Niederstetten

Frankenfestspiele Röttingen „Junges Theater“ präsentiert „Woche voller Samstage“ / Auch Kinderbuchautor Paul Maar mit Umsetzung hoch zufrieden

Ein freches, herzerfrischendes „Sams“

Mit einer hinreißenden Inszenierung von Paul Maars Kinder-Klassiker „Sams“ wartete das Junge Theater der Frankenfestspiele zum Spielzeit-Auftakt auf.

Röttingen. Man hat gehofft, gebangt, gebetet, die Teller leer gegessen und Wetterzauber jeder Art bemüht – und doch gab’s Regenwetter zur Freilicht-Sams-Premiere des Jungen Theaters. Nicht mal das Sams mit all seinen Wunschpunkte konnte etwas ausrichten – na ja, vielleicht waren auch die Muttertags-Gut-Wetter-Wünsche schlicht nicht präzis genug für Paul Maars kesses Wunderwesen.

Für Gäste, Helfer, Orgateam und manchen Darsteller hieß es trotz optimistischer Wetter-App-Ansagen vor Vorstellungsbeginn rein (in die Halle), raus (in den Burghof) und wieder rein. Theater auf Hochtouren: Mütter – trotz Muttertag – und Väter, Lehrkräfte und Helfer aller Art schleppten Tisch, Bett und Stühle, Taschenbiers Stubenmobiliar und eine komplette Büroausstattung samt Telefon und Aktenordnern plus Wald, Luftmatratzen, Kaktus und Schwimmreifen vom vorgesehenen Spielort im Freien mitten durchs Publikum Richtung Burghallenbühne.

Theater ist Kunst – und, wie das Publikum aufs Eindrücklichste miterlebte, auch echte harte Arbeit. Den dicken Extra-Applaus vor Vorstellungsbeginn hat sich das Team auf jeden Fall verdient. Für eine kleine Verschnaufpause für die jungen Darsteller der Theater-AG der Grundschule Röttingen vom großen „Vorhang auf!“ sorgten Festspielintendant Knut Weber und die Musikalische Leiterin Frederike Faust durchs Premieren-Vorgespräch mit Kinderbuchautor Paul Maar. 1973 hatte er gebürtige Schweinfurter das erste Sams-Kinderbuch vorgelegt. Inzwischen dürften, so seine Schätzung, wohl an die sechs Millionen Kinder weltweit – das Sams treibt seine kessen Faxen auch auf Arabisch, Russisch und Japanisch – die Sams-Bücher verschlungen haben, und zahllose weitere kennen das Sams aus Film, Theater, Hör- und Puppenspiel.

Hin und her im Regen

Knapp 1000 Kinder und Erwachsene nutzten am Sonntag und am Montag bei den Aufführungen im Rahmen des Röttinger Freilichtspiels die Chance, die Musical-Version live zu erleben. Und die bewältigten die Kinder der Grundschul-Musical-AG trotz des extremen Regen-Hin-und-Hers unaufgeregt mit Hingabe und echter Bravour.

Erst aber wollte Frederike Faust von Maar noch wissen, in welche seiner Figuren er am ehesten hineinschlüpfen würde, wenn er das könnte. Dann doch wohl lieber Taschenbier, so Maar: Dem jung gebliebenen, inzwischen aber dennoch 80-jährigen Autor wäre das Leben als Sams „wohl doch zu aufregend.“

Aufregend ist das Leben nicht nur fürs Sams – auch die, die ihm begegnen, müssen sich anschließend erst mal neu sortieren. Das gilt schon für die Samstagsleute, die das befremdliche Wesen in einer Mülltonne entdecken. Kind, Tier, gar Marsianer? Für den zurückhaltenden Herrn Taschenbier (Natalie Bätz spielt entzückend den anfangs ängstlichen, dann immer lockerer werdenden Büromenschen) ist das schnell klar: Wenn schon die Woche Tag für Tag das bot, was der Tagesname signalisierte – Sonne am Sonntag, Herrn Mon am Montag, Dienst am Dienstag, die Wochenmitte am Mittwoch, Donner am Donnerstag und einen freien Tag am Freitag, dann muss das Wesen, das am Samstag aufschlägt, doch wohl ein Sams sein, oder nicht?

Das leuchtet ein: dem Musicalchor, dem Publikum. Und selbstverständlich auch dem Sams (Heidi Pflüger schlüpft nicht nur ins Sams-Kostüm hinein, sondern scheint regelrecht in die Sams-Haut hineingeschlüpft zu sein; eine köstliche Umsetzung), das – Maar-Leser wissen’s längst – Taschenbier kurzerhand als „Papa“ adoptiert.

Köstlich haben Regisseurin Hanna Harandt, Choreografin Simone Stachel und die Musikalische Leiterin Frederike Faust gemeinsam mit dem Gesamtleiter Wolfgang Schmock und den Kids der Musical-AG die Wochentags-Geschichten umgesetzt: Perfekt zetert Vermieterin Frau Rotkohl (Lorena Wengel macht das perfekt, ob putzend mit dem Hexenbesen oder festgebannt auf dem Schrank) über das freche Gör, das da ganz offensichtlich eingezogen ist, gekonnt und absolut businesslike auftretend ist Taschenbiers Chefin Frau Oberstein (Selina Gordth – eine perfekte Chefin) im Büro auf Schlüsselsuche, und wie sich der Studienrat vom Sams um den Finger – oder ist’s vielleicht die Rüsselnase? – wickeln lässt, ist eine perfekteergänzung zur auf dem Schrank sitzenden Vermieterin Rotkohl, die plötzlich genau das Gegenteil von dem aussprechen muss, was sie eigentlich sagen will.

Souverän und mit herzerfrischender Begeisterung setzten die Kinder Maars Ideen auch auf der kleineren Burghallenbühne um, ganz unbeeindruckt von Umzugschaos und einer natürlich nicht auf diese Bühne eingerichtete Technik. Schnell haben sie spitz gekriegt, dass mancher Wortwechsel und Solosong ohne Verstärkung das Publikum nicht erreicht, schnell bauten sie die Zusatzwege zum Mikrophon in Spiel ein.

Die gut 300 Premierenzuschauer aller Altersgruppen, die gut eine dreiviertel Stunde auf den Beginn der Vorstellung warten mussten, war schwer begeistert über die tolle Leistung der Musical-AG der Grundschule Röttingen. Bei der zweiten Aufführung am Montag freuten sich fast 700 Schülerinnen und Schüler über den furiosen Auftritt auf der Freilichtbühne im Burghof.