Niederstetten

Leserbrief Zur aktuellen Diskussion um die Tauberphilharmonie

Keine Zwei-Klassen-Politik?

Archivartikel

Statt einer vielseitig verwendbaren Stadthalle wurde in Weikersheim eine Konzerthalle in Konkurrenz zu Würth und Würzburg gebaut. Um den Widerstand gegen das teure Projekt zu verringern, wurde eine vielseitige Benutzbarkeit durch die Allgemeinheit versprochen.

Wie zu erwarten, passt die Halle aber nur für feinere Veranstaltungen (der „feineren“ Gesellschaft?!). Der Durchschnittsbürger mit Interessen wie Kinderfasching, Altennachmittag, Tanzveranstaltungen, Vereinsfeiern usw., zahlt am meisten und wird das Kulturangebot wenig nutzen wollen oder können. Als Ersatzlösung bietet der CDU-Stadtrat eine alte Turnhalle mit Schmutzfangteppich an.

Wem das noch nicht reicht als Beispiel für eine Zwei-Klassen-Politik, sei daran erinnert, dass in Weikersheim ein Abschnitt der Kanalstraße auf Betreiben einiger neuer Anwohner, denen die Adresse wohl nicht vornehm genug klang, umbenannt wurde in „An der Stadtmauer“.

Beunruhigend in beiden Fällen die gezeigte Offenheit: Während an anderen Orten ungleiche Behandlung sozialer Gruppen öffentlich noch bestritten wird, ist sie in Weikersheim schon direkt durch Straßenschilder und einen Prestigebau sichtbar gemacht.

Ein Trost, dass es noch Mitbürger wie Fr. Dolezol und Fr. Anja Lotz gibt, die ein Gespür für soziale Ungerechtigkeiten haben – und die SPD, die sich von Anfang an gegen den Bau einer Philharmonie ausgesprochen hat.