Niederstetten

102. Geburtstag gefeiert Der Musiker und Komponist Helmut Weigel blickt auf erfülltes Leben zurück

Die Musik ist sein Lebenselixier

ROTHENBURG.„Ein gutes Gefühl ist das, vor allem weil aus all meinen Ideen im Leben etwas wurde”, meinte Musikdirektor Helmut Weigel auf die Frage, wie er sich so fühle an seinem 102. Geburtstag. Den beging der erfolgreiche Musiker, Komponist und Dirigent im engen Familien- und Gästekreis und zeigte sich bemerkenswert fit.

„Überall, wo ich was Neues angefangen habe, hatte ich Erfolg“ freut sich der rüstige Jubilar. Die Liste seines musikalisch-künstlerischen Schaffens ist lang. In Rothenburg begründete er schon 1946 ein Sinfonieorchester, machte in den 50-er Jahren als Stadtkapellmeister von sich reden. Sein Lebenswerk aber schuf er dann ab 1964 in Heidenheim an der Brenz, wo man ihm letztlich die heutigen Opernfestspiele zu verdanken hat. Als Chefdirigent des Sinfonie-Orchesters leistete er überzeugende Pionierarbeit. Anstatt den Ruhestand zu genießen, kehrte der Musikdirektor 1986 nach Rothenburg zurück und initiierte die Reihe der klassischen Meisterkonzerte in der Reichsstadthalle. Erst im Alter von 85 Jahren reichte er dann 2002 den Dirigentenstab weiter. Dass Kunst und besonders die Musik jung halten, lässt sich an ihm und seiner geistigen Regheit leicht belegen. Mit den heutigen Musiktrends kann er wenig anfangen, aber umso mehr genießt er immer noch die großen Meister. „Jeden Tag höre ich Klassikkonzerte im Bayerischen Rundfunk” erzählt er. Dass seine Frau schon vor 14 Jahren verstorben ist, bleibt schmerzliche Erinnerung. Umso mehr bleibt ihm die Musik Lebenselixier und die Tatsache, dass seine beruflichen Erfolge bis heute fruchtbar sind und im Kulturleben Heidenheims und Rothenburgs nachhallen.

Auch wenn laut Statistik 14 000 über Hundertjährige in Deutschland leben, dürften sich nur wenige mit 102 Jahren noch solch guter Gesundheit erfreuen. Wie man es von ihm gewohnt ist, war der Künstler wieder ein geselliger Gesprächspartner, der dank gutem Gedächtnis munter aus einem ereignisreichen Leben schöpfen kann. Weigel: „Dafür bin ich sehr dankbar”. Die Gäste, darunter einige Urenkel, verabschiedeten sich zuversichtlich „bis zum 103. Geburtstag” – das aber hänge davon ab, „ob es der Herrgott so will”, schmunzelte der Jubilar. diba