Niederstetten

Jubiläum 130 Jahre Männergesangverein Herrenzimmern / Keller- und Scheunenfest kam bestens an / Klang, Kunst und kulinarische Genüsse

Fröhliche Feier trotz Wetterkapriolen

Andere Vereine starten ihre Jubiläumsfestlichkeiten mit einem kräftigen Tusch. In Herrenzimmern gab es statt des Trommelwirbels pünktlich zum Feststart ein kräftiges Gewitter.

Herrenzimmern. Doch Herrenzimmern hat schon vor fünf Jahren, als Hochwasser die Feier des 125-Jahr- Jubiläums des Männergesangvereins störte, bewiesen: Fröhlich feiern lässt sich bei jedem Wetter.

So zogen auch am Eröffnungsabend des 130-Jahr-MGV-Geburtstags Einwohner und Gäste vom Zelt auf dem Dorfplatz entlang des Kerzenlichterwegs durch Gewölbekeller und Scheunen – und entdeckten dabei immer wieder neue Seiten der Ortschaft im Aschbachtal.

Klang, Kunst und kulinarische Genüsse fanden sich entlang des Wegs: Im alten Kuhstall Kunst und Kunstgewerbe, feine Schmankerl und leckere Tropfen in Scheunen und Kellern, die nebenbei baulich und bildlich Einblick boten in die Vereins- und Ortsgeschichte.

Wer kannte vor diesem Abend Herrenzimmerns tiefen Brunnen? Wer außerhalb des Orts den kleinen, von einem Puppenpärchen bewachten Laubengang-Schleichweg? Das junge Kerzenlicht-Geschwader sorgte dafür, dass jedes durch den Regen gelöschte Lichtchen schnell wieder leuchtete: Fast ohne Pause genossen so die Gäste Feuerzauber auf den Keller- und Scheunenwegen. Und allenthalben stimmten Sang und Klang von „Viva la Vida“, den Tauberrettersheimer „Tauberherzen“ und Karl Pflüger und seiner Zieharmonika aufs Jubiläum des 130 Jahre alten Männergesangvereins ein.

Zu schade, dass die heiter bunten Lichterketten nicht im dick und bräunlich angeschwollenen Aschbach spiegeln konnten – und wunderbar, dass der fast wie aus Kübeln herabkommende Regen nach einer Stunde die Lust daran verlor, die Feiertruppe weiter zu durchnässen. Ein Abend, heiter, fröhlich mit einem Hauch Romantik, den dann gen Mitternacht die „Häckers“ im Festzelt auf dem Dorfplatz zu Ende rockten. Was am Abend vom Himmel heruntergekommen war, konnte am Morgen nicht mehr nachfließen: regelrecht blank geputzt leuchtete der Himmel überm Festzelt.

Pfarrerin Ina Makowe hatte gemeinsam mit dem Jubiläumschor ein rundes Gottesdienstkonzept gestaltet, das die annähernd 200 Teilnehmer einlud, oft genug missbrauchte Begriffe wie Heimat und Tradition mit offenem Geist neu zu überdenken. Verwurzelung in der Heimat ermögliche Standhaftigkeit, die nicht stehen bleibe, so Pfarrerin Makowe. Das wieder gestatte lebendigen und friedlichen Umgang auch mit Anderem und Neuem. „Wo Frieden regiert, können wir in aller Verschiedenheit Harmonie finden“, ermutigte sie.

Gemeinde und Chor fanden sich unter der Leitung von Dirigent Achim Striffler zum deutsch-hebräischen Friedenslied „Hawenu Schalom Aleichem“ zur nicht nur klanglichen Harmonie. Wo sich der Geist labt, darf auch der Magen nicht hungern: Selbstverständlich sorgte Herrenzimmern auch am Sonntag für perfekte Bewirtung der Festgemeinde. Mit dem angekündigten Freundschaftssingen bescherte der Männergesangverein 1888 auch seiner Schirmherrin, Niederstettens Bürgermeisterin Heike Naber, eine neue Erfahrung, auf die sie sich sichtlich freute. Ihrer Anerkennung für die verlässliche Kontinuität und Tradition des Chors, auf den in frohen wie in schweren Stunden Verlass ist, schloss sich Gerhard Hauf, Vorsitzender des Hohenloher Sängergaus, mit voller Überzeugung an. Er überbrachte Glückwünsche des Deutschen, Schwäbischen und des Hohenloher Chorverbands.

Anschließend präsentierten der Gesangverein Harmonie 1920 Adolzhausen und die „Harmonists Adolzhausen“ in teilweise bis zu 40 Stimmen starker Gemeinschaft unter der Leitung von Anna Leuser-Valls Heimatlieder, Gesänge durch das Jahr und die Welt.

Mit knapp 20 Sängern folgte der von Peter Ruppert dirigierte Männer-Gesangverein „Concordia 1972 Apfelbach“, der das Publikum unter anderem mit der munteren Weise „Vom Stadtpark die Laternen“ erfreute. Gewachsen ist in den letzten Jahren die Männer-Chorgemeinschaft von Sängerbund Harmonie Weikersheim und Sängerkranz Nassau. Die deutlich gewachsene Tenorstärke verdankt sich der Verjüngung der Chorgemeinschaft, die unter der Leitung von Anna Leuser-Valls unter anderem Mendelsson-Bartholdys „Des Jägers Abschied“ fein ausmoduliert zu Gehör brachte.

Den Schlussakzent des Freundschaftssingens setzte die Chorgemeinschaft Liederkranz Wildentierbach und Liederkranz Rinderfeld unter der Leitung von Adolf Nicklass. Mit „Stimmt ein in unser Lied“ griff der Chor das Motto „Sing mit uns“ auf, unter das der Herrenzimmerner Jubiläumschor das Fest gestellt hatte, ehe Adolf Nicklas den lockeren Abschluss des Jubiläumsfestes musikalisch begleitete.

Die Veranstalter, insbesondere Vereinsvorsitzender Jochen Emmert, Ehrenvorsitzender Manfred Wicker, Chorleiter Achim Striffler und natürlich auch der Ortsvorsteher Manfred Heinold dürften zufrieden sein: Es war ein rundum gelungenes Fest, das trotz der zahllosen Gäste, die sich im Ort tummelten, zumindest teilweise den Charakter eines vertrauten Familienfestes behielt.

Funktionieren kann das nur, wenn alle mit anpacken und alle mit feiern – eben genau so, wie es Herrenzimmern immer wieder vorlebt.