Niederstetten

Kabarett beim Weinfest Michl Müller begeisterte in Tauberrettersheim / Aktuelles aus Politik und Gesellschaft sowie den alltäglichen Wahnsinn im Spaß-Marathon aufs Korn genommen

Schrill, derb, provokant und vor allem echt fränkisch

Tauberrettersheim.Lustige und hoch amüsante Unterhaltung bot am Freitagabend Michl Müller im ausverkauften Festzelt auf dem Weinfest in Tauberrettersheim (ausführlicher Beitrag zum Fest auf der Folgeseite).

Der in Garitz bei Bad Kissingen geborene Kabarettist, Komiker und Sänger sowie Urfranke hatte 1997 seinen ersten öffentlichen Auftritt mit dem Kabarett-Programm „So isses halt“. Michl Müller gehört längst zu den bekanntesten Kabarettisten Süddeutschlands. Besonderen Popularitätsgrad erlangte Müller seit 2007 durch seine im Bayerischen Fernsehen übertragenen regelmäßigen Auftritte in wechselnden Rollen bei der Veitshöchheimer Prunksitzung „Fastnacht in Franken“. Zudem hat er seit 2015 in der ARD seine eigene TV-Show mit dem Titel „Drei.Zwo.Eins.Michl Müller“.

Müller hat sich in dieser Zeit eine sehr große Fangemeinde erarbeitet, so dass die Zuschauer vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen scharenweise strömen wenn er sich auf kleinen und großen Bühnen als fränkische Spezies durch seine Ulknummern kalauert – so auch am Freitag in dem seit Wochen bereits ausverkauften Festzelt in Tauberrettersheim mit seinem aktuellen Programm „Müller… nicht Shakespeare!“. Bei seinen zahlreichen Anhängern genießt Michel aufgrund seiner typischen Markenzeichen – seinem zuweilen etwas schrillen und derben Humor, seinem fränkischen Dialekt sowie seinem provokanten T-Shirt-Aufdruck in Großbuchstaben als selbsternannter „Dreggsagg“ (Fränkisch für „Schelm“) inzwischen geradezu Kultstatus.

Mit seinem fränkischen Dialekt, seinem spitzbübischen Charme sowie seinen spitzen und erfrischenden Pointen hatte er das Publikum in Tauberrettersheim, wo er schon bei Jubiläumsweinfest im Jahr 2013 zu Gast war, abermals von Beginn an auf seiner Seite.

Messerscharfer Humor

Müller jedoch als puren „Dreggsagg“ zu charakterisieren, wäre zu einfach und würde ihm sowie seinem messerscharfsinnigen Humor nicht gerecht werden.

Scharfsinnig und wie von ihm gleichsam gewohnt geradezu ohne Tabus sowie packend und mitreißend nahm Müller in seinem neuen Programm „Müller…nicht Shakespeare!“ Aktuelles aus Politik oder Gesellschaft sowie den schier alltäglichen Wahnsinn aufs Korn, wobei er politisch insbesondere über die „Groko“ satirereich herzog.

Dabei wirkte der Humor des energiegeladenen Kabarettisten erneut sehr lebensnah und authentisch. Gleichzeitig nahm er kaum ein Blatt vor den Mund, denn etwas bis hin reichlich derb durfte es ab und an schon sein, schließlich erwartete dies das Publikum regelrecht von dem fränkische Kabarettisten. Wer tiefer gehenden Intellekt bei Müllers Kalauern gesucht hätte, wäre allerdings schier fehl am Platze gewesen. Denn mit allzu viel Tiefgang beanspruchte er sein Publikum freilich nicht, sondern vermischte seine Polit-Ulks gleichzeitig mit Themen und Geschicht(ch)en aus dem Alltag des Normalbürgers, die er einhergehend reihenweise mit Kalauer sowie den ein oder anderen stammtischartigen Witz nach stets beliebten Klischeeschemata oder doppeldeutigen Anzüglichkeiten als leicht verdauliche Happen garnierte und servierte. So unter anderem Themen wie Körperhygiene und Eincremen auch bei Männern. „Ich kann jedoch Nivea nicht mehr riechen, da kann Jogi Löw soviel werben wie er will, ich creme mich nicht ein“, verriet Müller ebenfalls witzig und zum Vergnügen des Publikums.

Schier atemlos und ohne Punkt und Komma unterhielt Müller d mit einem fast dreistündigen Nonstop an Monologen und Sketchen, in denen er sich spöttelnd über alles lustig machte, was ihm über den Weg läuft – neben Politik über menschliche Gewohnheiten und kleine Schwächen sowie über Ungereimtheiten, Absurditäten und Dummheit des gesellschaftlichen Lebens – nichts schien vor seinem scharfen Blick und seinen spitzzüngigen Bemerkungen darüber sicher zu sein. Als „Sahnehaube“ wurde wieder alles schön fränkisch gefärbt dargeboten. Zwischen seinen Wortergüssen platzierte er gekonnt einige Interaktionen mit dem Publikum sowie nicht minder scharfsinnige bis hin geradezu verrückte Lieder.

„Ich bin kein Shakespeare, sondern pflege die Umgangssprache“, gab Michel Müller gemäß dem Titel seines Programms kund. Auf diese Weise zeigte sich Müller abermals von mehreren Seiten – als Stand-Up-Comedian, Kabarettist, Satiriker, Schelm, Eulenspiegel und Musikkabarettist – von allem ein bisschen etwas. Mit dieser turbulenten Mischung und Abwechslungsfülle sorgte er für reihenweise Lachsalven und bot spritzige Freitagabendunterhaltung im Festzelt vom Besten. Wer sowohl den Stil als auch den Humor Müller liebt, kam dabei erneut absolut auf seine Kosten.