Niederstetten

Russland-Deutsches Theater Niederstetten Maria und Peter Warkentin erzählen in einem Dokumentarfilm ihre Geschichte / Vorpremiere im „Kult“

„Haben uns als Brückenbauer gesehen“

Archivartikel

Drei Jahre lang hat ein Kölner Filmteam Maria und Peter Warkentin und ihr Russland-Deutsches Theater mit der Kamera begleitet. Entstanden ist ein sehr persönlicher Film.

Niederstetten. „Dass wir durchgehalten haben und unserem Beruf treu geblieben sind“, sagt Peter Warkentin im Film auf die Frage, was rückblickend das Wichtigste für den Erfolg des Theaters gewesen sei. Der Film zeigt, von welchen Erfolgen und Rückschlägen dieses „Durchhalten“ in den vergangenen zwei Jahrzehnten, die das Theater in Niederstetten besteht, geprägt wurde.

Vor geladenen Gästen feierte das 90-minütige dokumentarische Werk am Samstagabend im „Kult“ Vorpremiere. Es trägt den Titel „Der weite Weg zurück“ in Anlehnung an das Theaterstück, das die Warkentins geschrieben haben, um die Geschichte ihrer Spätaussiedlung auf der Bühne zu erzählen.

Zu siebt waren die Schauspieler damals, wirtschaftlicher Not und ihrem massenhaft nach Deutschland emigrierenden Publikum folgend, Mitte der 90-er Jahre, nach Niederstetten gekommen.

Der Film erzählt, welche Entwicklung dazu führte und wie es den Warkentins, die heute nur noch zu zweit das Theater bilden, in den vergangenen zwei Jahrzehnten ergangen ist. Die Geschichte des Theaters, das wird deutlich, spiegelt auch die der Deutschen in Kasachstan wider. „Wir haben uns als Brückenbauer gesehen“, sagt Maria Warkentin wohl auch deshalb einmal im Film, der ein sorgfältig zusammengetragenes Kaleidoskop ist aus Fotos, Ausschnitten aus einem Dokumentarfilm, Aufnahmen aktueller und früherer Theateraufführungen und manchmal beinahe intimer Interviews, die „richtig rein in die Seele“ führen, wie es Peter Warkentin nach dem Film bewegt ausdrückt. Diese wurden im Zuhause des Ehepaars aufgenommen, bei Proben, Feiern und Theateraufführungen, aber auch bei zwei Reisen zurück zu den Wurzeln des Deutschen Theaters in Kasachstan. Dort gibt es übrigens auch heute noch ein Deutsches Theater, auch wenn von der deutschen Kultur nur wenig übrig geblieben ist.

Die berührendste Szene eröffnet auch den Film: Die Warkentins stehen vor der halb abgerissenen Ruine des ehemaligen Deutschen Theaters von Alma-Ata, dem heutigen Almaty. Die mit Holzplanken belegte Bühne ist dem Regen und der Witterung ausgesetzt, daneben stapeln sich auf einem Schutthaufen alte Requisiten: Maria Warkentin erkennt einen verrosteten Metallstuhl wieder und kämpft mit den Tränen: „Wie ist das möglich?“, fragt sie, „alles wurde kaputt gemacht“.

Ursprünglich wollte Ralph Weihermann, Chef der Kölner Produktionsfirma „Kigali Films“ und gemeinsam mit Alexej Getmann, selbst Kasachstandeutscher und Autor des Films, in der Dokumentation viel mehr Menschen zu Wort kommen lassen. Von der Idee kam er jedoch bereits nach den ersten, offenbar für ihn sehr beeindruckenden Interviews mit den Warkentins ab. Diese hätten „in jedem Moment etwas Relevantes zu sagen“ , schwärmt Weiherman und so entschloss er sich, die Geschichte fast ausschließlich aus Sicht der beiden Schauspieler zu erzählen.

Und so ist ein für ihn „ganz wichtiges Projekt“ entstanden, das vor drei Jahren übrigens auf Initiative des Sohns der Warkentins, Edwin, ins Rollen kam. Dieser arbeitet im Kulturreferat des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. Er hatte Weihermann die Idee für einen Film über seine Eltern unterbreitet. Anlass war das 20-jährige Bestehen des Theaters. Weihermann hatte bereits in den 90-er Jahren einige Male in Alma Ata gedreht, kannte sich in Kasachstan also aus.

Nachdem der Landkreis Main-Tauber und die Stadt Niederstetten finanzielle Mittel für den Film zugesagt hatten, begann das Team zu filmen. Als auf Initiative Edwin Warkentins auch die Beauftragte für Kultur und Medien einen Zuschuss bewilligte, konnte auch noch die Reise nach Kasachstan in Angriff genommen werden.

„Es ist ein Film für ein relativ spezielles Publikum“, sagt Ralph Weihermann, der plant, ihn vor allem auf Filmfestivals zu zeigen. Auch in Niederstetten hält Edwin Warkentin bei Interesse eine öffentliche Aufführung für möglich.