Niederstetten

Brauhaus Rothenburg Drei Architektur-Büros haben Pläne für eine Nutzung als Hotel- und Tagungsbetrieb vorgelegt / Kosten bei bis zu 40 Millionen Euro?

Spannende Kreationen entworfen

Wird das Brauhaus aus dem Dornröschenschlaf erweckt? Drei Architektenbüros haben Entwürfe für einen Hotel- und Tagungsbetrieb vorgelegt. Ende Juli entscheidet darüber der Stadtrat.

ROTHENBURG. Es gilt als „Filetgrundstück” direkt vor dem Klingentor am Taubertalhang gelegen – die Rede ist vom ehemaligen Rothenburger Brauhausgelände, das schon Jahrzehnte im Dornröschenschlaf liegt und nach einigen vergeblichen Versuchen jetzt ernsthafte Aussicht auf Erweckung hat.

Die Stadt hat die Bebauung für eine Hotelanlage als Wettbewerb ausgeschrieben und drei auswärtige Planungsbüros beteiligten sich. Alle Varianten, die in der Reichsstadthalle der Öffentlichkeit präsentiert wurden, überraschten mit spannenden Kreationen.

Viel Kreativität

Der Blick auf die Planzeichnungen und die dreidimensionalen Modelle sorgte beim Betrachter für Erstaunen, denn man überlegt sich sofort, ob das Halbrund mit der Badelandschaft im Hanggeschoss tatsächlich am Brauhaus liegt.

Doch genau darin zeigt sich, was Architekten mit Kreativität entwickeln können, schließlich spielen alle drei Vorschläge geschickt mit den auf dem Gelände sich ergebenden Höhenunterschieden von einigen Metern. Ganz abgesehen von den Optionen, die sich zur Talseite hin in den Hanggeschossen ermöglichen. Das Büro Cemal Isin aus Aalen hat diese Variante in der gut besuchten Reichsstadthalle vorgelegt und die beiden anderen aus Würzburg kommenden Bewerber standen dem an Ideen nichts nach. Immer mit dem denkmalgeschützten Sudhaus im Zentrum lässt das Würzburger Architektenbüro Ruhl/Albert eine interessante Gebäudegliederung mit Innenhöfen und einer Treppenlandschaft entstehen, die an einen universitären Campus erinnert.

Alle Bewerber nutzen geschickt die Geländehöhenunterschiede von über vier Metern sowie die Hanglage und die vorhandenen Keller und Gewölbe für ihre Planungskonzepte. Die strengen Vorgaben der Stadt in diesem Investoren-Angebotsverfahren, bei dem aus zehn Anfragen am Ende die drei übrig blieben, gaben den Rahmen vor und forderten die Einbeziehung des historischen Sudhausgebäudes, das trotz baufälligen Aussehens statisch noch gut dasteht.

„Kubatur und Maßstab des geplanten Neubaus ordnen sich dem bestehenden Sudhaus unter und fügen sich respektvoll ins historische Stadtbild ein”, heißt es im Entwurf des Büros „archicult” von Architekt Roland Breunig aus Würzburg. Während andere Flachdachbauten vorsehen, plant er mit Satteldächern und Fassaden in filigraner vertikal angeordneter Holz-Eichenstruktur. Und sogar die alten baufälligen Stallungen sollen erhalten und einem Biergarten zugeordnet werden.

Untergrund spielt Rolle

Auf dem über 10 000 Quadratmeter großen Gelände würden alle Anbieter den parkähnlichen Lindenbewuchs erhalten und die seltene Fledermauspopulation von über 150 Tieren dauerhaft in den alten Lagerkellern schützen. Der Untergrund spielt auf diesem Gelände an der Klingentorbastei eine große Rolle, denn es gibt Gänge und Gewölbe, die teils in die Nutzung zum Beispiel für den Wellness- und Spa-Bereich einbezogen würden.

Während andere Planer bei früheren Überlegungen nur Probleme auf dem Gelände sahen oder Gewölbe mit Zement auffüllen wollten, sieht man jetzt die schwierigen Gegebenheiten als Chance zur exklusiven Nutzung an. Auch auf die Fernwirkung wird bei allen Vorschlägen geachtet, so bliebe beim Blick von der Hohenloher Ebene das alte Sudhaus neben modernen Bauten herausgehoben. Dahinter prägt die Altstadtsilhouette weiterhin das Bild.

Entstehen sollen ein Hotel- und Tagungsbetrieb mit bis zu 150 Doppelzimmern, ein Restaurant und ein großzügiger Gesundheitsbereich mit allein bis zu 1500 Quadratmeter Fläche („Wellness, Spa und Medical Care”). Mit dem historischen Sudhaus, das 1895 von Hans Hopf auf dem Gelände errichtet und 1920 zum Brauhaus Rothenburg erweitert wurde, gehen alle Vorschläge behutsam um. Im technikumgebenen Innern sollen ansprechende Räume für eine Lounge, eine Schenke oder auch im Obergeschoss eine reizvolle Suite entstehen. Autos sollen in die Untergeschosse verbannt werden, die entstehenden innenhofartigen Flächen ließen sich vielseitig nutzen. Dem Stadtrat und den Rothenburgern erscheint es wichtig, an diesem sensiblen Standort nur Altstadt- und Taubertalverträgliche Lösungen zuzulassen, was aber alle Bewerber auch erfüllen. Außerdem sehen alle auch unterschiedliche kulturelle Nutzungen vor.

Zu den Vorstellungen gehörten auch Hinweise auf mögliche Betreiber, darunter eine namhafte Hotelkette sowie auf die nötigen Investoren, die das Kapital einbringen müssen. Orientiert an früheren bis zu zwanzig Jahre zurückreichenden gescheiterten Hotelplanungen auf dem Gelände dürfte die Gesamtinvestition wohl heute über 40 Millionen Euro liegen. Der Stadtrat will Ende Juli noch entscheiden, welcher Planer den Zuschlag erhält. Mit dem Tagungshaus im Vier-Sterne-Bereich setzt man auf zusätzliche Gäste.