Niederstetten

Bonifatius-Kirche Oberstetten Der im Oktober teilweise abgestürzte Wetterhahn wurde gestern repariert und wieder auf der Turmspitze befestigt

Kupfervogel dreht sich wieder im Wind

In einer stürmischen Oktobernacht hatte der Wetterhahn der Oberstettener Bonifatius-Kirche sein Hinterteil verloren. Gestern wurde der Blechvogel repariert und wieder in mehr als 30 Metern Höhe angebracht.

Oberstetten. „Der Schwanz hat dem Wind wohl mehr Widerstand geboten, deswegen ist der hintere Teil abgebrochen“, vermutet Klempner Stephan Voigt mit Blick auf die beiden Hälften des Wetterhahns der Oberstettener Bonifatius-Kirche in seinem Schraubstock. Gestern war er mit seinem Kollegen Patrick Schürger vor Ort, um die beiden Teile wieder zusammenzufügen und sie auf die Turmspitze zurückzubringen.

Wie Erich Haag, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats, im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, hatte ein Sturm in der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 2017 den Wetterhahn ziemlich genau in der Mitte geteilt. Dort verläuft das Rohr, mit dem der aus zwei Kupferblechplatten bestehende Vogel befestigt wird.

Die vordere Hälfte mit dem Halterohr drehte sich bis gestern alleine in mehr als 30 Metern Höhe, dann holten die Klempner sie gegen 9.30 Uhr mit einer Hubarbeitsbühne herunter.

2015 neu vergoldet

Der Absturz des Wetterhahns war auch deshalb ärgerlich, weil der Kupfervogel erst im Jahr 2015 bei einer Sanierung des Turms neu vergoldet worden war. Damals war der Turm komplett eingerüstet gewesen. Jetzt wäre das aber zu aufwendig gewesen und hätte zu lange gedauert. Daher kam gestern die Hubarbeitsbühne zum Einsatz, mit der 38 Meter über dem Boden gearbeitet werden kann. Die ganze gestrige Aktion, inklusive Miete für die Hubarbeitsbühne, kostet, wie Haag schätzt, etwa 3500 Euro. Die Kosten waren auch einer der Gründe dafür, dass der Hahn erst jetzt repariert wurde. „Die Versicherung hat etwas dazugegeben, aber das hat natürlich einige Zeit gedauert“, berichtet Haag. Das Alter des Wetterhahns selbst lässt sich nicht genau bestimmen, Haag vermutet aber, dass er aus der Zeit einer großen Außenrenovierung der Kirche in den 1960er Jahren stammt.

Mischverfahren angewendet

Um die hintere Hälfte des Blechvogels wieder am Halterohr zu befestigen, verwendet Voigt an diesem Tag eine Mischung aus Schweiß- und Lötverfahren. „Das sind Hartlötdrähte aus Kupfer, aber ich arbeite mit einem Schweißgerät“, erklärt er. „Die Flamme des Lötgeräts wäre zu groß, dadurch könnte sich die Vergoldung wieder ablösen“. Mit dem Lichtbogen des Schweißgeräts ließe sich dagegen die Hitze auf zwei bis drei Milimeter genau kontrollieren. Nach mehreren Schweißvorgängen und Zeit zum Abkühlen halten die beiden Hälften anschließend wieder gut zusammen, sind jetzt allerdings von Ruß geschwärzt. Schürger wischt den Hahn daher mit Tüchern ab und besprüht die Haltestange mit Goldlack. Jetzt kann der glänzende Vogel wieder an seinen angestammten Platz zurück.

Dazu steigt Schürger kurz nach zwölf Uhr in den Korb der Hubbühne. Michael Roder bedient die Maschine und bringt den Klempner mit dem reparierten Wetterhahn zur Kirchturmspitze hinauf. Besonders entlang des schiefergedeckten Daches muss Roder genau manövrieren, aber alles klappt.

Werkzeug blieb am Boden

Eigentlich müsste der Hahn nun nur noch aufgesteckt und mit einem Haken gesichert werden. Doch es gibt ein Problem: Durch das Schweißen hat sich das Halterohr verformt und passt nicht mehr richtig auf die Stange. Das nötige Werkzeug ist jedoch am Boden zurückgeblieben. Daher fährt Roder die Plattform wieder nach unten.

Das Werkzeug wird geladen und es geht erneut hinauf. Neben der Turmspitze muss Schürger sowohl an der Haltestange als auch am Hahn selbst noch etwas biegen und sägen. Am Ende passt aber alles. Kurz vor 12.30 Uhr dreht sich der Hahn unter dicht bewölktem Himmel wieder im Wind.