Niederstetten

Energie Defekt in Schaltkreisen legt Anlagen lahm / Niederstettener Heeresflieger sind informiert

Zwei Windräder stehen ohne Licht im Dunkeln

Rot am See.Die Rotoren von zwei neuen Anlagen bei Rot am See drehen sich schon seit Wochen nicht mehr – und zur Nachtzeit blinken auch keine roten Warnlichter.

Windräder stehen auch in Hohenlohe unter besonderer Beobachtung. Die Anlagen zeigen zum Beispiel die genaue Richtung an, aus der die Windsbräute heranfegen. Und auch das Wohlbefinden der Windmühlen selbst lässt sich kilometerweit ablesen. Stehen etwa die Rotoren still, herrscht gerade Flaute. Oder der Strommarkt wird in stürmischen Zeiten mit Energie überschwemmt und die Wind räder schalten ab.

Die beiden Windräder allerdings, die seit Herbst 2017 neben der Bundesstraße 290 beim Schuckhof zwischen Rot am See und Blaufelden in den Himmel ragen, geben aufmerksamen Bürgern der Region schon seit Wochen Rätsel auf, die mit den üblichen Erklärungen nicht zu lösen sind.

Die Rotoren der 200-Meter- Riesen vom Typ Nordex N 131, die für das Energieunternehmen ENBW eine Nennleistung von jeweils 3,3 Megawatt Strom liefern können, schnurrten nur in der ersten Zeit munter vor sich hin. Inzwischen aber drehen sich die Flügel selbst bei steifen Brisen nicht mehr.

Strenge Vorschriften

Noch weitaus mysteriöser aber: Wenn die Nacht über Hohenlohe hereinbricht, stehen die beiden Windräder schon seit einigen Wochen völlig im Dunkeln. Kein einziges der roten LED-Warnlichter ist zu sehen.

Dabei gibt es für die Befeuerung, wie die Lampen in der Fachsprache genannt werden, sehr strenge Vorschriften – vor allem für Türme, die über 100 Meter aus dem Boden ragen: Die Zahl der Lichter, ihre Leuchtstärke und ihr Abstand zueinander am Turm sind in der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen“ präzise geregelt. Auch für die Farb anstriche der Türme gibt es genaue Vorgaben.

Schließlich soll der Pilot eines Flugzeugs auch bei schlechter Sicht schon von Weitem sehen können, dass ihm da ein stählerner Koloss eventuell ganz gefährlich im Wege steht.

Im hohenlohischen Luftraum sind nachts zum Beispiel nicht nur zivile Maschinen, sondern in relativ geringer Höhe auch Rettungshubschrauber, die Heeresflieger der Bundeswehr aus Niederstetten und zuweilen auch die US-Armee aus dem benachbarten Kreis Ansbach unterwegs.

Jörg Busse, Pressesprecher der ENBW, löste die Windrad-Rätsel aufNachfrage: Demnach gab es kurz nach der Inbetriebnahme der beiden Windräder einen offenbar folgenreichen Defekt in einem elektronischen Schaltfeld, der sowohl die Rotoren der Windmühlen als auch das Rotlicht und die Stromversorgung der Anlagen selbst lahmlegte. „Der Hersteller arbeitet gerade daran, noch im Laufe dieser Woche könnte das komplexe technische Problem behoben sein“, sagte Jörg Busse.

Die nationale Flugsicherung wurde von der ENBW sofort über den Ausfall der Befeuerung informiert, auf den einschlägigen Karten und in den Datenbanken für Piloten gibt es entsprechende Hinweise. haz