sicherheitsvorkehrungen will die amerikanische Regierung zum Entsetzen von Tierschützern nun kippen.

„Für viele Amerikaner haben diese frei lebenden Mischungen spanischer Pferderassen in etwa den Stellenwert wie verwilderte Straßenhunde in Rumänien oder Griechenland“, erklärt Claudia Roth die Hintergründe, „die Rancher sehen die Wildpferde als Plage, die den Weidegrund ihrer Rinder bedrohen.“ Um die 50 000 Mustangs streifen nach offiziellen Angaben frei über die Prärie, weitere 50 000 Tiere – Tendenz steigend – leben in den Adoptionscamps.

Wer einen der bedrohten Mustangs bei sich aufnehmen möchte, dem ist Claudia Roth gerne bei der Adoption und dem Transport behilflich.

„Können ja nicht alle behalten“

Angst vor einem unberechenbaren, scheuen Wildpferd müsse dabei niemand haben: „‚Mustang‘ heißt in der Indianersprache zwar ‚ungezähmt‘, aber die Pferde kommen von Trainern in den USA, je nach Alter halfterführig oder weiter ausgebildet, nach Deutschland.“

Dancing Cloud wird den Ort Anhausen demnächst verlassen: Die neugierige junge Stute startet eine Karriere als Therapiepferd auf einem Reiterhof im österreichischen Feldkirchen.

„Wir werden sie vermissen, aber wir können ja nicht alle behalten“, seufzt die Züchterin. Schließlich soll es bald neuen Nachwuchs auf der Ranch geben. Spirit und Miss Kay hätten jedenfalls nichts dagegen einzuwenden. bes