Niederstetten

45 Jahre Vorbachtaler Musikanten Langjährige Mitglieder ausgezeichnet / Franz Braungart und Rudi Mittnacht seit 60 Jahren aktiv

Blasmusik in all ihren Facetten präsentiert

Drei Tage lang stand die Blasmusik in Niederstetten im Mittelpunkt und begeisterte zahlreiche Menschen. Die Vorbachtaler Musikanten feierten auf dem Festgelände ihr 45-jähriges Bestehen.

Niederstetten. Durch das ganze Städtchen bis zur Sperrlohe hinauf dringen sie hindurch: die mächtigen und beeindruckenden Klänge von über 200 Instrumentalisten. „Biker machen Blasmusik“ hieß das Spektakel, das sich in der großen Halle auf dem Niederstettener Frickentalplatz zwei Tage lang abspielte und vom hiesigen Musikverein ausgerichtet wurde (wir berichteten).

Mit einem traditionellen Bieranstich durch die Vorbachtaler-Vorsitzende Susanne Martens und dem „Frontmann“ der Biker, Ralf Denninger, wurde das Festwochenende eröffnet. Für die gute Stimmung sorgte dabei die „Egerländer Mafia“, die sich aus einzelnen Musikern der Biker zusammensetzt.

Am nächsten Abend hieß es dann „Bühne frei“ für die Biker. Deren Begeisterung kam voll durch und übertrug sich schnell auf die voll besetzte Frickentalhalle. Stehende Ovationen und langanhaltender Applaus waren der Dank für einen wahrhaftigen Ohrenschmaus. Die Trachtenkapelle Bieberehren sorgte im Anschluss für den musikalischen Ausklang des Abends.

Festgottesdienst

Der Sonntag stand schließlich ganz im Zeichen des gastgebenden Vereins selbst. 45 Jahre gibt es die Vorbachtaler Musikanten schon, und wie könnte es da besser passen, als dieses Jubiläum an das Blasmusikfestival anzuschließen?

Ein Festgottesdienst mit Pfarrer Silzle eröffnete den Jubeltag, welchen bereits eine kleine Besetzung der Vorbachtaler musikalisch umrahmte. Im Anschluss gab es ein Weißwurstfrühstück, bevor gegen Mittag die Bläserklassen und das Jugendorchester unter Leitung von Musikschulleiter Andreas Straßer aufspielten.

Um 14 Uhr betrat der Jubelverein schließlich selbst die Bühne. Eröffnet wurde das Konzert durch den allseits bekannten „Fliegermarsch“, bevor Vorsitzender Matthias Döhler die Gäste willkommen hieß.

Dirigentenstab übergeben

Verbunden mit einer eigenen Erfahrung im „17. Bundesland Deutschlands“ leitete er über zum nächsten Stück, den „Himmelblauen Augen“, und verwandelte damit den Frickentalplatz für einen kurzen Moment in den Ballermann von Mallorca.

Anschließend nahm Susanne Martens die angekündigte Dirigentenstabsübergabe vor – doch eine Übergabe an sich war es nicht wirklich. Da sich der Musikverein in der glücklichen Lage befinde, so Martens, sich gleich zweier Dirigenten bedienen zu dürfen, galt ihr Dank zunächst Matthias Döhler, der in der Zeit der „Vakanz“ kommissarisch den Dirigentenstab führte und auch das Konzert am Dirigentenpult eröffnete.

Hauptamtlich wird dieser Job nun von dem Mittelfranken Oliver Hummel ausgeführt, der bereits seit Mitte März die Probenarbeit übernommen hatte. Susanne Martens hieß ihn in Niederstetten willkommen und zeigte sich stolz, nach nur drei Monaten gemeinsamer Arbeit gleich ein Konzert unter seiner Leitung präsentieren zu dürfen. Feierlich bekam Oliver Hummel den Dirigentenstab überreicht, in dessen Zug ihm Susanne Martens „freien Raum“ gewähre, seine musikalischen Vorlieben auszuleben. Was könnte daraufhin passender sein, als Hummels Eröffnungsstück „Apertum“, das sich mit „freier Raum“ ins Deutsche übersetzen lässt. Für die Zuhörer war bereits nach den ersten Takten zu erkennen: Die Harmonie zwischen Dirigent und Musikverein stimmt.

Mit der Rovanka-Polka, dem Böhmischen Gold und der Laubener Schnellpolka brachten die Vorbachtaler Musikanten im weiteren Verlauf ganz gegensätzliche böhmisch-mährische Stücke zu Gehör. Jedes Tempo und jede Lautstärke war in diesen Werken vertreten: vom langsam schwebenden Piano der Flöten bis hin zum donnernden Forte der tiefen Blechblasinstrumente. Durch das Programm führten übrigens die aktiven Musiker selbst, die eigens charmante Moderationen vorbereitet hatten.

Besondere Ehrung

Unter die Frage „Braucht es eigentlich überhaupt einen Dirigenten?“ stellte Bürgermeisterin Heike Naber ihr Grußwort.

Sogleich beantwortete sie diese Frage mit „Ja natürlich!“ und freute sich, dass so schnell ein Nachfolger für das Dirigentenamt gefunden werden konnte. Für seine Arbeit mit den Vorbachtalern wünsche sie ihm alles erdenklich Gute.

Der Mars der Medici und die Morgenblüten-Polka schlossen sich an Nabers lebendiges Grußwort an, bevor mit dem aus Großbritannien stammenden „Highland Cathedral“ feierlich zu den Ehrungen übergeleitet wurde. Vorsitzende Susanne Martens freute sich, einige verdiente Mitglieder für ihre Leistungen auszeichnen zu dürfen. Besonders erwähnenswert ist dabei die Ehrung von Franz Braungart und Rudi Mittnacht. Schon vor der Gründung der Vorbachtaler Musikanten waren beide musikalisch engagiert und können so in diesem Jahr auf stolze 60 Jahre aktives Musizieren zurückblicken.

Äußerst selten komme solch eine beachtliche Würdigung vor, merkte der Vorsitzende des Kreisverbands Martin Dasing an, der extra wegen der Ehrungen gekommen war. Für die Vorbachtaler, so Susanne Martens, seien beide Musiker nicht wegzudenken. Sie dankte ihnen für ihre Zuverlässigkeit und ihre enorme Treue zum Verein.

Berührendes Solo

Eingeleitet durch ein berührendes Solo von Fabian Stier und Matthias Balbach ertönte im Anschluss die Polka „Von Freund zu Freund“, mit der schließlich der erste Teil des Konzerts zu Ende ging.

Nach Kaffee und Kuchen wurde die Pause durch den Marsch „Arsenal“ laut und deutlich beendet, der von Power und Dynamik geradezu strotzt. Mit „The Cream of Clapton“, „I do it for you“, „Bergwerk“ und „Hinterm Horizont“ ging es daraufhin wieder etwas ruhiger, dafür aber um einiges einfühlsamer und bewegender zu.

Die Moderation des abschließenden Stücks nahm Matthias Döhler schließlich zum Anlass, sich final bei allen Menschen zu bedanken, die zum Gelingen der gesamten Festlichkeiten beigetragen haben. Allen voran bat er Susanne Martens, Gabriele Wörner und Matthias Bromberger auf die Bühne, die federführend die Vorbereitung, Durchführung und insgesamt die Organisation übernommen haben. An Lobesworten sparte er dabei nicht, denn „kaum auszudenken, was sie in den letzten Tagen, Wochen und ja sogar Monaten alles geleistet haben.“

Zugaben

Mit Worten sei eine wahrhaftige Dankbarkeit laut Goethe ja nicht auszudrücken, doch sei dies, so Döhler, für einen Musikverein wohl kaum ein Problem, denn wo die Sprache aufhört, beginne ja bekanntlich die Musik. In diesem Sinne widmete er ihnen und allen Helfern als Dank kurzerhand das letzte Stück „Concerto d’Amore“.

Dem Wunsch nach zwei Zugaben kamen die Vorbachtaler mit „Wir Musikanten“ und dem „Flashdance“ gerne nach, bevor ein sowohl für Musikverein als auch für die gesamte Bevölkerung wohl unvergessliches Wochenende sein Ende nahm, das sicherlich noch lange nachhallen wird. mad