Niederstetten

UEG Hohenlohe-Franken 2018 war ein schwieriges Geschäftsjahr für Schweine-Bauern / Preise für Ferkel und Mastschweine sehr stark rückläufig

Die Politik „versagt in Fragen der Haltung“

Archivartikel

Der Vorsitzende der UEG Hohenlohe-Franken in Niederstetten-Adolzhausen, Matthias Frieß, berichtet von einem sehr schwierigen Geschäftsjahr 2018 für die Schweinehalter.

Adolzhausen. Die Preise für Ferkel und Mastschweine waren sehr stark rückläufig. Allein die UEG Bauern hatten 17,5 Millionen Ertragseinbußen, was einem Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent entspricht. Damit seien vor allem die Ferkelerzeuger wieder in tiefrote Zahlen gerutscht.

Die Schweinehalter waren immer schon Preisschwankungen ausgesetzt, aber in dieser Größenordnung hat Frieß noch keine Preiseinbrüche erlebt. Die auch 2019 anhaltend niedrigen Schweinepreise lägen deutlich unter den Produktionskosten und führen zu enormen Substanzverlusten bei den Betrieben.

Ganz klar, dass sich viele Betriebe mit einer Aufgabe der Sauen- und Mastschweinehaltung beschäftigen um wirtschaftlich nicht total auszubluten. Zudem erleben die Betriebe ein totales Fiasko bei den Zukunftsfragen der Sauenhaltung.

„Total im Regen“

Die Politik lasse die Bauern „total im Regen stehen“ und schaffe keine vernünftigen Rahmenbedingungen. So sei keine praxisnahe Lösung bei der zukünftigen Ferkelkastration sichtbar. Das Bundesministerium favorisiere eine Narkose mit dem Betäubungsmittel Isofluran, das aber treibhausbelastend wirke und das Risiko einer Krebserkrankung für die Bauern mit sich bringe. Die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft lehnten die bisherigen Narkosegeräte aus diesem Grund ab. Eine lokale Betäubung lehne das Bundeslandwirtschaftsministerium ab, da anscheinend keine hundertprozentige Schmerzausschaltung gewährleistet sei.

Die dänischen Ferkelerzeuger wenden in Zukunft die lokale Betäubung bei der Ferkelkastration an und Deutschland importiert über 6,5 Millionen Ferkel aus Dänemark. Diese unterschiedliche Auffassung der politischen Entscheidungsträger kann der UEG-Vorsitzende nicht verstehen, „wollen wir doch in Europa eine Gleichbehandlung der Bauern erreichen“. Ohne Kastration werde es in Zukunft auch nicht gehen, da die Fleischqualität von Ebern nicht allen Anforderungen der Fleischvermarkter entspreche. Auch die Impfung gegen Ebergeruch wird nicht bei allen Abnehmern akzeptiert, obwohl sie am tierschutzfreundlichsten sei. So stehen die Ferkelerzeuger vor einem Dilemma.

„Da stellt sich doch klar die Frage, was hat die Politik mit den Bauern vor? Stellt sie sich hinter die Forderung von NGOs, die ein Prozent der Bevölkerung vertreten, es aber schaffen, die Medien für ihre fragwürdigen negativen Darstellung der Tierhaltung zu gewinnen und damit politischen Druck ausüben. Sinnvoll wäre es wieder zu einer sachlichen Diskussion zurück zu finden mit sinnvollen politischen Entscheidungen, wie sie in anderen EU-Ländern auch getroffen werden“, hieß es.

Vernünftige Regelungen erwarten die Ferkelerzeuger auch für die anstehenden Entscheidungen bei der Haltungsverordnung der Zuchtsauen. Matthias Frieß mahnte die Politik, dass sie die Ansprüche für die deutschen Schweinehalter nicht utopisch hoch halte und damit die Produktion verteuere. „Wir leben nicht auf einer Insel und wenn die Produkte aus dem Ausland kommen, weil sie billiger sind als bei uns, werden unsere Bauern aufhören müssen. Wollen wir das? Denn die politische Konsequenz fehlt, dass man den Lebensmitteleinfuhren aus dem Ausland den gleichen Standard vorschreibt. So inkonsequent ist die Politik.“ Die Landwirtschaft verschließe sich keiner tierschutzfreundlichen Produktion, wolle aber verständlicherweise keinen ungleichen Wettbewerb.

Heute würden die Landwirte als Subventionsempfänger verunglimpft, hadert UEG-Geschäftsführer Herbert Klein. Die Landwirtschaft habe zur positiven Lebensstandardentwicklung in Deutschland beigetragen. Die Ausgaben für Lebensmittel betragen nur noch zehn Prozent vom verfügbaren Einkommen der Bürger. 1950 wurden noch 50 Prozent ausgegeben. Die Produktivität sei den Bauern inzwischen auf die Füße gefallen. Sie produzieren die qualitativ besten Lebensmittel der Welt und würden dafür kritisiert. Die Politik habe die Bauern inzwischen von den Staatszuschüssen abhängig gemacht, denn ohne die Subventionen könnten die meisten Betriebe nicht überleben. Damit habe die Politik auch die Macht, Bauern immer mehr „unsinnige Auflagen“ zu machen, denn sonst drohe eine Kürzung der Zuschüsse. Herbert Klein bezeichnete die Entwicklung als „modernen Sklavenhandel“ und gesellschaftlich unwürdig einer Berufsgruppe gegenüber, die sieben Tage in der Woche arbeite und der Bevölkerung ausreichend gute Lebensmittel zur Verfügung stelle.

Wieder Betriebe aufgegeben

Die Entwicklung der UEG im Jahr 2018 zeige die Gesamtproblematik auf. Es haben wieder einige Betriebe die Schweinehaltung aufgegeben. Allein in den letzten 25 Jahren haben in Hohenlohe über 900 UEG-Ferkelerzeuger aufgehört, so dass nur noch 80 Betriebe übrig geblieben sind. Durch Ausweitung der Erfassungsgebiete nach Unterfranken und Ostalb, sowie inzwischen nach Ostdeutschland konnte der Umsatzrückgang einigermaßen aufgefangen werden, zeige aber die Problematik einer rückläufigen Wertschöpfung für den ländlichen Raum.

2018 wurden von der UEG noch 579 000 Ferkel, 290 000 Schlachtschweine, 7000 Groß- und Nutzvieh, sowie 4200 Schafe erfasst und vermarktet. Bei den Ferkeln war dies ein Rückgang von drei Prozent, bei den Schlachtschweinen 1,7 Prozent, beim Großvieh 13 Prozent und einzig bei den Schafen war ein Zuwachs von 15,5 Prozent zu verzeichnen.

Insgesamt wurden 880 117 Tiere erfasst, was einen Rückgang zum Vorjahr von 2,5 Prozent entspricht. Herbert Klein rechnet für das Jahr 2019 mit weiteren deutlichen Rückgängen. Die Preissituation war 2018 eine „reine Katastrophe“. Für ein 25 Kilogramm Ferkel wurden nur noch 42,46 Euro erlöst, was einem Rückgang von 15,44 Euro je Ferkel im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für ein Mastschwein wurden nur noch 1,42 Euro je kg Schlachtgewicht erzielt. Das waren 20 Cent weniger. So erzielt ein Schweinemäster für ein Schwein mit 120 kg Lebendgewicht noch 132 Euro.

Der Umsatz der Gesamt UEG ist um 17,7 Millionen auf 85,2 Millionen gesunken. Dies entspricht einem Umsatzrückgang von 17 Prozent.