Niederstetten

Hohenloher Zentralarchiv in Neuenstein Ein spannendes Programm für das Winterhalbjahr 2019 zusammengestellt / Auftakt am 13. September

Das wilde Heer rast über die Hohenloher Ebene

Archivartikel

Neuenstein.Das Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein hat für das Winterhalbjahr 2019 wieder ein interessantes Programm zusammengestellt. Nachfolgend ein Überblick:

Freitag, 13. September, 19 Uhr im Zentralarchiv (Eintritt frei): Einführung: Geschichte vor der Haustür - ein Lehrgang für Orts- und Regionalforscher in Hohenlohe. Wer hat früher in meinem Haus gelebt? Wer hat eigentlich unsere Kirche erbaut? Was bedeutet das Wappen, an dem ich jeden Tag vorbeigehe? Wie sah unser Dorf im 19. Jahrhundert aus? Und wie erlebten die Einwohner die NS-Zeit?

Die Erforschung der Geschichte des Wohn-, Herkunfts- oder Heimatortes fasziniert viele Menschen, die in der Recherche und Publikation ihrer Ergebnisse ein leidenschaftlich gepflegtes Hobby finden. Ab Herbst 2019 bietet das Hohenlohe-Zentralarchiv den neu konzipierten Lehrgang „Geschichte vor der Haustür“ an. Er richtet sich an alle, die sich an der Orts- und Regionalgeschichtsforschung beteiligen möchten. Egal ob Greenhorn, Fortgeschrittener oder alter Archiv-Hase: in den Kursen, Seminaren und Vorträgen wird durch erfahrene Praktiker der regionalen Geschichtsforschung das Handwerkszeug vermittelt, das die eigene Recherche zum Erfolg führt.

Alte Schriften lesen lernen

Ulrike Marski beschäftigt sich am Mittwoch, 25. September, um 19 Uhr im Hohenloher Zentralarchiv mit der Frage „Wie verfasse ich eine Ortsgeschichte?“ Wer die Geschichte seines Wohnortes kennt, wird ihn im Alltag mit anderen Augen betrachten. Das gilt umso mehr, wenn man sich selbst auf das Abenteuer der Ortsgeschichtsforschung eingelassen hat und die Vergangenheit eines Ortes erforscht. Wie aber steigt man in diese Arbeit ein? Wie kann ein Forschungsprojekt zum Erfolg geführt werden?

Und wie gelingt es historischen Laien, eine lesenswerte und fachlich saubere Ortsgeschichte zu verfassen?

Ulrike Marski hat an zahlreichen regionalhistorischen Veröffentlichungen im Raum Hohenlohe und Schwäbisch Hall mitgewirkt und dabei häufig Formen der Zusammenarbeit mit „Greenhorns“ der Geschichtsforschung erprobt. Ihr Vortrag schöpft aus dem Erfahrungsschatz einer echten Praktikerin.

Dinah Rottschäfer M.A. ist am Samstag, 5. Oktober, von 9 bis 13 Uhr im Zentralarchiv zu Gast unter dem Motto „ABC für Zeitreisende – Ein kompakter Lesekurs für den Einstieg in das Entziffern historischer Handschriften“.

Wenn man eine alte Postkarte der Großeltern lesen will, den Vorfahren in uralten Kirchenbüchern nachspürt oder beginnen möchte, der Geschichte des eigenen Heimatortes auf den Grund zu gehen, stellt das Entziffern der alten Handschriften meist eine große Hürde dar. Im neuen, kompakten Lesekurs des Hohenlohe-Zentralarchivs soll ein erster Zugang zu historischen Schriften und Dokumenten geschaffen werden, damit die persönliche Reise in die Vergangenheit zum Erfolg wird. Das Angebot richtet sich explizit an Anfänger, die keine oder nur wenig Erfahrung im Lesen alter Schriften haben.

Stefan Antweiler hält am Donnerstag, 10. Oktober, um 19.30 Uhr im HZAN einen Vortrag über W. E. Scholz, Hofkapellmeister und Komponist am Hof des Fürsten August zu Hohenlohe-Oehringen.

Mit den 2016 erschienenen Ersteditionen der Instrumentalkonzerte des in Vergessenheit geratenen Komponisten W. E. Scholz rückt der Hofkapellmeister des Fürsten August zu Hohenlohe-Oehringen wieder in das Interesse der Musikwelt. So konnte schon im Oktober 2018 dessen Posaunenkonzert unter der Leitung des Dirigenten Walter Hilgers in La Plata in Argentinien zum ersten Mal wieder aufgeführt werden.

Wie seine Musik, so war auch die Biographie des Musikers bislang nur in wenigen Details bekannt: seine Tätigkeit am oberschlesischen Hof des Fürsten August zu Hohenlohe-Oehringen und sein Todesjahr 1866. Im Zuge der Erfassung sämtlicher Werke des Komponisten konnten nun jedoch wichtige neue Details zur Biographie des Künstlers W. E. Scholz ermittelt werden.

Das Referat gewährt interessante und faszinierende Einblicke in die Musikwelt des 19. Jahrhunderts.

„Anderswelten in Hohenlohe“

Jan Wiechert ist am Freitag, 8. November um 19 Uhr im HZAN mit einer Führung zum Thema „Anderswelten in Hohenlohe – eine gespenstische Themenführung“ zu erleben.

Gespenster und Feuermännlein treiben an manchem Ort ihr Unwesen, in den Raunächten rast das Wilde Heer über die Hohenloher Ebene, und wenn das Vieh ohne ersichtlichen Grund krepiert, kann schon mal der Teufel persönlich seine Hand im Spiel haben. Andererseits kann man sich die verborgenen Mächte auch zunutze machen und Diebe mit seltsamen Ritualen entlarven oder eine schwere Krankheit mit Segenszetteln abwehren.

Aberglaube und magisches Denken gehören fest zur Volkskultur Hohenlohes und haben ihren Niederschlag in zahlreichen Akten des Hohenlohe-Zentralarchivs in Neuenstein gefunden. Passend zum Thema präsentiert die neue Themenführung das Archiv im Schein von Taschenlampen und stellt teils schaurige, teils kuriose, aber auf jeden Fall spannende Quellen der hohenlohischen Überlieferung vor. Die Teilnehmer sollen sich warm anziehen.

Zwei fürstliche Schwestern

Axel Dittrich hält am Mittwoch, 13. November, um 19.30 Uhr im HZAN einen Vortrag zum Thema „Queen Victoria und Feodora zu Hohenlohe-Langenburg: zwei Schwestern im Europa des 19. Jahrhunderts“.

Am 24. Mai 1819 wird im Kensington Palace Prinzessin Alexandrina Victoria von Kent geboren. Ihre zwölf Jahre ältere Halbschwester Feodora, aus der ersten Ehe der Mutter, ist stolz und glücklich. Beide Schwestern pflegen zeitlebens ein enges Verhältnis.

Die Leben der beiden entwickeln sich auf unterschiedlichste Weise. Feodora, die ältere, heiratet 1828 den Fürsten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg und avanciert zur geschätzten, engagierten und mütterlichen Fürstin, Alexandrina besteigt 1837 als Königin Victoria den britischen Thron. Nach der einen wurde ein ganzes Zeitalter benannt, die andere ist heute fast vergessen.

Nach der St. Petersburger Reise im letzten Jahr begeben sich die Teilnehmer im Jahr des 200. Geburtstags von Königin Victoria auf eine Reise, die sie hinter die Mauern von Schloss Langenburg, Kensington und des Buckingham Palace blicken und mehr über die frühen Verbindungen des britischen Königshauses und der Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg sowie die tiefe Verbindung zweier Schwestern erfahren lässt.

Die magische Laterne

Jan Wiechert berichtet am Mittwoch, 4. Dezember, um 18 Uhr im HZAN über „Die magische Laterne: Historische Lichtspielerei zur Weihnachtszeit“. Die Laterna Magica ist der Urahn des modernen Kinos. Ob Märchen, Landschaftsbilder, exotische Tiere, Karikaturen, moderne Luftfahrzeuge oder gar Darstellungen kriegerischer Auseinandersetzungen: Der simple Projektor warf dem staunenden Publikum des späten 19. und 20. Jahrhunderts ganze Bilderwelten an die kahle Wand und eroberte die Kinderzimmer der Upper Class im Sturm.

Heute sind die Laternae und vor allem die empfindlichen Glasplatten mit den bunten Motiven begehrte Sammlerobjekte.

Jan Wiechert führt an diesem Abend in die Geschichte der Laterna Magica ein, wird aber vor allem mit historischen Modellen einige Highlights seiner privaten Sammlung vorführen.