Niederstetten

Niederstettener Herbstfest Technisches Hilfswerk präsentiert sich mit Fußgängerbrücke, Informationsstand sowie einer Material- und Fahrzeugschau

Spezialisten für die ganz heiklen Fälle

Nachdem im vergangenen Jahr die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes auf dem Niederstettener Herbstfest zu Gast war, präsentiert sich in diesem Jahr das Technische Hilfswerk (THW).

Niederstetten. Mit Fußgängerbrücke, Informationsstand sowie einer Material- und Fahrzeugschau stellt sich der THW-Ortsverband Igersheim am Sonntag, 24. September, nach dem traditionellen Winzertanz ab etwa 15.30 Uhr den Besuchern auf dem Herbstfestgelände vor.

Seit Oktober 2014 hat der frühere THW-Ortsverband Bad Mergentheim seinen Stützpunkt in einem zweigeschossigen Neubau mit 800 Quadratmetern Nutzfläche im Igersheimer Teilort Harthausen.

Der heutige Ortsverband Igersheim ist eine von neun Dienststellen der Geschäftsstelle Heilbronn. Seine Expertise ist vor allem der Bereich Wasserschaden/Pumpen, erläutert Ortsbeauftragter Marco Wieczorek. Die entsprechende Fachgruppe verfügt über ein großes Sortiment leistungsfähiger Pumpen, die zusammen bis zu 30 000 Liter Wasser pro Minute, etwa aus Kellern oder Verkehrsanlagen abpumpen können. Neben Schmutz- und Abwasser können diese Spezialpumpen auch Schlamm fördern. Sie ist darüber hinaus in der Lage, Wasserleitungen über längere Strecken errichten, um beispielsweise Löschwasser für die Feuerwehr zu fördern.

Die Fachgruppe gehört zu einer der zwei Bergungsgruppen des Igersheimer THW, die Menschen, Tiere und Sachwerte aus Gefahrenlagen bergen und Sicherungs- sowie leichte Räumarbeiten durchführen können. Als Teil einer Bundesanstalt ist der Ortsverband Igersheim modernst ausgestattet, etwa mit Digitalfunk und Druckluft-Atemschutzgeräten.

Sechs Lkw, vier Anhänger, Mannschaftstransportwagen und Multifunktionsfahrzeug stehen in der Fahrzeughalle, Ausbildungs- und Verwaltungsräume, Werkstatt, Küche und Umkleideräume mit Spinden und Duschen sind in einem Zweckbau mit Passivhausstandard untergebracht.

Frauenquote hoch

Alle zwei Wochen samstags ist Dienst in Harthausen mit Aus- und Fortbildung oder auch Materialpflege. Auf rund 60, darunter 30 vollausgebildete, einsatzbereite Helfer kann Marco Wieczorek bauen. Mindestens 15 von ihnen sind bei den Terminen stets vor Ort.

Die Frauenquote ist im Bereich der Geschäftsstelle Heilbronn mit acht Helferinnen die höchste. Auch der Nachwuchs ist mit 15 Jugendlichen stark vertreten, Tendenz steigend.

"Deshalb wären wir über ein, zwei Jugendbetreuer froh", sagt Wieczorek. Auch eine Köchin oder ein Koch wären beim Ortsverband sehr willkommen.

Alle Angehörigen des Ortsverbands leisten ehrenamtliche Arbeit. "Zu Zeiten des Zivildienstes", so Marco Wieczorek, "war es einfacher, neue Helfer zu bekommen. Heute müssen wir mehr Kraft und Zeit in die Werbung investieren." Von daher ist er der Stadt Niederstetten dankbar, dass sie dem Ortsverband Gelegenheit gibt, sich auf dem Herbstfest vorzustellen. Der Öffentlichkeitsarbeit wird hoher Stellenwert beigemessen, genutzt werden auch neue Medien wie Facebook.

Im Durchschnitt vier bis fünf Interessenten pro Jahr informieren sich in Harthausen über das THW, "oft Menschen, die im Büro arbeiten und mal 'raus wollen", so der Ortsbeauftragte. Sein Zugtrupp setzt sich aus vielen Berufsgruppen zusammen: Elektrotechniker, Industriemechaniker, Schreiner und Dachdecker sind dabei, aber auch Bäcker, Bürokauffrau oder Bankangestellter.

Die Möglichkeiten des ehrenamtlichen Einsatzes beim THW sind vielfältig, "und wer sich einmal zu uns getraut hat, bleibt in der Regel auch da", weiß Marco Wieczorek. Er arbeitet in der Entwicklungsabteilung der Firma ebm-papst, fing als Elfjähriger 2001 beim Hilfswerk an. Er war Helfer, Trupp- und Gruppenführer und ist seit März 2016 Ortsbeauftragter.

Grenzenloser Einsatz

Die Grundausbildung beim THW dauert drei Monate, danach geht es in die spezifische Weiterbildung. Bei den oft mehrere Tage dauernden Einsätzen finanziert die Bundesanstalt den Dienstausfall beim Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer zu hundert Prozent. "Wenn der Mitarbeiter nicht abkömmlich ist, müssen wir natürlich umdisponieren", so Wieczorek.

Der Einsatzradius des THW-Ortsverbands ist grundsätzlich grenzenlos, wobei Auslandsverwendungen in den letzten Jahren weniger werden. Letzter Großeinsatz war nach dem verheerenden Mai-Unwetter 2016 im Hohenlohekreis, im Jahr zuvor waren die Helfer aus Igersheim vierzehn Tage an der Jagst bemüht, die Folgen der Ökokatastrophe durch in den Fluss gelangten Kunstdünger abzuschwächen.

Das Technische Hilfswerk gehört zum Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. Aufgabe der Bundesanstalt ist technisch-humanitäre Hilfe, die zu 99 Prozent von ehrenamtlichen Angehörigen, bundesweit rund 80 000 Helfer in 668 Ortsverbänden, erbracht wird. Bei Schadenslagen wie Hochwasser oder Stromausfall kommen die THW-Ortsverbände zum Einsatz.