Niederstetten

Heimatverein Steidemer Männle“ Erneut „Zum Auslüften zwischen den Jahren“ unterwegs

Und ganz plötzlich stand Mörikes Kutsche auf dem Weg

Archivartikel

Niederstetten.„Bei Nacht und Nebel, bei Eis und Schnee (sofern vorhanden) über Stock und Stein unterwegs“ – das ist seit vielen Jahren in der Zeit zwischen Weihnachten und dem Neuen Jahr das Motto des Niederstettener Heimatvereins „Steidemer Männle“.

Hundert Teilnehmer zwischen acht und achtzig Jahren machten sich auf selten begangenen Wegen auf den Weg nach Vorbachzimmern – wie immer angeführt vom Vereinsvorsitzenden Walter Krüger.

Den ersten Halt gab es gleich nach Überquerung der Umgehungsstraße am Ort der ehemaligen Ziegelmühle. Dieser Weg seitlich an der Stadt vorbei ist, so erläuterte Walter Krüger, schon bald nach der Entstehung des Ortes vor mehr als 1200 Jahren entstanden, weil Fernreisende ungern feste Orte durchquerten, um Zollabgaben zu vermeiden. Am Vorbach gab es bereits im Jahr 1550 20 Mühlen, die das für die Brotherstellung unerlässliche Korn zu mahlen hatten. Der früher sehr wilde Vorbach war von jeher für verheerende Überschwemmungen in der Stadt verantwortlich, erst im Jahr 1905 konnte das Bachbett systematisch vertieft und die Hochwassergefahr gebannt werden.

Der weitere Weg führte die große Wandergruppe über das uralte Hexenstäffele in Richtung Alter Berg. Den nächsten Aufenthalt gab es auf dem Anwesen der Familie Scheu. Gemeinsam mit ihrem Mann Gerhard hält Ursula Scheu dort 25 Mutterkühe und deren Nachwuchs, es handelt sich dabei um Rinder der seltenen Rasse Blonde Aquitaine.

Obwohl sie problemlos weit mehr Tiere unterbringen könnte, stellt sich das Ehepaar Scheu gegen eine Massentierhaltung und legt großen Wert auf eine artgerechte Aufzucht. Beim weiteren Gang durch die Dunkelheit – begleitet von vielen romantischen Laternen – gab es plötzlich eine Überraschung : mitten auf dem Weg stand ein hübscher kleiner Pferdeschlitten, die fleißigen Wermuthäuser Hermann Döhler, Karl Schietinger und Friedrich Walther hatten weder Aufwand noch Mühe gescheut, ihn heranzuschaffen. Dies sei, so erklärten sie, der Originalschlitten, mit dem im Winter 1844 Eduard Mörike, seine Schwester Klara und sein Freund Pfarrer Hartlaub bei klirrendem Frost von Wermutshausen nach Schwäbisch Hall gefahren seien – Mörike hat die Erschwernisse dieser Fahrt detailreich beschrieben.

Herzlicher Empfang

Am weiteren Weg lag kurz vor Vorbachzimmern der moderne Freilaufstall, den Heiko und Simone Schmidt im Jahr 2014 errichtet haben. Auch die Familie Schmidt setzt auf artgerechte Haltung, 40 Kühe erzeugen hier bei optimalen Bedingungen unter Demeter-Kriterien ihre Milch. Von deren Qualität konnten sich die Besucher in Form von Kakao und Käse überzeugen.

Beim weiteren Gang durch Vorbachzimmern hatte es sich Günther Hammel nicht nehmen lassen, einige Obstbrände und Liköre auszuschenken. Ortvorsteher Gerhard Hauf fand sich ein und berichtete über die aktuelle Situation des einwohnerstärksten Teilortes von Niederstetten. Man ist sehr froh, dass es am Ort noch drei Haupt- und mehrere Nebenerwerbsbetriebe gibt, in denen Viehwirtschaft betrieben wird. Hierdurch können die Hangflächen auch weiterhin kultiviert und die Entstehung von Brachland verhindert werden.

Quiz-Gewinner bekanntgegeben

Bei der Landschaftspflege ist außerdem der Weinbau nach wie vor von großer Bedeutung. Als Lokalpatriot und begeisterter Sänger verabschiedete Hauf die Gruppe mit dem Lied „Oh Vorbachtal – wie schön bist du !“ Von weitem schon sah man die einladend erleuchtete Festhalle des Ortes, in der die Vorbachzimmerner Landfrauen die Bewirtung vorbereitet hatten.

Letzter kleiner Höhepunkt war die Auslosung der Gewinner des Heimatbuchquiz 2018, die Schriftführer Dr. Adalbert Ruhnke vornahm. Zu gewinnen gab es diesmal drei wertvolle Buchpreise und zehn Reproduktionen des Merian-Stiches der Schlacht von Herbsthausen aus dem Jahr 1645.

Auch im kommenden Jahr, so war man sich einig, wird die „Wanderung zum Auslüften zwischen den Jahren“ wieder ein fester Punkt im Terminkalender der Mitglieder und Freunde des „Steidemer Männle“ sein. aru