Niederstetten

Leserbrief Zum Artikel „Teils umstrittenen Pfarrplan beschlossen“ (FN/TZ 23. März)

„Dialogbereitschaft ist in Kirchenleitung nicht zu spüren“

Archivartikel

Quo vadis Kirche ? Nun ist es amtlich. Die Bezirkssynode hat in vorauseilendem Gehorsam und ohne Not den Pfarrplan 2024 beschlossen. Ohne Not, denn es wären noch gut fünf Jahre gewesen, und bis zum Pfarrplan 2024 wird sich auch im Dekanat noch manches in der Pfarrbesetzung verändern, das eventuell neue Lösungen bringen könnte. Mit diesem Beschluss wurden die vakanten 50 Prozent der Pfarrstellen Adolzhausen und Oberstetten von der kirchlichen Landkarte entfernt, da sie angeblich nach mehrmaligem Ausschreiben nicht besetzt werden konnten. Hat man hier die Gunst der Stunde genutzt?

Mangelnde Attraktivität

Dass die Pfarrstellen Adolzhausen und Oberstetten nicht besetzt werden konnten, mag auch an der mangelnden Attraktivität liegen. Die Zusammenfassung dieser beiden Pfarrstellen war auch dem damaligen Pfarrer geschuldet, um diesem eine 100-Prozent-Stelle zu ermöglichen. Dass dieses Hilfskonstrukt schon aufgrund der räumlichen Entfernung keine Begeisterung bei einem Pfarrstellenbewerber auslöst, ist gut nachzuvollziehen.

Für die Mitglieder der Kirchengemeinde Oberstetten ist diese Pfarrstellenstreichung wie ein Schlag ins Gesicht und aufgrund der vorherrschenden Fakten nicht nachvollziehbar: Oberstetten gehört mit zu den größeren Kirchengemeinden im ländlichen Bereich im Dekanat Weikersheim. Seit über 1200 Jahren ist Oberstetten Pfarrstandort, zu dem auch früher Gemeinden wie Zell, Bovenzenweiler und zeitweise auch Schrozberg gehörten. Neben einer großen, in gutem Zustand befindlichen Kirche, die auch größere Feiern aufnehmen kann, gehört ein großes Pfarrhaus mit Nebenräumen zur Pfarrei.

Mit einem großen Garten versehen bietet es Platz auch für eine größere Pfarrfamilie. Oberstetten hätte also nachhaltig alle Voraussetzungen für eine Pfarrstelle.

Mit einer kurzfristigen Einladung zu einer Versammlung der künftigen Großgemeinde in Wildentierbach haben es die meisten Gemeindeglieder von Oberstetten erst mitbekommen, welche Maßnahmen da bereits beschlossene Sache sind.

Es wäre besser gewesen, die Gemeindeglieder schon vorher in einen Dialog einzubeziehen, anstatt sie vor quasi beschlossene Tatsachen zu stellen. Es gärt in der Kirchengemeinde Oberstetten und dass die heftigen Proteste der Bezirkssynode nicht einmal einer Diskussion wert waren, zeigt schon, wie weit man sich von der Gemeinde entfernt hat. Nun soll der Pfarrer von Wildentierbach die Oberstettener mit versorgen, obwohl er bereits eine 100- Prozent-Stelle hat und drei Gemeinden mit insgesamt acht Wohnplätzen zu versorgen hat. Er bemüht sich sehr, den Oberstettenern den Verlust der Pfarrstelle mit hohem persönlichen Einsatz auszugleichen.

Wer mag es einem jungen Pfarrer verdenken, wenn dieser nach Ablauf seiner drei Pflichtjahre bei so einem Arbeitsumfeld sich vom Acker macht und angenehmere Arbeitsbedingungen sucht.

So findet man auf jeden Fall keine Bewerber für eine ländliche Pfarrstelle. Es ist unbestreitbar, dass in einem Ort ohne Pfarrer die Gottesdienstbesucher weniger werden, und die weiteren kirchlichen Aktivitäten (Kinderkirche Jungschar, Bibelabende etc.) zusehends verkümmern. Wie will man da noch die Jugend an die Kirche heranführen?

So schafft man im Dekanat eine neue 50-Prozent-Pfarrstelle für Öffentlichkeitsarbeit/Tourismus, von der die Beschließenden selbst nicht wissen, was für Aufgaben hier zugeordnet werden sollen. Das hätte man gut auch dem Dekanat Amt zuordnen können.

Demokratie bedeutet auch Dialog und von einer Bereitschaft hierzu ist in der Kirchenleitung nichts zu spüren, denn in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen und steigender Geburtenraten sind die avisierten Maßnahmen für die Gläubigen einfach nicht nachvollziehbar. Mancher evangelische Christ fühlt sich in seiner Kirche nicht mehr daheim und sieht schon ein Horrorszenario – Pfarrhaus verkauft – vielleicht noch einmal im Monat Gottesdienst – der Pfarrer ein unbekanntes Wesen. Reaktionen sind nicht von der Hand zu weisen.

Die ersten Anzeichen sind schon da: Pfarrbüro in Adolzhausen, Kirchenpflege in Niederstetten, Pfarrer in Wildentierbach – durchdachte Maßnahmen sehen anders aus.

Anstatt auch im oberen Verwaltungsbereich einmal den Rotstift anzusetzen, wird nur die Basis zum Sparen verdammt.

Seit 66 Jahren haben wir ein Bundesland Baden- Württemberg, doch bei den Landeskirchen kocht jeder noch sein eigenes Süppchen.

Wenn die Finanzlage so eng ist, sollten auch Überlegungen eines Zusammenschlusses einbezogen werden.

Die Basis könnte mit einem Landesbischof auch ganz gut leben. Mit einer Verkürzung der Studienzeiten für Pfarrer und einer etwas niedrigen Eingangsbesoldung könnte vielleicht manches verbessert werden. Aber was das Volk denkt, interessiert auch in der Kirchenleitung niemand.